Geschwächte SPÖ-Chefin im Interview

Rendi rechnet auf oe24.TV ab: ''Feigheit!''

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im Interview mit Isabelle Daniel.
Zur Vollversion des Artikels

Auf oe24.TV rechnet SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner mit ihren Kritikern ab und verkündet, sie werde weiterkämpfen. Auf die Frage, wie Rendi-Wagner mit den 25 Prozent, also rund 150 Delegierten, die sie nicht gewählt haben, umgehen möchte, antwortet die Parteiobfrau mit direkten Worten: Ein Parteitag sei dazu da, um mit offenem Visier zu kämpfen. "Feigheit bringt uns nicht weiter".

Was sie sich stattdessen gewünscht hätte? "Nämlich, dass einer von diesen 25 Prozent sagt: "Ich kann es besser". Der oder die hätte die Möglichkeit gehabt in den letzten zweieinhalb Jahren. 2018, als man mich gefragt hat, hat sich niemand dieser Wahl gestellt, [...] offenbar wollte diese Verantwortung damals keiner übernehmen. Jetzt, neuer Parteitag, wieder eine Möglichkeit, eine Verantwortung für die Sozialdemokratie zu übernehmen, auch da hat sich niemand gemeldet [...]." Und weiter: "Dann sollte man mich aber arbeiten lassen". Rendi wird noch schärfer: "Das ist jetzt offensichtlich passiert, dass man hier von hintenherum versucht, die Partei permanent zu beschädigen, ohne Verantwortung zu übernehmen".

Das gesamte Interview mit Polit-Insiderin Isabelle Daniel finden Sie hier im Video.

ÖSTERREICH: Was haben Sie sich in dem Moment gedacht, als Sie gehört haben, nur 75 % haben Sie gewählt?

Pamela Rendi-Wagner: Es ist mir wie wahrscheinlich drei Viertel der Delegierten gegangen, die wirklich überrascht waren von diesem Ergebnis. Wir waren überrascht, weil die Stimmungen extrem positiv waren aufgrund der Entwicklungen der letzten Monate. Die Diskussion am Parteitag, die ja im Mittelpunkt steht, die war ja auch durchwegs positiv, da hat es nur ganz wenige inhaltliche kritische Äußerungen gegeben. Also die Kritiker, diese 25 %, die sind nicht vor den Vorhang getreten, und deshalb war das eigentlich nicht nachvollziehbar.

ÖSTERREICH: Ein Ziel dieser Streichungen ist offensichtlich, Sie zu demütigen und Sie zum Aufgeben zu bewegen. Werden Sie aufgeben?

Rendi-Wagner: Nein, gleich auf die Frage ganz klar – Nein. Ich habe in meinem Leben immer weitergekämpft, wenn ich ans Ziel geglaubt hab, und habe nicht aufgegeben, und das habe ich auch in meinem Leben nicht gemacht und das habe ich in den letzten 2 ½ Jahren in meiner politischen Vorsitzführung der Sozialdemokratie nicht getan, und Sie wissen, ich habe damals die Partei 2018 in einem sehr schwierigen Zustand übernommen. Die Umfragen waren schlecht, alle waren verunsichert, die finanzielle Situation war schlecht. Es waren viele Steine, die mir hier im Weg gelegen sind und die mir auch in den Weg gelegt wurden – im Rahmen der Mitgliederbefragung, die am Ende eine sehr positive für mich war mit einer ­hohen Zustimmung.

ÖSTERREICH: Aber wie geht es weiter?

Rendi-Wagner: Es gibt eigentlich zwei Möglichkeiten. Nämlich, dass einer von diesen 25 Prozent sagt, ich kann es besser. Der- oder diejenige hätte die Möglichkeit gehabt in den letzten 2 ½ Jahren zu melden. Als man mich gefragt hat, hat sich niemand anderer dieser Wahl gestellt. Weil die Situation eine so schwierige war, offenbar wollte damals niemand diese Verantwortung übernehmen. Jetzt neuer Parteitag, wieder eine Möglichkeit, eine Verantwortung für die Sozialdemokratie zu übernehmen. Auch da hat sich niemand gemeldet, der gesagt hat, ich kann es besser. Zweite Möglichkeit ist, dass man sagt, o. k., niemand stellt sich der Wahl, dann sollte man mich aber arbeiten lassen.