Pflicht für Autos
Schluss mit Alkohol am Steuer: Neues Gesetz kommt
Die Vorbereitung greift am Dienstag, den 1. Juli 2026, wenn eine neue Verordnung in der Europäischen Union bindend wird. Ab diesem Stichtag muss jeder verkaufte Neuwagen mit einer standardisierten Schnittstelle für ein sogenanntes Alkolock-System ausgestattet sein. Wer nun befürchtet, vor jeder Fahrt zum Atemalkoholtest antreten zu müssen, kann aufatmen: Das Gesetz schreibt keineswegs den serienmäßigen Einbau des eigentlichen Messgeräts vor, sondern nimmt lediglich die Automobilhersteller in die Pflicht, die technische Vorbereitung zu verbauen. Sowohl der physische Platz im Cockpit als auch die elektronische Anschlussstelle müssen ab Werk vorhanden sein, um ein System bei Bedarf schnell und kostengünstig nachrüsten zu können. Im Amtsdeutsch wird die Technologie als „alkoholempfindliche Wegfahrsperre“ bezeichnet.
Funktionsweise der Zündungssperre
Das Prinzip eines aktiven Alkolocks gleicht den klassischen Messgeräten der Polizei. Vor dem Starten des Motors muss der Fahrer in das Gerät blasen. Registriert die Sensorik einen Wert über dem gesetzlichen Limit, blockiert die Zündung elektronisch und das Auto lässt sich nicht starten. Um Fehler und Manipulationen zu vermeiden, müssen alle künftigen Geräte der europäischen Norm EN 50436 entsprechen und zertifiziert sein. Solche Systeme sind keineswegs eine ungetestete Neuheit und werden in zahlreichen Ländern bereits erfolgreich eingesetzt – vor allem bei verurteilten Wiederholungstätern oder als Auflage in der Transportbranche. Schätzungen besagen, dass ein breiterer Einsatz dieser Technologie die Zahl der tödlichen Alkoholunfälle um bis zu 65 Prozent senken könnte.
In Österreich gab es zwischen 2017 und 2022 ein Pilotprogramm, das trotz positivem Feedback vom Samariterbund nicht verlängert wurde. Damals ließen 655 Männer und 98 Frauen das System einbauen, um einen drohenden Führerscheinentzug abzuwenden. Der Bedarf ist im Land nach wie vor hoch: Jedes Jahr verlieren in Österreich rund 26.000 Menschen ihren Führerschein wegen Alkohol am Steuer.
Das Programm Vision Zero
Hinter der Einführung steht das ambitionierte Programm „Vision Zero“. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der alkoholbedingten Verkehrstoten bis zum Jahr 2030 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren und bis 2050 idealerweise komplett auf null zu senken. Bereits seit 2024 müssen Neuwagen diverse Assistenten wie intelligente Geschwindigkeitsassistenten mit GPS- und Kameradatenabgleich, Notfall-Spurhalteassistenten, adaptive Bremslichter und einen Ereignisdatenspeicher – eine Art Blackbox für Autos – an Bord haben. Für die allermeisten Lenker wird die neue Alkolock-Schnittstelle ab Juli jedoch völlig unsichtbar bleiben, da das eigentliche Atemmessgerät in der Regel nur auf richterliche oder behördliche Anordnung verbaut wird.