Gewerkschaft ortet Doppelmoral

Sozialpartner-Aufstand gegen Maskenpflicht

© TZOe MFellner
Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter geschlossen gegen Masken-Regeln.
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Österreich. Der Sommer steht vor der Tür – an die Coronapandemie denkt zurzeit kaum noch jemand. Steigende Temperaturen, fallende Masken – könnte man meinen – aber Fehlanzeige: Im lebensnotwendigen Handel, den Öffis und in vulnerablen Bereichen wie Spitälern oder Heimen bleibt die Maske weiterhin oben.

GPA-Chefin: Doppelmoral des Kanzlers unerträglich

Kritik. Gewerkschafts-Chefin Barbara Teiber will die Handelsangestellten endlich entlasten, sie schießt gegen den Pandemie-Sager des Kanzlers: „Nehammer erklärt, dass ihn Viren nicht kümmern, gleichzeitig tragen Angestellte täglich bei Hitze und Stress die Maske. Diese Doppelmoral ist unerträglich“, erklärt die GPA-Chefin gegenüber ÖSTERREICH. Bei Konzerten dürften Menschen maskenlos feiern, dementsprechend solle auch ein Ende der Masken für Angestellte im Supermarkt oder in Banken möglich sein. „Deren Interessen werden von der Politik offenbar nicht gehört“, beklagt Teiber.

Auch Wirtschaft für Ende der Masken-Qual

Rückendeckung. Unterstützung für das Masken-Aus kommt auch aus der Wirtschaft: Zuletzt forderte WKO-Präsident Harald Mahrer ein sofortiges Ende der „Maskenqual“ für Mitarbeiter des lebensnotwendigen Handels. Das bekräftigt auch WKO-Handelssprecher Rainer Trefelik im ÖSTERREICH-Interview. Gesundheitsminister Johannes Rauch solle die Größe haben, die Regelung zu ändern, fordert Trefelik.

Funkstille. Im Gesundheitsressort will man auf Nachfrage nicht auf die Forderungen der Sozialpartner reagieren. Dort verweist man weiter auf den 8. Juli – so lange gilt die bestehende Regelung. Die Notwendigkeit der Maßnahmen werde ohnehin stetig überprüft, heißt es aus dem Ministerium.

Handelsverbands-Chef plant rechtliche Schritte

Ultimatum. Das reicht Handelsverbands-Chef Rainer Will nicht. Knapp 30.000 Unterstützer bekam seine Masken-Aus-Petition, ein entsprechender Neos-Antrag im Parlament wurde von der Regierung abgeschmettert. Jetzt macht er Ernst: „Wir prüfen jetzt juristische Schritte, etwa den Weg zum VfGH“, erklärt Will ÖSTERREICH. Der Kampf ums Aufatmen geht weiter.

Trefelik: "Masken-Pflicht hat keine Akzeptanz"

ÖSTERREICH: Die Sozialpartner sind sich beim Masken-Aus einig. Warum ist trotzdem noch nichts geschehen?

Rainer Trefelik: Ich glaube, man hat gedacht, Maskenpflicht bis zum 8. Juli, weil dann die Schulferien beginnen. Allerdings sind an den Schulen die Masken jetzt gefallen. Da sollte auch der Gesundheitsminister die Größe haben, die Regelung zu ändern.

ÖSTERREICH: Welche Argumente sprechen für ein Ende der Maskenpflicht?

Trefelik: Es ist unglaublich mühsam, mit der Maske zu arbeiten. In der Hitze körperliche Arbeit zu verrichten. Wenn es überall Pflicht ist, dann versteht man es ja noch, aber so hat diese Maßnahme keine Akzeptanz mehr. Die Handelsmitarbeiter haben kein Verständnis dafür, wenn in Fußballstadien oder bei Großevents wieder alles ohne Maske abläuft.

ÖSTERREICH: Was sagen Sie all denjenigen, die auch weiter für die Maskenpflicht sind?

Trefelik: Sagen Sie, o. k., wir haben eigentlich ursprünglich etwas anderes geplant, aber jetzt – unter den gegebenen Umständen, schaffen wir die Maskenpflicht ab. Das wäre jetzt der eindeutig richtige Schritt. Sonst wird uns das fehlende Verständnis für ­allgemeine Corona-Maßnahmen wie die FFP2-Maskenpflicht im Herbst wieder zum Verhängnis. Deshalb sollte die Maskenpflicht am besten noch heute fallen, allerspätestens aber mit Ende Mai.