"Keine persönliche Bereicherung"

Strache im ersten Interview nach dem Urteil

Das erste Interview von H.C. Strache nach seinem Urteil am Freitag.
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oe24.TV: Sie haben von einem krassen Fehlurteil gesprochen, hat Sie das Urteil gegen Sie überrascht?

Strache: Selbstverständlich war ich überrascht und schockiert. Gerade in schwierigen Zeiten muss man sich das Positive vor Augen führen: Von fünf Anklagepunkten sind wir in drei freigesprochen worden. Mir war wichtig, dass es keine persönliche Bereicherung gegeben hat, wie auch die Richterin festgestellt hat. Man hat die 2.000 Euro Spende in einen falschen Konnex gestellt.

oe24.TV: Was haben Sie sich bei der Urteilsverkündung gedacht?

Strache: Wenn man ein reines Gewissen hat, trifft einen das doppelt und dreifach. Man ist entsetzt, wenn man so eine Maschinerie erlebt, wo man am Ende nicht rechtskräftig verurteilt wird. Ich habe immer gesagt, dass ich auf den Rechtsstaat vertraue, aber den Glauben habe ich fast verloren. Hätte ich mir etwas zuschulden kommen lassen, hätte man das in meinen Handy-Protokollen gefunden.

oe24.TV: Haben Sie in den Tagen vor dem Prozess über eine Verurteilung nachgedacht?

Strache: Dass man sich auf hoher See und vor Gericht in Gottes Hand befindet ist mir vor dem Prozess im Kopf herumgeschwirrt. Wenn Recht gesprochen wird, muss das nicht immer gerecht sein. Diese Erfahrung habe ich im Zuge des Verfahrens gemacht. Eines ist ersichtbar geworden: Eine 2.000-Euro Spende an die Opposition, die in den falschen Konnex gestellt wurde, muss aufgeklärt werden.

oe24.TV: Ist das ein politisches Urteil?

Strache: Das will ich nicht bewerten, das sollen andere tun.

oe24.TV: In der Urteilsbegründung heißt es, Sie hätten faktische Einflussnahme auf FPÖ-Abgeordnete genommen

Strache: Ich wusste von der 2.000 Euro Spende nichts. Ich habe auf keinerlei Abgeordnete Einfluss genommen, sondern nur eine Rechtsprüfung beantragt.

oe24.TV: Ist es eine komische Optik, dass der Initiativantrag direkt nach der Spende kam?

Strache: Nein, weil es nicht unmittelbar danach erfolgt ist.

oe24.TV: Sie bleiben dabei, nichts von der Spende gewusst zu haben?

Strache: Ich habe nichts davon gewusst, aber hätte ich es gewusst, hätte ich kein schlechtes Gewissen gehabt, da alle Mandatare aus Überzeugung und ohne Druck gehandelt haben.

oe24.TV: Wie geht es jetzt weiter?

Strache: In den nächsten Monaten gibt es ein schriftliches Urteil. Darauf werden wir mit einer Berufung antworten.

oe24.TV: Hat das Urteil Auswirkungen auf die Politik?

Strache: Man müsste grundsätzlich alle Spenden verbieten, da man ja zu jeder Spende einen solchen Konnex herstellen kann.

oe24.TV: Sehen Sie sich politisch verfolgt?

Strache: Wer das, was alles jahrelang gegen mich konstruiert wurde, nicht als Verfolgung sieht, der hat nicht alle Tassen im Schrank.

oe24.TV: Haben Sie Angst, dass sie ins Gefängnis müssen?

Strache: Mit solchen Gedanken belaste ich mich nicht, dann hätte ich jedes Vertrauen in den Rechtsstaat verloren.

oe24.TV: Wie sehr nimmt Sie die Causa persönlich mit?

Strache: Wenn man diesen jahrelangen Vernichtungsfeldzug und den falschen Verleumdungen konfrontiert ist, beschäftigt das einen klarerweise massiv. Daher bin ich den meiner Familie und den Menschen, die hinter mir gestanden sind, sehr dankbar.

oe24.TV: Was bedeutet das für Ihre politische Karriere?

Strache: Ich bin ein unbescholtener Bürger, da es kein rechtskräftiges Urteil gibt. Meine Gedanken, wie es mit meiner persönlichen Zukunft weitergeht, sind noch nicht abgeschlossen. Unsere Kandidaten des Grazer Team-HC werde ich natürlich tatkräftig unterstützen.

oe24.TV: Wie hoch waren Ihre Prozesskosten bis jetzt?

Strache: Sicher jenseits der 100.000 Euro.

oe24.TV: Was machen Sie im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung?

Strache: Ich habe ein reines Gewissen und ich vertraue auf die Gerichtsbarkeit und dass Recht auch mit Gerechtigkeit zu tun hat.

oe24.TV: Wie geht es jetzt beruflich weiter?

Strache: Ich bin Unternehmer, habe verschiedene Beratungsaufträge und bin auch im Bereich von Immobilien- und Projektentwicklung tätig.