Politik-Insider

Überraschungscoup mit Wolf geplant

22.09.2010

Wendung im ORF-Streit: Armin Wolf ist plötzlich Favorit für den Chef-Job.

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© TZ Österreich/Fichtinger
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Pläne
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gibt sich ganz bedeckt: Alle Personalentscheidungen seien noch offen. Jetzt laufe die Ausschreibung (Anm. bis nächsten Donnerstag), erst danach werde entschieden. Und doch gehen die Wogen in Sachen neuer ORF-TV-Chefredakteur so richtig hoch. Wie mittwochs berichtet, wendete sich ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser am Dienstag via E-Mail an seine Redaktion. Darin stellte er unmissverständlich fest, dass er "weder auf Zurufe reagieren noch unanständige Wünsche erfüllen" werde. Übersetzt, bedeutet dies, dass er keine Politwünsche erfüllen werde.

Hinter den Kulissen hat Oberhauser bereits klar gemacht, wen er damit meint: ORF-Vize-Innenpolitikchef Fritz Dittlbacher, der angeblich ein SPÖ-Wunsch für die Chefredaktion sei.
Recherchen ergeben nun aber, dass sich Dittlbacher wohl gar nicht ­bewerben wird.

Dittlbacher verzichtet für seine Frau, Wolf steigt auf
Denn seine Frau, Lou Lorenz-Dittelbacher, ist erst vor wenigen Wochen zur ZIB2-Moderatorin aufgestiegen. Sollte ihr Mann Fritz zum Chefredakteur ernannt werden, müsste Lou Lorenz ihren Job wieder aufgeben und die ORF-Information sogar zur Gänze verlassen. Die ORF-Statuten erlauben es nicht, dass ein Ehepartner der Vorgesetzte des anderen ist. Dittlbacher hat aber Vertrauten erklärt: "Wenn Lou die ZIB verlassen muss, bewerbe ich mich nicht." Ein ORF-Spitzenmann berichtet, dass Wrabetz daher an einem "Überraschungscoup arbeitet, mit dem Oberhauser nicht rechne". Demnach will Wrabetz einen Befreiungsschlag setzen und den Parteiunabhängigen Kandidaten für den ORF-Top-Job vorschlagen: ZIB2-Star Armin Wolf.

Gegen Wolf, der für alle Politparteien gleich unbequem wäre, könnte ORF-intern schwerlich argumentiert werden: Der harte Interviewer hatte als ZIB 24-Chef bereits Führungserfahrung gesammelt und erst kürzlich ein Management-Postgraduate abgeschlossen.

Nur eine ehemalige Kollegin könnte Wolf noch in die Quere kommen: ORF-Diskussionsleiterin Ingrid Thurnher. Sie soll – wie berichtet – gegenüber ORF-Kollegen angekündigt haben, dass sie sich "auch bewerben" werde.
Jetzt bleibt abzuwarten, ob Elmar Oberhauser Wolf oder Thurnher unterstützen wird. Und wie die Politik auf Wrabetz’ Befreiungsschlag reagiert.

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