Das sagt ÖSTERREICH
Wir brauchen Neustart bei der Impf-Strategie
Kanzler Kurz ist gestern der Geduldsfaden gerissen – und er hat endlich Klartext über das Impf-Versagen der EU gesprochen. Das war höchste Zeit, denn die EU liefert derzeit in der Impf-Strategie eine wirklich desaströse Vorstellung: Sie hat die Impf-Versorgung Europas viel zu spät (im November statt im Sommer), viel zu knausrig (vorsichtig statt offensiv) und viel zu dilettantisch durchgeführt.
Dass unser Kanzler jetzt auch noch erfahren musste, dass die EU ihn und Österreich bei der Verteilung der Impf-Dosen übervorteilt hat, indem andere Länder in Geheimverträgen mehr Impfdosen erhalten als wir, das schlägt dem Fass den Boden aus.
Es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Österreich in der Impf-Strategie von Europa lossagen muss. Wir müssen den Mut haben, zusätzlich am freien Markt so viele Dosen wie möglich zuzukaufen. Es gibt die Möglichkeit, so wie Ungarn in Russland Sputnik-Impfdosen zu kaufen, es gibt in China jede Menge frei verfügbaren Impfstoff, es gibt in Israel Biontech-Impfdosen und in einigen Staaten auch noch jede Menge verfügbares AstraZeneca.
Österreich muss eine Offensive – mit Impfungen bei jedem Arzt und groß angelegten Impf-Straßen – nach dem Vorbild von Großbritannien und USA starten, wo Präsident Biden die 180-Millionen-Bevölkerung bis Mai durchgeimpft haben wird.
Dafür braucht es einen Neustart. Mit dem derzeitigen Gesundheitsminister, vor allem aber mit seinem völlig verschlafenen Ministerium ist so ein Neustart nicht zu schaffen. Der Kanzler und sein Vize Kogler müssen sich ernsthaft überlegen, wie sie unsere Impf-Strategie neu und offensiv aufstellen.
Wenn es wahr ist, dass unser Gesundheitsminister zugestimmt hat, dass bestimmte Staaten in Europa Impfdosen „aufkaufen“ können, und wenn er damit Österreich geschädigt statt geholfen hat – dann ist Anschober sowieso rücktrittsreif.