Sexismus-Eklat
Hass-Welle gegen Trainerin Eta – Union schlägt zurück
15.04.2026Beim deutschen Bundesligisten, dem 1. FC Union Berlin, fliegen die Fetzen – und mittendrin schreibt eine Frau Fußballgeschichte.
Nach dem überraschenden Aus von Steffen Baumgart übernimmt Marie-Louise Eta das Ruder – zunächst für die letzten fünf Spiele der Saison. Die 34-Jährige ist damit die erste Cheftrainerin einer Männer-Mannschaft in der Bundesliga. Ein historischer Moment – der im Netz jedoch nicht nur gefeiert wird.
Denn kaum war die Entscheidung öffentlich, schlug Eta eine Welle aus Häme und Sexismus entgegen. Sprüche unter der Gürtellinie, Zweifel an ihrer Kompetenz – teils offen beleidigend. Union reagierte ungewohnt scharf: Der Klub konterte einzelne Kommentare direkt und stellte klar, was er davon hält. Kurz gesagt: null Toleranz für Sexismus.
Kompany: »Diese Geschichten sind sehr wichtig«
Auch Geschäftsführer Horst Heldt fand bei der Pressekonferenz am Dienstag deutliche Worte: „Ich habe das mitbekommen. Aber ich weigere mich auch, das tatsächlich zu lesen und mich damit zu identifizieren oder mir irgendeinen Mist vor Augen zu führen.“ Mit solchen Kommentaren wolle man sich gar nicht erst beschäftigen. Für ihn steht fest: Es geht nicht um eine Symbolfigur, sondern um eine „hochkompetente Führungspersönlichkeit“. Kommunikationschef Christian Arbeit wurde noch klarer – man müsse sich stellenweise schämen, was manche Menschen öffentlich von sich geben.
Doch nicht nur in Köpenick wächst der Rückhalt – auch aus der Liga Applaus. Bayern-Trainer Vincent Kompany spricht von mehr als nur einem Trainerwechsel. Für ihn ist Eta ein echtes Signal: „Das ist ein Schlüsselmoment.“ Vor allem für den Nachwuchs sei das enorm wichtig. Seine Botschaft: Kleine Mädchen, die heute auf dem Fußballplatz stehen, sehen plötzlich neue Möglichkeiten. Trainerin im Profifußball? Keine ferne Idee mehr, sondern ein realistischer Weg. „Genau solche Geschichten sind sehr wichtig“, so der 40-Jährige.
Erste Einheit: Eta lauter als Baumgart
Während draußen die Diskussion tobte, ließ Eta selbst auf dem Platz Taten sprechen. Dienstagmorgen, kurz vor acht: Ein schwarzes Auto rollt aufs Gelände an der Alten Försterei – Eta ist die Erste vor Ort. Wenig später folgen die Spieler. Und dann geht’s raus auf den Platz. Dort zeigt sich sofort: Die neue Chefin ist alles andere als leise.
Kaum hat die Einheit begonnen, hallen ihre Anweisungen über den Trainingsplatz. „Hey Jungs!“ – Eta coacht, korrigiert, motiviert. Ununterbrochen. Lauter, direkter, präsenter als ihr Vorgänger. Ihr Plan ist klar und einfach erklärt: Mehr Bewegung, mehr Kommunikation, schnelleres Spiel. Keine komplizierten Experimente, sondern klare Basics. Dass sie den Klub kennt, hilft enorm. Eta war bereits Teil des Trainerteams, kennt die Abläufe, kennt viele Spieler. Große Eingewöhnung? Fehlanzeige.
Jetzt zählt nur noch eines: Ergebnisse.Fünf Spiele bleiben, um die Saison zu retten. Fünf Spiele, in denen Eta nicht nur sportlich liefern, sondern auch ihren Kritikern zeigen kann, dass sie weit mehr ist als ein Diskussionsthema. Das erste steht bereits am Samstag gegen Wolfsburg an.