Unfassbare Szenen

Jetzt droht Rapid ein Geisterspiel

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Auch Rapid-Fans provozierten Randale in Saloniki. UEFA könnte hart durchgreifen.
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Sieben Festnahmen, aber keine Schwerverletzten - so lautet die Bilanz aus Rapid-Sicht nach den schweren Ausschreitungen am Donnerstag im Play-off-Hinspiel der Fußball-Europa-League bei PAOK Saloniki. Weiteres Ungemach droht den Hütteldorfern schon in den kommenden Tagen aus Nyon. Die UEFA ist bekannt dafür, bei Randalen wie im Toumba-Stadion von Thessaloniki hart durchzugreifen. Deshalb darf sich der Rekordmeister zumindest auf eine saftige Geldstrafe gefasst machen, selbst ein "Geisterspiel" im Retourmatch am kommenden Donnerstag im Hanappi-Stadion scheint nicht ausgeschlossen.


Polizei setzte Tränengas ein
Um die PAOK-Fans vor den Toren des Rapid-Sektors halbwegs zu bändigen und Zusammenstöße beider Gruppierungen wie bereits am Nachmittag in der Innenstadt zu vermeiden, setzte die in zu geringer Personenzahl aufmarschierte Polizei sogar Tränengas ein. Dessen Auswirkungen waren eine Stunde vor Anpfiff im Inneren das Stadion deutlich zu spüren, Steffen Hofmann hatte damit auch noch während der Partie Probleme. "Phasenweise hat es im Gesicht gebrannt", sagte der Rapid-Kapitän.

Rapid-Spieler bespuckt
Als die PAOK-Anhänger auf den Rasen liefen, waren Hofmann und seine Kollegen gerade dabei, ihr Aufwärmprogramm zu beenden. Der Deutsche wurde dabei zur Zielscheibe eines Platzstürmers, doch Ersatzgoalie Jan Novota ging dazwischen und wurde dafür angespuckt. Auch Harald Pichler machte Bekanntschaft mit dem Speichel eines Griechen, Stefan Kulovits musste einen Rempler einstecken. Während des Spiels flogen zahlreiche Gegenstände wie Glasfaschen aufs Feld, ein großer Stein landete nicht allzu weit von Goalie Lukas Königshofer entfernt.

Trainer Peter Schöttel zeigte sich angesichts der Randale fassungslos. "Das war richtig schlimm. So etwas habe ich noch nie erlebt", erklärte der Rekordspieler der Hütteldorfer, hielt sich aber ansonsten mit Stellungnahmen zu diesem Thema zurück.

Auch VIP-Tribüne attackiert
So wie Schöttel sammelte auch Rapid-Präsident Rudolf Edlinger neue Erfahrungen. Der Clubchef und weitere Führungskräfte der Grün-Weißen wurden auf der Ehrentribüne von in der Nähe sitzenden PAOK-Fans ins Visier genommen. "Gott sei Dank sind wir hinter einer Glaswand gesessen, sonst wären wir schwer attackiert worden", erzählte der ehemalige Finanzminister.

Edlinger verurteilte das Fehlverhalten einiger Rapid-Fans, sah aber auch PAOK Saloniki in der Pflicht. "Der Ordnerdienst ist vom Gastgeber bereitzustellen", betonte der 72-Jährige. Dass allerdings nicht nur auf die Griechen, sondern auch auf seinen Verein eine UEFA-Strafe wartet, war Edlinger bewusst.

Geisterspiel droht
Wie diese ausfällt beziehungsweise wann sie festgelegt wird, darüber herrschte noch Unklarheit. Bei Rapid ging man davon aus, dass man vom europäischen Verband im Laufe des Freitags zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert würde. Ein Verfahren, an dessen Ende ein Match hinter verschlossenen Toren steht, scheint nicht ausgeschlossen. Schöttel reagierte auf die Aussicht einer Partie ohne Zuschauer mit Ironie. "Vor einem Jahr haben wir ein Geisterspiel gegen die Admira 2:0 gewonnen", sagte der 45-Jährige.

Im Falle eines Spiels unter Ausschluss der Fans würde Rapid um ein ausverkauftes Hanappi-Stadion umfallen, denn schon bis Donnerstag waren 15.000 Karten abgesetzt. Über 800 davon gingen an PAOK-Anhänger, deren Anwesenheit in Wien neuerliche Zusammenstöße auslösen könnte. "Es handelt sich auf jeden Fall um ein Hochrisiko-Spiel", erklärte Marek, der lange nach Spielschluss eine weitere Schrecksekunde erlebte: Auf der Fahrt mit einem Fanbus zum Flughafen durchschlug ein Stein eine Fensterscheibe des Fahrzeugs.

"Hass-Grieche" vom Derby wieder dabei
Hintergrund der schweren Krawalle ist die Fan-Freundschaft zwischen Rapid und Panathinaikos, einem der erbittertsten Rivalen von PAOK. In Liga-Duellen beider Clubs im Toumba-Stadion sind Anhänger des Athener Vereins seit Jahren nicht zugelassen.

Am Donnerstag wurden Panathinaikos-Schlachtenbummler in Thessaloniki gesichtet, allerdings schafften sie es wohl nicht ins Stadion, weil - wie Marek versicherte - von den Griechen genaue Personenkontrollen an den Eingängen zum Rapid-Sektor vorgenommen wurden. Ebenfalls in der Stadt weilte jener korpulente Panathinaikos-Hooligan, der rund um den Derby-Platzsturm im Mai 2011 als "Hass-Grieche" zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Er befand sich aber mit einer Sicherheit von "einer Million Prozent" nicht im Toumba-Stadion, so Marek.

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