oe24-Interview
Helmut Marko verrät: So war das mit Verstappen
16.01.2026Das große Interview sechs Wochen nach dem Abschied von Red Bull Racing: Helmut Marko (82) spricht über das spannende F1-WM-Jahr, Max Verstappen, Vertrags-Klauseln und seine neuen Projekte .
Als der neue Red-Bull-Bolide in der Nacht auf Samstag im Rahmen einer pompösen Show in der Michigan Central Station aus der Taufe gehoben wurde, stellte sich der langjährige Bullen-Motorsportberater nicht einmal den Wecker. „Ich bin in Pension, und ich genieße es“, so der Grazer im oe24-Talk. Zurzeit steckt der Hotelier seine Energie in ein neues Projekt am Grünen See und meint: „Keine Sorge, langweilig war mir noch keine Sekunde. Ich hab zig Besprechungen und mehr zu tun, als mir lieb ist.“
oe24: Haben Sie den neuen RB22 schon gesehen?
MARKO: In natura noch nicht, nur auf Bildern. Aber da wird sich noch so viel ändern. Wie Sie wissen bin ich inzwischen weit weg und kann wenige Aussagen dazu machen.
oe24: Interessant war Ihre Prognose im ORF, als Sie sinngemäß meinten, dass der neue Weltmeister in einem mit Mercedes-Motor angetriebenen Auto sitzen wird. Wieso glauben Sie das?
MARKO: Mein Gott, unsere Welt ist überschaubar. Zum Beispiel die AVL-Prüfstände (in Graz, d. Red.) werden von mehreren Teams verwendet. In Milton Keynes (dem Standort der Red-Bull-Werke, d. Red.) kommt auch alles zusammen, und Oxford ist gleich daneben. Mercedes ist aufgrund der Historie und der Motor-Kompetenz schon in einer gewissen Favoritenrolle. Das gilt wie gesagt für die Top-Teams mit Mercedes-Motoren.
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"Wenn es einer schafft, Mercedes zu besiegen, dann ..."
oe24: Und was wird aus Max Verstappen?
MARKO: Sagen wir so: Wenn es einer schafft, Mercedes zu besiegen, dann Max. Weil beim neuen Reglement und all den Komponenten, die jetzt dazukommen, der Fahrer eine noch größere Rolle spielt. Max ist einfach der Beste.
oe24: Keiner kann sagen, ob und wie schnell es Red Bull schafft, mit dem eigenen Motor um Siege mitzufahren. War es das wert, dieses Risiko einzugehen?
MARKO: Wir hatten keine Alternative. Honda hatte damals den Ausstieg beschlossen. Als sie zurückgekommen sind, war unser Projekt schon zu weit fortgeschritten.
oe24: Ist es nicht bitter für Mercedes, dass man 2025 nicht mit dem Einser-Team sondern als McLaren-Motorlieferant Weltmeister wurde?
MARKO: Das stimmt schon. Auf der anderen Seite spricht das dafür, dass McLaren mit Motoren auf höchstem Niveau versorgt wurde.
oe24: Verstehen Sie, warum Aston Martin mit Superhirn Newey als Konstrukteur in Zukunft auf Mercedes-Motoren verzichtet und zu Honda wechselt?
MARKO: Die hoffen, dass Honda ähnlich performt wie bei uns in Weltmeister-Jahren.
oe24: Dazu müsste Helmut Marko zu Aston Martin gehen, schließlich haben Sie den Red-Bull-Deal mit Honda gerettet ...
MARKO: Meine Honda-Leute sind inzwischen alle in Pension.
oe24: Sport Bild hat angebliche Verstappen-Ausstiegsklauseln enthüllt. Dabei sollen auch Sie eine Rolle spielen ...
MARKO: Das stimmt alles nicht.
"Klar, dass wir Max nicht binden können, wenn der neue Motor nicht funktioniert"
oe24: Was stimmt nicht? Die Ausstiegsklausel, oder Ihre Rolle dabei?
MARKO: Was heißt? Ich hab den Vertrag verhandelt. Wir hatten immer ein faires Verhältnis, und es ist doch klar, dass wir Max nicht binden können, wenn der neue Motor nicht funktioniert. Es war ohnehin der langfristigste Formel-1-Vertrag, der je abgeschlossen wurde.
oe24: Verstappen ließ immer durchklingen, dass er sich anders orientieren müsste, wenn sein Auto nicht mehr siegfähig ist ...
MARKO: Ist doch logisch. Max will die Chance wahren, alle Rekorde zu brechen. Der Neue Motor ist ein Risiko. Jetzt werden wir ja bald stehen, wo man damit steht.
Die F1-Testfahrten starten am 26. Jänner in Barcelona.
Saison-Auftakt ist am 8. März (5 Uhr MEZ) beim GP von Australien in Melbourne.