Speed-Hit
ÖSV-Stars brennen auf Lauberhorn-Rennen
16.01.2026Der Auftakt ins zweite Saisondrittel des Abfahrtsweltcups der Männer bietet am Samstag den Klassiker vom Lauberhorn, flankiert am Freitag bzw. Sonntag von Super-G und Slalom.
Im Wochenrhythmus stehen für die Abfahrer vor Olympia noch Wengen, Kitzbühel und Crans-Montana an, für die ÖSV-Asse drei Chancen auf das ersehnte Erfolgserlebnis in Form eines Podestrangs. Den hat es seit 17. Februar 2024 nicht mehr gegeben, ein Ende der Durststrecke vor den Spielen käme gerade recht.
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699 Tage sind seit Platz zwei von Vincent Kriechmayr in Kvitfjell vergangen, als Fünfter lächelte er diese Saison in Beaver Creek um 18 Hundertstel am Siegerfoto vorbei. In den Gröden-Abfahrten blieb Rot-Weiß-Rot ohne Top-Ten-Ergebnis, ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer erwartet vier Wochen danach gerade in Wengen von seinen Leuten keine Wunderdinge, hofft aber auf Kriechmayr: "Vinc ist unser Aushängeschild und wird hoffentlich um das Podium mitrittern. Dann erwarte ich mir von den sogenannten Jüngeren, dass sie sich positionieren und besser abschneiden."
Größere Hoffnungen setzt der Coach auf den Heim-Klassiker nächste Woche sowie auch die Olympia-Entscheidung: "Unsere Abfahrtsergebnisse sind einfach besser, wenn es mehr talwärts geht - Kitzbühel, hoffentlich auch Bormio heuer. Gewisse Charakteristiken und Stärken von Läufern lassen sich nicht so stark ändern, dass ein richtig starker Techniker ein super Gleiter wird. Du brauchst in Gröden und Wengen diese Qualitäten auf alle Fälle, um schnell zu sein." Kriechmayr freilich hat die Wengen-Abfahrt 2019 und 2022 schon gewonnen und war im Vorjahr Super-G-Zweiter.
Kriechmayr schwärmt vom Lauberhorn-Ambiente
Dem Oberösterreicher ist die mit knapp zweieinhalb Minuten Fahrzeit längste Abfahrt im Weltcup-Kalender auch so richtig ans Herz gewachsen. "Eiger, Mönch und Jungfrau lachen einen an", schwärmte Kriechmayr von der Bergkulisse. "Und wenn man über den Hundschopf springt, schaut es nicht ganz so schlecht aus, wenn der Gegenhang schwarz ist vor lauter Fans. Es ist ein Riesenprivileg, da zu fahren." Kitzbühel sei zwar spektakulärer und für einen Österreicher höher einzustufen, aber Wengen sei "die wahrscheinlich schönste Abfahrt".
Sportlich freilich müsse er noch einen Schritt machen, dass es in der Abfahrt für ganz vorne reicht. "Ich brauche noch mehr Überzeugung." Marco Odermatt hat sie, gerade in Wengen. Drei seiner sechs Weltcup-Abfahrtssiege feierte er da, und zwar mit einem Doppelschlag 2024 sowie beim Vorjahresrennen. Der Schweizer geht am Samstag (12.30 Uhr) als Favorit in die vierte Saison-Abfahrt. Schließlich gewann Odermatt in diesem Winter in Beaver Creek wie auch in Gröden, wo er im zweiten Rennen hinter Landsmann Franjo von Allmen Zweiter wurde.
Mit mehr österreichischer Gegenwehr aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs muss der Gesamtweltcup-Titelverteidiger und -Führende Odermatt im Super-G am Freitag (12.30 Uhr, jeweils ORF 1) rechnen, war doch Kriechmayr in Beaver Creek und Copper Mountain Erster und Zweiter bzw. Raphael Haaser da zweimal Dritter. Dazu gab es den Livigno-Sieg von Marco Schwarz. Der musste aber am Donnerstag infolge seines in Adelboden eingefangenen Magen-Darm-Virus für Wengen passen und greift nächste Woche in Kitzbühel wieder ins Geschehen ein.
Vier ÖSV-Läufer im Abschlusstraining in Top Ten
Nichtsdestotrotz sieht Pfeifer für seine Leute auch in Wengen für Freitag wegen der technischen Fertigkeiten gute Chancen: "Ein Super-G hat mehr Kurven, mehr Radius drin." Daniel Hemetsberger sieht solche Rennen ebenso aussichtsreicher. "Da hilft es, wenn du ein guter Skifahrer bist. Da hat unsere Mannschaft die Kernkompetenz", meinte der Oberösterreicher. Im Abschlusstraining am Donnerstag wurde der Vierte vom Dienstag Achter (+2,23 Sek.), Raphael Haaser Vierter (+1,47), Stefan Babinsky Sechster (+2,10) und Manuel Traninger mit Nummer 58 Neunter (+2,35).
Kriechmayr (+2,46) und Odermatt (+2,48) deckten die Karten als 12. und 13. wohl nicht auf, noch weniger der Schweizer Vorjahres-Super-G-Sieger Von Allmen als 51. (+5,18). Felix Hacker wurde nur vier Wochen nach seinem in Gröden erlittenen Meniskusriss 53. (+5,55). Der Kärntner verzichtet nun aber laut Verbandsangaben auf ein Weltcup-Comeback und fährt stattdessen im Europacup am Pass Thurn. Schnellster war in 2:27,37 Min. erneut der mit Nummer 27 gestartete Giovanni Franzoni. Am Dienstag hatte der Italiener 1,45 Sek. Vorsprung, nun 1,14. Auf die Rennleistung des 24-Jährigen darf man gespannt sein. Im Dezember in Gröden war er Super-G-Dritter und Achter einer Abfahrt.
Babinsky traut dem Trainingsdominator einiges zu: "Er ist ein super Skifahrer, fährt technisch sehr, sehr gut." Haaser wollte seine Fahrt nicht überbewerten. "Ich glaube, dass noch viele sehr viel Luft nach oben haben." Für ihn seien die Abfahrtstrainings auch deswegen wertvoll, da die Streckenführung im Super-G ähnlich sein werde. Auch Kriechmayr gab sich überzeugt, dass die Konkurrenz geblufft habe. Wie Hemetsberger meint er, dass die Strecke wenig bis nichts verzeiht: "Man muss voll am Limit sein und darf keine Fehler machen."