Im Lager von Österreichs alpinen Ski-Männern stößt die Quotenregelung für die Olympiabewerbe auf Unverständnis.
Gemäß FIS-Vorgaben können in Italien nach aktuellem Stand lediglich zehn ÖSV-Athleten an den fünf Männer-Bewerben teilnehmen. Frankreich darf sechs Männer entsenden, Deutschland gar nur vier - dafür Brasilien drei. Möglich macht dies ein kompliziertes Berechnungssystem, das im Endeffekt darauf abzielt, Sportler aus möglichst vielen Nationen an den Start zu bekommen.
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Dadurch würden allerdings viele hochkarätige Rennläufer zum Zuschauen verurteilt, kritisierte ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer. "In einer Trainersitzung wurde diese Thematik angesprochen, da haben einige wortwörtlich gesagt, dass diese Vergabe ein 'Riesen-Bullshit' ist", erzählte der Kärntner. Zwar sei es wünschenswert, dass mehr Länder bei olympischen Alpin-Bewerben an den Start gehen. "Trotzdem gehört das überdacht", forderte Pfeifer und wünschte sich außerdem, dass sich die FIS in diesem Zusammenhang stärker gegenüber dem IOC positionieren würde. "Doch zumindest kurzfristig wird sich nichts ändern."
Speed-Ass Vincent Kriechmayr nahm die Quotenregelung relativ gelassen zur Kenntnis. "Mir ist das komplett gleich. Da sollen sich andere darüber Gedanken machen." Ähnlich äußerte sich Marco Schwarz. "Keine Ahnung, wie das zustande kommt, es ist nicht ganz verständlich. Aber ich kann keine Meinung dazu abgeben, weil ich mich da nicht auskenne." Allerdings meinte der Kärntner auch: "Ich würde schon sagen, dass bei einem Großereignis die Besten am Start sein sollten."
Hemetsberger: "Kontingente bremsen Qualität aus"
Kritischer zeigte sich Daniel Hemetsberger. "Ich bin schon gespannt, wie da aufgestellt wird, vor allem wenn man einige Spezialisten in der Mannschaft hat", erklärte der Oberösterreicher. "Gerade bei Olympia bremsen die Kontingente die Qualität aus. Man will natürlich die Internationalität haben, aber meiner Meinung nach sollte die Qualität Vorrang haben."
Die Vergabe der Quotenplätze richtet sich unter anderem nach den Weltranglistenplatzierungen der Läufer und ist gut drei Wochen vor Olympia-Beginn noch nicht in Stein gemeißelt - die letzten Rennen vor den Spielen könnten noch für Verschiebungen sorgen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Brasilien nur dank der Erfolge von Alleinunterhalter Lucas Braathen, einem gebürtigen Norweger, drei Männer entsenden darf. Ob die Südamerikaner dieses Kontingent tatsächlich ausschöpfen werden, ist fraglich. Falls dies nicht der Fall sein sollte, könnten Österreichs Männer noch einen zusätzlichen Platz erben.