Klartext vom Arzt

So kam es wirklich zur Schwarz-Verletzung

04.01.2024

Nach dem Sturz in Bormio (Kreuzband, Meniskus) hat für Marco Schwarz längst die Reha begonnen. Sechs Tage nach der OP erklärt Kniespezialist Christian Fink, wie es zu der schweren Verletzung gekommen sein muss und wer am Sturz sicher nicht Schuld hatte. Auch Herrenchef Marko Pfeifer ärgert sich.

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© Instagram/MarcoSchwarz
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Wie oe24 berichtete, hatten die ehemaligen Rennläufer Stephan Eberharter und Marc Giardelli im Schweizer Blick die ÖSV-Trainer schwer kritisiert. "Die sind in meinen Augen mitschuldig an der Verletzung von Marco, weil sie in den letzten Monaten zu wenig Wert auf die Erholung seines Körpers gelegt haben", wird Girardelli zitiert. Eberharter: "Bei dem Wahnsinns-Pensum, welches Blacky absolviert hat, kommt die Regeneration viel zu kurz und Verletzungen sind die logische Folge." Außerdem will der frühere Abfahrtsstar gehört haben, dass Schwarz in Bormio zwischen Strecken-Besichtigung und Rennstart noch intensiv Riesenslalom trainiert haben soll. 

"Die Welle hat das Knie einfach nicht ausgehalten"

"Alles unqualifizierte Aussagen", wehrt sich Cheftrainer Pfeifer. "Ich kenne Blacky seit zehn Jahren, und er war super drauf. Er wollte in Bormio unbedingt fahren, und er wollte das Rennen sogar gewinnen." Der Coach: "Egal, ob er hundert Tage durchgefahren wäre oder nur eine lange Pause gehabt hätte: So wie er in diese Kurve reingefahren ist und es ihn in diese Welle gedrückt hat, hat es das Knie einfach nicht ausgehalten. Es war einfach ein blöder Rennunfall." Zum Angeblichen RTL-Training nach der Besichtigung stellt Pfeifer klar: "Wie bei jedem Rennen wurde auch in Bormio ein Einfahr-Kurs gesetzt. Den ist Blacky zweimal sportlich durchgefahren." Mit Überbelastung oder Übertraining hat das nix zu tun.  

Ähnlich sieht es Doc Fink, der Schwarz am 29. Dezember operiert hat: "Die angeblich vielen Rennen spielten beim Sturz und die Verletzung sicher keine Rolle. Abgesehen davon ist Marco davor erst acht Rennen gefahren." Und das in einem topfiten Zustand. Der Arzt nimmt auch die Trainer, die Schwarz möglicherweise zu viel zugemutet hätten, in Schutz. Fink: "Die Entscheidung, an den Start zu gehen oder nicht, kann allein der Rennläufer treffen." Fink hat sich den Schwarz-Sturz mehrmals per Video angeschaut, und er glaubt wie übrigens auch Olympiasieger Franz Klammer, dass das Kreuzband durch den Druck in der Kompression noch während der Fahrt gerissen ist: "Häufig passiert diese Art von Verletzung noch bevor der Rennläufer stürzt."

Fink überwacht jetzt auch die Reha von Marco Schwarz. Die verläuft nach Plan, Ende nächster Woche werden die OP-Nähte im Knie entfernt. Die Krücken werden Schwarz wegen der Meniskusverletzung noch ein paar Wochen begleitet, danach wird die Reha in Aufbau-Training übergehen. Einem Comeback zu Beginn der WM-Saison 2024/25 steht laut Fink "aus heutiger Sicht nichts im Weg". Wobei der Arzt anmerkte, dass der frühe Verletzungs-Zeitpunkt im ersten Saison-Drittel ebenso hilft wie die gute Erfahrung, die Schwarz nach seinem ersten Kreuzbandriss im Februar 2019 gemacht hat. 

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