Krimi

Agentenaustausch in Wien abgeschlossen

09.07.2010

Agentin 00Sex und ihre Komplizen wurden in Wien gegen Westspione getauscht.

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In Wien ist offenbar der Agentenaustausch zwischen den USA und Russland vollzogen worden. Gegen 11.20 Uhr landeten eine russische und eine amerikanische Maschine Flughafen Schwechat. Sie dürften die Spione an Bord gehabt haben, welche die beiden Seiten austauschen wollen. Der Austausch fand mit Hilfe eines schwarzen Vans statt. ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl war vor Ort.

(c) AP

Schwarzer Van
Den Anfang machte demnach eine kleine russische Militärmaschine, kurz darauf parkte ein US-amerikanisches Charterflugzeug der Vision Airlines auf einem Terminal des noch in Bau befindlichen Skylink. Offenbar wurden Personen aus dem Flugzeug geschleust, um danach sofort mit einem schwarzen Van zu der jeweils anderen Maschine gebracht zu werden.

Im Zuge des Agentenaustausches sollen zehn jüngst in den USA festgenommene russische Spione gegen den russischen Atomwissenschaftler Igor Sutjagin und drei russische Doppelagenten getauscht werden.

Die heimischen Behörden wissen von den Vorgängen nach offiziellen Angaben nichts. "Das ist nicht unsere Geschichte. Daher kann ich weder bestätigen noch dementieren", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Rudolf Gollia

Größter Agentenaustausch seit Ende des Kalten Krieges
Es wäre der größte Agentenaustausch zwischen Moskau und Washington seit dem Ende des Kalten Krieges. Der russische Spionagering war Ende Juni in den USA aufgedeckt worden; die Affäre hatte die Beziehungen zwischen den beiden Staaten erheblich belastet. Beide Seiten arbeiteten danach an einer schnellen Lösung, um langwierige Gerichtsverfahren mit möglicherweise unangenehmen Enthüllungen zu vermeiden. So hatten sich die zehn russischen Spione am Donnerstag vor einem Bundesgericht in New York der Verschwörung schuldig bekannt. Sie wurden verurteilt, und ihre Abschiebung wurde verfügt; sie flogen ab. Die Zehn waren in der vergangenen Woche in einer spektakulären Aktion festgenommen worden. In Moskau wiederum begnadigte der russische Präsident Dmitri Medwedew nach Angaben des Kremls die vier verurteilten Doppelagenten, um den Agentenaustausch zu ermöglichen.

Agenten in Moskau gelandet
Am Freitagnachmittag landete die Maschine vom Typ Jakowlew Jak-42 in Moskau. Das zweite, vermutlich mit Agenten aus Moskau besetzte, US-Flugzeug soll unterdessen auf seinem Weg in die USA in England zwischengelandet sein.

Die britische Nachrichtenagentur PA berichtete am Freitag, die Maschine sei nach dem Start in Wien auf einer Militärbasis in der Grafschaft Oxfordshire gelandet. Das Verteidigungsministerium wollte die Gerüchte nicht kommentieren. "Zivile Maschinen nutzen regelmäßig Militärflughäfen", sagte ein Sprecher. Warum die Maschine landete, war zunächst nicht bekannt.

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12.45 Uhr: Jetzt startet auch die US-Maschine. Damit scheint der Agenten-Austausch abgeschlossen zu sein.

12.42 Uhr: Auch das US-amerikanisches Flugzeug hat Maschinen angeworfen und rollt zur Startbahn. Vor dem US-Flieger steht aber noch eine Maschine der AUA, die offenbar vorher starten darf.

12.38 Uhr: Die russische Maschine ist soeben abgehoben.

12.36 Uhr: Das russische Flugzeug bewegt sich Richtung Rollfeld. Sie dürfte in wenigen Minuten starten und Wien damit wieder verlassen.

12.34 Uhr: Offenbar ist der Austausch abgeschlossen. Die russische Maschine schließt die Türen.

12.12 Uhr: Nach Auskunft des Flughafens Wien hat keine Person aus den Flugzeugen das Flughafengebäude betreten. Offenbar findet der Austausch zwischen den Flugzeugen statt.

12.07 Uhr: Der Aufenthalt wird genutzt, um die Flugzeuge aufzutanken.

Das erste Foto der US-Maschine am Flughafen Wien Schwechat, am linken Rand erkennt man noch das russische Flugzeug/ (c) AP

12.02 Uhr: In diesen Minuten geht in Wien also der erste Agentenaustausch zwischen den USA und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges über die Bühne.

11.59 Uhr: Die Agenten müssen ein Schriftstück unterzeichnen, dass sie Russland bzw. die USA freiwillig verlassen. Diese Formalität kann nur auf neutralem Boden erledigt werden.

11.52 Uhr: Ein Auto fährt vom Flughafengebäude zu den Flugzeugen.

11.40 Uhr: Vor dem Flugzeug steht ein Bus und ein rotes Auto. Ob unter den zu sehenden Personen einer der Spione ist, ist nicht zu erkennen.

11.38 Uhr: Die beiden Flugzeuge stehen jetzt nur wenige Meter voneinander entfernt. Einige Menschen sind vor den Maschinen zu sehen.

11.36 Uhr: Die Vision-Maschine steht im Ostteil des Flughafens.

11.34 Uhr: Die Bestätigung: Das aus New York kommende Flugzeug ist ebenfalls in Wien Schwechat gelandet.

Das Flugzeug beim Abflug in LaGuardia in New York /(c) Reuters

11.27 Uhr: Unbestätigen Berichten zufolge ist nur wenige Minuten nach der russischen Maschine, das Flugzeug mit Anna Chapman aus New York gelandet.

11.25 Uhr: Anna Stavitskaja, die Anwältin von Sutjagin, bestäigt gegenüber ÖSTERREICH, das ihr Klient Moskau verlassen hat. Zu seinem genauen Aufenthaltsort kann oder will Stavitskaja aber keine Angaben machen.

11.22 Uhr: Vor wenigen Augenblicken ist am Flughafen Wien eine Maschine aus Russland gelandet. Möglicherweise ist Igor Sutjagin, der russische Nuklearexperte an Bord.

11.20 Uhr: Die Spione dürfen zwar nie wieder in die USA, in Russland müssen sie allerdings nicht bleiben. Vicky Pelaez will von Moskau weiter in ihre Heimat Peru reisen.

11.14 Uhr: Gespanntes Warten. Niemand weiß eine genaue Ankunftszeit.

11.00 Uhr: Der Pressesprecher des Flughafens will keine Auskunft zu dem Austausch geben. Er verweist ans Innen- und ans Außenministerium. Aber auch dort ist man nicht sehr auskunftsfreudig und verweist an den Pressesprecher des Flughafens.

10.55 Uhr: Auf der anderen Seite des Rollfelds, jenseits der Absperrung, warten rund 25 Fotografen mit riesigen Teleobjektiven, um einen Schnappschuss von den Spionen zu ergattern.

10.50 Uhr: Wie soeben bekannt wurde, werden die Kinder der Spione ihren Eltern nach Russland folgen. Lediglich der 17-jähriger Sohn von Vicky Pelaez wird in den USA bleiben.

10.45 Uhr: Auch beim rund 2km vom Hauptgebäude entfernten General Aviation Center sind rund 25 Journalisten.

10.42 Uhr: Vor dem Flughafen warten rund 30 Journalisten. Nicht nur die heimische Presse sondern auch internationale Nachrichtenagenturen sind mit Ü-Wagen vertreten.

10.40 Uhr: Anna Chapman und die anderen in den USA aufgeflogenen Spione sollen in einer weißen Boeing gegen 11 Uhr in Wien Schwechat landen. Die Maschine ist in der Nacht vom New Yorker La Guardia-Flughafen gestartet.

10.35 Uhr: Ein Polizeihubschrauber kreist über dem Flughafen-Gelände.

10.30 Uhr: Dutzende Journalisten sind am Flughafen Wien Schwechat und warten gespannt, auf die inzwischen weltberühmte Anna Chapman, die man nur als "Agentin 00Sex" kennt.

Gestern 14.45 Uhr Ortszeit New York (bei uns 20.45 Uhr), Anna Chapman (28) und neun Spione erscheinen vor Gericht. Vor 11 Tagen war der Agentenring rund um die rothaarige Top-Spionin (Spitzname 00Sex) aufgeflogen.

Jetzt geht es ganz schnell. Alle bekennen sich des „Hochverrats“ schuldig, unterschreiben eine Vereinbarung (sie dürfen nie mehr in die USA). Abfahrt zum Flughafen. Um 19 Uhr (1.00 Uhr MEZ) sitzen alle 10 Spione im Flieger – in Richtung Wien!

Ortswechsel nach Österreich
Seit Mittwoch glühten zwischen Moskau, Washington und Wien die Drähte. Geheimaktion „spy“ läuft an.

In der Nacht auf Donnerstag ist alles paktiert: Zwei Flieger – einer aus Moskau, einer aus New York – sollen in Wien landen.

Für Wien ist alles klar: Österreichische Beamte holen die Spione in einen „Sondergastraum“ des Airports. Vor neutralen österreichischen Experten müssen alle Agenten erklären, dass der Austausch freiwillig erfolge. Erst wenn diese diplomatische Prozedur abgeschlossen ist, dürfen die Spione weiterreisen.

Agentin „00Sex“ gegen Atom-Physiker in Wien
Die filmreife Übergabe in Wien ist Top-Thema auf der ganzen Welt. Schon Donnerstag hatten Sondereinsatzkräfte der Polizei die Umgebung des Lefor­towo-Gefängnisses in Moskau ab geriegelt, in dem verurteilte Westspione inhaftiert sind. Neben Igor Sutjagin sitzen hier die als Doppelagenten verurteilten Alexander Saporoschski und Alexander Sypatschow sowie Sergej Skripal, der für die CIA spioniert haben soll. Ihnen allen winkt heute die Freiheit.

Anna Stavitskaja, Anwältin von Igor Sutjagin, bestätigt ÖSTERREICH: „Mein Mandant ist vor zwei Tagen aus einem sibirischen Straflager nach Moskau gebracht worden. Erst dort hat er von dem Austausch erfahren.“

Geheim-Deal
Umgekehrt werden die russischen Spione von Wien aus direkt nach Moskau weiterfliegen. Ausgehandelt haben den Deal der russische Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, und US-Außenstaatssekretär William Burns vergangene Woche.

Zudem ist es Mittwoch in Washington zum Treffen zwischen US-Vertretern und dem russischen Botschafter gekommen. „Es gibt politischen Willen auf beiden Seiten“, sagt Geheimdienstexperte Pavel Felgenhauer, „weder Moskau noch Washington will einen neuen Kalten Krieg.“ Dafür übernimmt Österreich wieder die Rolle von damals – Drehscheibe zwischen Ost und West.

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