Türkei-Referendum

Austro-Türken stimmten klar für "Ja"

16.04.2017

73,23 % der Austro-Türken stimmten für Erdogans Verfassungsreform.

Zur Vollversion des Artikels
© APA
Zur Vollversion des Artikels

Die Türken in Österreich haben sich deutlicher für die umstrittene Verfassungsreform in der Türkei ausgesprochen als ihre Landsleute in der Heimat. Nach Auszählung aller Stimmen in Österreich stimmten laut amtlicher Agentur Anadolu 73,23 Prozent (38.215) für die Einführung des Präsidialsystems, 26,77 Prozent (13.972) dagegen.

© Anadolu Agency


Während in der Türkei am Sonntag abgestimmt wurde, hatten in Österreich die Türken an diplomatischen Vertretungen in Wien, Salzburg und Bregenz zwischen 27. März und 9. April Gelegenheit zur Stimmabgabe. Nach Auszählung von 99,97 Prozent der Stimmen votierten in der Türkei 51,41 Prozent der Wähler mit "Ja", wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, 48,59 Prozent mit "Nein".

In der Schweiz überwog das Nein

In Deutschland stimmten laut Anadolu 63,1 Prozent beim Referendum mit "Ja". In den Niederlanden konnten die Unterstützer des Präsidialsystems 71 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Auf den höchsten Wert in Europa kam Belgien mit 75,1 Prozent "Ja"-Stimmen. In der Schweiz blieb das "Ja"-Lager dagegen mit 38 Prozent klar in der Minderheit.

Besonders mit Deutschland und den Niederlanden hatte der Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsmitglieder für schwere Verwerfungen mit Ankara geführt. Erdogan hatte beiden Ländern "Nazi-Methoden" vorgeworfen.

59,2 Prozent der Auslands-Türken für "Ja"

Nach den Zahlen von Anadolu stimmten im Ausland insgesamt 59,2 Prozent der Wahlberechtigten mit "Ja", im Inland waren es demnach 51,2 Prozent. Die Zahlen von Anadolu weichen leicht von denen der Wahlkommission ab. Insgesamt waren im Ausland rund 2,9 Millionen Wahlberechtigte registriert, rund die Hälfte davon in Deutschland. Auslandstürken machten etwa fünf Prozent aller Wahlberechtigten aus.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland würdigte nach dem insgesamt knappen Sieg des Ja-Lagers laut Agentur AFP das Engagement des Nein-Lagers. "Die hohe Zahl der Nein-Stimmen ist nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen der Wahlkampf geführt wurde", sagte Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde, den Zeitungen "Heilbronner Stimme" und "Mannheimer Morgen" (Dienstag). Obwohl die Opposition als Vaterlandsverräter denunziert worden sei, seien die Menschen entschlossen gewesen, "sich gegen die Autokratie zu stellen". Angesichts von mehr als 60 Prozent Zustimmung für die Verfassungsreform unter den in Deutschland lebenden Türken müssten Wege gefunden werden, "wie man diese Menschen besser erreicht, die in Deutschland in Freiheit leben, aber sich für die Menschen in der Türkei die Autokratie wünschen", sagte Sofuoglu.

Ergebnis als "Farce"

Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Toprak, bezeichnete das Ergebnis als "Farce". Der "Huffington Post" sagte Toprak, der nationale Wahlausschuss habe "eine Freigabe für nicht-gestempelte Wahlzettel und nicht versiegelte Wahlurnen erteilt". Solange nicht explizit nachgewiesen werde, "dass diese extern ausgefüllt oder befüllt wurden, werden sie bei der Auszählung berücksichtigt", kritisierte er. Toprak warf dem türkischen Präsidenten Recep Tayyp Erdogan vor, sein Land "endgültig gespalten" zu haben. Von einem Triumph für Erdogan könne aber keine Rede sein. Der Präsident habe die Türkei "in allen Bereichen gleichgeschaltet", das Referendum im Ausnahmezustand abgehalten, aber "dennoch nur die Hälfte der Stimmen erhalten". Dies sei "ein sensationelles Ergebnis für die Gegner Erdogans".

Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus, Kemal Ergün, erklärte, das Votum beider Lager genieße "gleichermaßen Respekt". "Jetzt gilt es, diese Wahl zu respektieren und gemeinsam nach vorne zu schauen", forderte er. Vor allem im Ausland lebende Türken dürften aufgrund ihrer Wahl für oder gegen die Verfassungsänderung weder angefeindet noch ausgegrenzt werden. Alle Akteure seien aufgerufen, "sich für die Etablierung der Kompromisskultur einzusetzen und zur Versöhnung und Vereinigung der Lager beizutragen", erklärte Ergün.

 

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel