Durchfall und Nierenversagen

Bereits drei Tote durch EHEC-Infektion

23.05.2011

Die Opfer stammen aus Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein.

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Schwere Durchfälle, Anämie, Nierenversagen. In Norddeutschland grassiert ein gefährliches Virus. Ärzte warnen jetzt vor der "enterohämorraghischen Escherichia coli", kurz EHEC.

EHEC: So erkennen Sie die Krankheit

Erste Todesfälle
Im niedersächsischen Landkreis Diepholz forderte der EHEC-Keim das erste Todesopfer. Eine 83-Jährige, die wegen blutigen Durchfalls seit Mitte Mai stationär in Behandlung war, verstarb schon am Samstag. Das Gesundheitsamt hat Untersuchungen eingeleitet, um die Umstände ihres Ablebens genau abzuklären.

Möglicherweise starb auch eine 25-jährige Bremerin an EHEC. Die junge Frau habe die typischen Symptome gezeigt, labordiagnostisch bestätigt ist der Erreger aber noch nicht. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 400 Verdachtsfälle.

Und auch in Schleswig-Holstein gab es ein erstes Opfer. Eine 80 Jahre alte EHEC-Infizierte verstarb. Ob das Bakterium verantwortlich für ihren Tod war, wird derzeit noch untersucht.

Fünf Infektionen und eine Tote in Österreich
Infektionen mit einem gefährlichen EHEC-Erreger seien extrem selten, würden aber sehr ernst genommen, sagte Humanmediziner Franz Allerberger von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). 2011 wurden bisher in Österreich fünf Patienten nach einer Infektion mit der aggressiven Unterart O157 behandelt, eine 43-jährige Frau aus der Steiermark starb.

Die Kranken - es handelte sich weiters um zwei Kinder im Vorschulalter und zwei über 70-jährige Personen - litten alle an einer Infektion mit dieser aggressiven Variante des Darmbakteriums Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC). Die fünf Patienten stammten aus vier verschiedenen Bundesländern.

Im vergangenen Jahr wurden laut Allerberger 57 Fälle von klassischer Enterohämorrhagischer Escherichia coli registriert. Elf der überwachungspflichtigen Erkrankungen wurden auf die Serogruppe O157 zurückgeführt, eine der am weitesten verbreiteten Untergruppen.
 

EHEC-Folgen: Nierenversagen oder Hirnschlag möglich
Was als schwerer Durchfall beginnt, kann im schlimmsten Fall mit dem Versagen der Niere oder einem Hirnschlag enden. EHEC setzt im Körper Gift frei, dass zum Verkleben von Nieren-Blutgefässen führt - das "hämolytisch-urämische Syndrom" (HUS). Viele der bisher beobachteten Fälle hatten einen lebensbedrohlichen Verlauf genommen.

Experten warnen nun vor der Einnahem von Antibiotika. Denn: Der Zerfall der EHEC-Bakterien führt nur zur Freisetzung von noch mehr Giftstoffen. Helfen kann das sogenannte Aphereseverfahren, das den Heilungsprozess unterstützen soll. Hierbei werden schädliche Stoffe im Blut eliminiert und körpereigenes Blutplasma ausgetauscht um schwere Folgen von den Patienten abzuwenden. Die Apherese-Kapazitäten in den betroffenen Gebieten sind jedoch nahezu erschöpft.

Suche nach Infektionsquelle
Man sucht fieberhaft nach der Ursache der EHEC-Epidemie. Mehr als 300 Menschen sind bereits infiziert. Allein 67 Fälle wurden bis gestern aus Niedersachsen gemeldet. Auch im an Österreich angrenzenden Bayern soll es mittlerweile erste Verdachtsfälle geben.

Die Keimquelle könnte im Essen der Patienten zu finden sein, darum werden die Betroffenen nun über die Mahlzeiten der letzten Tage befragt.

Gefahr im Supermarktregal
Schwer im Verdacht ist rohes, ungewaschenes Gemüse oder Obst. Doch auch rohe Milch und Fleisch kommen in Frage. Der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Dr. Matthias Pulz, vermutet, dass die Quelle noch im Handel ist. Damit lauert im Supermarktgefahr vielleicht eine tödliche Gefahr.

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