Aufstand weitet sich aus
Chaoten zünden London an
Tausende vermummte Jugendliche zogen in einer weiteren Krawall-Nacht durch London. Mit Schlagstöcken zertrümmerten sie Auslagenscheiben, stürmten Geschäfte und Hotels, plünderten und setzten danach alles in Brand. BBC-Kameras filmten, wie Randalierer zu Hunderten durch den Stadtteil Brixton stürmten, gezielt in Läden einbrachen, ungestört Fernseher davonschleppten, Supermärkte ausräumten. Selbst in die bekannte Einkaufsstraße Oxford Street im Zentrum drangen die Chaoten vor. Hier konnte die überforderte Polizei (zunächst nur 1.000 Mann – jetzt auf 16.000 aufgestockt) den Mob allerdings stoppen.
Wenig Chancen hatten die Beamten im Stadtteil Croydon. Die Vermummten fackelten einen ganzen Straßenzug ab. Eine Frau konnte sich in der Surrey Street nur mehr durch einen Sprung aus dem ersten Stock retten. Seit Samstag wurden 450 zumeist Jugendliche festgenommen: „Unsere Zellen sind brechend voll“, sagt die britische Innenministerin Theresa May.
"Chaoten wollen nur zerstören"
Heulende Sirenen, Pannen im Verkehr, „Ausgeh-Verbot“ am Abend: Wie Österreicher in London die Unruhen auf den Straßen erleben.
„Die ganze Nacht höre ich Polizeisirenen und Hubschrauber. Abends vermeide ich, auf die Straße zu gehen“, sagt die Lehrerin Nadja Köllich (27) zu ÖSTERREICH. Seit zwei Jahren lebt die Kärntnerin in London – wie insgesamt 12.000 Österreicher, die die Unruhen live miterleben. „In der Stadt brodelt es. Sogar Schuhgeschäfte werden geplündert. Auf der Oxford Street sagten uns Polizisten, es ist besser, nach Hause zu gehen. Eine Freundin rief mich an und sagte: ‚Jetzt fackeln sie alles ab‘.“
„Straßen sind leer“
Die Kärntnerin Ulrike (23) ist Kellnerin im Parkcafé Kipferl im Stadtteil Camden: „Die Gäste bleiben bei uns aus. Die Straßen sind sehr leer. Das ist blanker Vandalismus, der von Hooligans ausgeht“, erzählt sie.
„Vandalismus“
In der Österreichischen Botschaft in London laufen die Telefone seit Samstag heiß: „Wir sind alle schockiert. Es gibt keine Reisewarnung, aber wir raten Touristen zu erhöhter Aufmerksamkeit“, sagt Elisabeth Kögler von der Botschaft. Auch im Österreicher Klub London ist man gefasst. „Es geht den Jugendlichen nur noch um Plünderungen und Zerstörung. Am meisten gefährdet sind Gegenden rund um Shops und Einkaufszentren“, meint dessen Präsident Jürgen Bischof.
K. Wendl, prj