Terrorismus-Experte:

Deshalb verliert ISIS plötzlich Schlachten

23.06.2016

Doch das Verschwinden der Terrormiliz könnte alles noch bedrohlicher machen.

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Einen Sieg nach dem anderen meldet die irakische Armee zurzeit, immer wieder werden ISIS-Hochburgen, wie zum Beispiel Falluja, eingenommen. Als nächstes soll um die Stadt Mossul, die als Hauptstadt der Terrormiliz gilt, gekämpft werden.

Terrorismus-Experte Shaul Shay erklärte im Gespräch mit BILD, warum ISIS plötzlich alle Schlachten verliert und wie groß die Gefahr ist, die von der Terrormiliz ausgeht.

Terroristische Splittergruppen

Während es vor einem Jahr noch so aussah, als könnte ISIS beinahe den gesamten Nahen Osten beherrschen, hat ISIS nun die Fähigkeit verloren, selbst Offensiven durchzuführen. Dies liegt unter anderem daran, dass Russland dem syrischen Machthaber Bashar al-Assad beigesprungen ist, erklärt der Terrorismus-Experte. Doch auch ihre derzeitige Guerilla-Taktik reicht nicht aus, um einen Krieg zu gewinnen.

Shay ist davon überzeugt, dass ISIS in einem Jahr nicht mehr so existieren wird, wie wir die Organisation heute kennen. Doch in Form von terroristischen Splittergruppen oder "einsamen Wölfen", die auf kein Territorium angewiesen sind, wird die Terrormiliz weiter existieren.

Anführer

Sehr wichtig für ISIS ist der Anführer Abu Bakr al-Baghdadi, weil er zugleich Führungskopf der Terrorgruppe und geistiges Oberhaupt des Islamischen Staats ist. Sollte es gelingen, ihn zu eliminieren, wäre es laut dem Terrorismus-Experten möglich, dass sich der Islamische Staat in seiner jetzigen Form ganz auflöst.

"Das oberste Ziel im Kampf gegen ISIS sollte es daher sein, Baghdadi auszuschalten. Danach wird man sich dem stellen müssen, was ISIS hinterlässt", erklärte er gegenüber BILD.

Kein Frieden im Nahen Osten

Sollte der Untergang des Islamischen Staats bevorstehen, werden die verbleibenden ISIS-Kämpfer die Organisation wechseln und anderen Islamistengruppen beitreten, meint Shay. Aus diesem Grund wird es auch ohne ISIS im Nahen Osten nicht friedlicher werden.

Noch problematischer als ISIS findet der Terrorismus-Experte die schiitischen Milizen, die die irakische Armee im Kampf gegen ISIS unterstützen, da sie ihre eigene Agenda unterstützen und finanziell wie organisatorisch unter dem direkten Einfluss des Iran stehen. Da der Iran damit eine „Ausweitung seiner Hegemonie in der Region“ verfolgt, sei diese Entwicklung nicht nur für Israel eine große Bedrohung. „Der Iran ist ein Hauptsponsor des internationalen Terrorismus“, erklärt Shay.

Auswirkungen der Zerschlagung von ISIS

Der Terrorismus-Experte ist sicher, dass sich das Problem ausweiten wird, wenn ISIS im Nahen Osten zerschlagen wird. „Wenn das eigene Revier nicht mehr gehalten werden kann, wird man nach Europa ausweichen und die Anschläge dort intensivieren.“

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