200 Quadratmeter
Besitzer wollen Villa verschenken, aber es gibt einen Haken
01.05.2026Ein Haus geschenkt bekommen klingt wie ein Traum, ist im Landkreis Starnberg in Bayern aber Realität. Wer die 200 Quadratmeter große Villa in Gauting haben will, muss allerdings kräftig mit anpacken.
Wer bei diesem Immobilien-Deal in Bayern zuschlagen möchte, bekommt zwar das Gebäude geschenkt, nicht aber das Grundstück. Der Clou an der Sache: Die rund 200 Quadratmeter große Villa muss eigenständig abgebaut, abtransportiert und an einem neuen Standort wieder aufgebaut werden. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist ein bloßer Abriss oder das Einlagern der Bauteile streng verboten. Die Behörden kontrollieren die Einhaltung dieser Auflagen genau.
Hohe Kosten für Selbstabholer
Obwohl der Kaufpreis bei null Euro liegt, ist das Projekt kein Schnäppchen für den kleinen Geldbeutel. Experten schätzen allein die Kosten für den Abbau und den Transport der Holzständerbauweise auf etwa 50.000 Euro. Hinzu kommen Ausgaben für das Fundament sowie die Strom- und Wasseranschlüsse am neuen Standort. Makler Oliver Herbst rechnet damit, dass insgesamt 100.000 bis 150.000 Euro investiert werden müssen. Im Vergleich zu den Münchner Durchschnittspreisen von etwa 2,4 Millionen Euro für ein ähnliches Haus bleibt das Angebot dennoch eine günstige Gelegenheit.
Erbe zwingt zu ungewöhnlichem Schritt
Hinter der Gratis-Aktion steckt eine komplizierte Erbschaft. Zwei Schwestern haben das Grundstück geerbt und stehen nun vor hohen Steuerzahlungen. Da das denkmalgeschützte Atelier-Haus das Baurecht auf dem wertvollen Grund blockiert, wurde nach einer kreativen Lösung gesucht. Das Gebäude muss weichen, darf aber aufgrund seines historischen Wertes nicht zerstört werden. Errichtet wurde es im Jahr 1928 nach Plänen von Richard Riemerschmid, einem bekannten Vertreter der Reformarchitektur, der für sachliche Formen und viel Licht bekannt war.
Großes Interesse bei Schlossbesitzern
Trotz der logistischen Herausforderungen mangelt es nicht an Interessenten. Rund 30 potenzielle Abnehmer haben sich bereits gemeldet. In der engeren Auswahl stehen derzeit zwei Schlossbesitzer. Diese planen, die Villa auf ihren Grundstücken als Eventlocation zu nutzen. Damit bliebe das historische Bauwerk der Öffentlichkeit zumindest teilweise zugänglich. Für Liebhaber besonderer Architektur bietet sich hier eine seltene Chance, ein Stück Geschichte zu sichern, sofern sie die Organisation und die nötigen Investitionen nicht scheuen.