Reportage

Dubai: Die Wahrheit hinter dem Paradies

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Das Luxus-Emirat ist in Corona- Zeiten besonders begehrt. Hinter der Glitzer-Fassade herrscht Diktatur.
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Das Gesicht der jungen Frau, die Jeans und Pulli trägt, ist angsterfüllt, sie spricht leise. Hören sollen sie nur alle, die das Video sehen, und nicht die draußen vor der Tür. Prinzessin Latifa hat sich in ihr Badezimmer zurückgezogen, um ihre Botschaft an die Welt zu übermitteln, denn das ist der einzige Raum, den sie hinter sich zusperren darf.

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Prinzessin Latifa ist eine der vielen Töchter von Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum, seines Zeichens Emir von Dubai. Sie wird von ihrem Vater mit Gewalt unter Hausarrest gehalten und sagt: "Ich bin eine Geisel, und diese Villa ist in mein Gefängnis." Latifa fürchtet um ihr Leben, und das aus nachvollziehbarem Grund. Im Jahr 2000 war bereits ihre ältere Schwester Shamsa in Cambridge, wo sie gegen den Willen ihres Vaters zur Uni ging und die Menschenrechtsverletzungen in Dubai anprangerte, von Agenten aus Dubai gekidnappt und gewaltsam in ihre Heimat zurückgebracht worden. Seither hat niemand mehr von ihr gehört.

Boom in der Corona-Pandemie

Das Emirat Dubai erlebt gerade in der Pandemie einen neuen Boom. Auch aus Österreich zieht es Prominente wie die Ex-Missen Amina Dagi und Annika Grill oder Stars wie Anna Netrebko und RAF Camora in die Wüste. Dubai hat hervorragende Impfquoten, die Shoppingtempel und Lokale, darunter viele Ableger der besten Restaurants der Welt, haben geöffnet. Die Sonne scheint, und die 700 Hotels bieten jeden erdenklichen Luxus. Influencer schwärmen auf Instagram &Co., wie "megageil" hier alles sei, und stacheln diesen Boom noch weiter an.

Dass hinter der Glitzerfassade des Urlaubsparadieses eine finstere Autokratie steckt, ahnen sie nicht. Und wenn doch, dann verdrängen sie es.

Nach außen hin ist das Emirat eine Erfolgsstory. Scheich Muhammad Al Maktum erkannte früh, dass seine Ölreserven endlich sind, und verwandelte seine staubige Einöde in eine Tourismusoase und in einen begehrten Finanzplatz. Davor hatte Dubai gerade einmal über 50.000 Einwohner, heute leben hier 3,3 Millionen Menschen, der größte Teil davon Zugereiste und Gastarbeiter. Dubai hat mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa den mächtigsten Wolkenkratzer der Welt, und der Airport ist eines der bedeutendsten internationalen Drehkreuze. Wer auch als Österreicher auf die Malediven, Seychellen oder in den Fernen Osten fliegen will, muss zumeist über den Flughafen, auf dem sowohl Muezzin als auch Topgastronomie geboten werden. Seit Kurzem ist Dubai auch im Weltall präsent. Die Arabischen Emirate schickten mit Erfolg eine Sonde in die Mars-Umlauf bahn.

Schattenseiten

Bis jetzt ist es dem Emir und den seinen gut gelungen, die Schattenseiten gut zu übertünchen, doch nach und nach werden die Risse sichtbar. Zwar wickeln dank hervorragender Konditionen viele honorige Firmen und Geldinstitute ihre Geschäfte über Dubai ab, doch tummeln sich auf dem Finanzplatz, das enthüllte der angesehene Carnegie-Thinktank, auch afrikanische Warlords, Geldwäscher aller Herkunftsländer und die Russenmafia (Liste unvollständig).

Wirklich gefährlich werden kann dem Emir aber vor allem die eigene Familie. Der Video-Hilferuf von Prinzessin Latifa sorgte für weltweites Aufsehen. Wie bereits ihr Fluchtversuch davor. Latifa hatte bereits als 14-Jährige im Jahr 2002 versucht, den Klauen ihres Vaters zu entrinnen, war aber erwischt worden, bevor sie das Land verlassen konnte. 2018 war sie weiter gekommen. Diesmal war die Flucht präzise geplant und organisiert worden. Latifa schaffte es in einer Jacht bis vor die indische Küste, wurde aber dort im letzten Moment von der Polizei des Scheichs abgefangen. Indien, in dessen Hoheitsgewässern sich die Aktion abspielte, erhob keine Einwände. Man möchte es sich mit dem einf lussreichen Emir nicht verscherzen.

Ein anderes Mitglied schaffte es allerdings in die Freiheit. Und das könnte dem Emir wirklich wehtun. Haya, eine seiner Frauen, Tochter des verstorbenen jordanischen Königs Hussein, konnte mit ihren beiden Töchtern nach England fliehen und erhielt dort politisches Asyl. Einen Prozess um das Sorgerecht gewann sie gegen ihren Ehemann. Mehr noch: Ein Londoner Gericht verurteilte den Emir wegen Entführung und Folter.

Scheich Muhammad Al Maktum, neben seinen Hauptberufen als Manager und Diktator auch ein leidenschaftlicher Dichter, wünschte Haya in einem Gedicht den Tod. Aber wessen Ende am Ende dieses Dramas steht, scheint noch ungewiss.