Laut WHO
Ebola: Erster Genesungsfall nach Ausbruch im Kongo
29.05.2026Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den ersten Genesungsfall nach einer bestätigten Ebola-Infektion nach dem Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo verzeichnet
Das Land habe mitgeteilt, dass am Mittwoch eine Person genesen sei und das Spital verlassen habe, sagte die WHO-Spezialistin Anaïs Legand am Freitag vor Reportern. Es handle sich um die erste Person, die seit der Epidemie nach zwei negativen Tests aus einem Behandlungszentrum heimgeschickt worden sei.
Sie äußerte die Hoffnung, dass noch viele weitere Patienten genesen würden. Von entscheidender Bedeutung sei dabei der Zugang zu einer frühzeitigen medizinischen Versorgung.
Sterblichkeitsrate zwischen 30 und 50 Prozent
Bisher gibt es nach WHO-Angaben 125 bestätigte Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo, darunter 17 Todesfälle in den östlichen Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Zudem seien sieben bestätigte Ebola-Fälle in Uganda aufgetreten, von denen drei aus dem Kongo eingeschleppt worden seien. Ein Todesfall sei registriert worden. Eine Übertragung innerhalb der Bevölkerung sei in Uganda jedoch nicht gemeldet worden, teilte die WHO weiter mit. Das Gesundheitsministerium in Uganda erklärte wenig später, die Zahl der bestätigten Fälle sei auf neun gestiegen.
Die Sterblichkeitsrate unter den bestätigt infizierten Menschen liege zwischen 30 und 50 Prozent, sagte Legand vom WHO-Programm für Gesundheitsnotfälle. "Das ist eine enorme Zahl. Es bedeutet, dass bis zu fünf von zehn Menschen sterben dürften", sagte Legand. Die Daten seien jedoch vorläufig und erforderten weitere Untersuchungen. Eine frühzeitige Behandlung könne helfen, die Sterblichkeitsrate zu senken. Derzeit gebe es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien speziell für das Bundibugyo-Virus.
Die WHO erklärte, dass die Testkapazitäten derzeit ausgebaut würden und man zuversichtlich sei, den Großteil des Rückstaus an Testproben von Verdachtsfällen in den kommenden Tagen abarbeiten zu können. Die Zahl der Verdachtsfälle werde voraussichtlich noch ansteigen, sagte Legand. Dies sei jedoch ein Beleg dafür, dass das Überwachungssystem funktioniere. "Ob der Höhepunkt der Epidemie bereits überschritten ist, wird derzeit noch untersucht. Ich glaube nicht, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine solche Aussage treffen können."
WHO-Chef in Ituri
Indessen wird am Freitag der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, in Ituri erwartet. Er hatte sich zuvor zuversichtlich im Kampf gegen das Virus gezeigt und zugleich Reiseverbote kritisiert. Der Ausbruch könne "gestoppt werden", sagte Tedros nach seiner Landung in der Hauptstadt Kinshasa am Donnerstag vor Journalisten.
Weiter betonte er, die WHO unterstütze keine Reiseverbote zur Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs, da diese "nicht viel bringen". Die USA hatten wegen des Ebola-Ausbruchs Einreisebeschränkungen gegen Menschen aus den betroffenen Ländern verhängt.
Streit um Quarantänezentrum
Unterdessen blockierte ein Gericht in Nairobi die Einrichtung einer Quarantäne- und Ebolaeinrichtung für US-Bürger im zu Uganda benachbarten Kenia. In seiner Entscheidung über einen Antrag der Juristenorganisation Katiba Institute untersagte es, "in Kenia im Rahmen einer Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten oder einer anderen ausländischen Regierung oder Behörde Einrichtungen zur Behandlung, Quarantäne, Isolation oder zum Umgang mit Ebola-Fällen zu errichten."
Bis zum 2. Juni soll die kenianische Regierung eine Antwort auf den Antrag des Katiba Institute einreichen. Außerdem untersagte das Gericht, Menschen, die im Rahmen der beanstandeten Vereinbarung Ebola ausgesetzt oder infiziert sind, nach Kenia zu verlegen oder ihre Einreise zu ermöglichen.
Kritik an Plänen
US-Medienberichten zufolge will die US-Regierung keine Amerikaner ins Land lassen, die Ebola ausgesetzt waren und möglicherweise infiziert sind. Sie sollen diesen Berichten zufolge stattdessen in einer noch zu schaffenden Einrichtung in Kenia in Quarantäne gehen.
Die Berichte hatten in der kenianischen Öffentlichkeit für Unruhe gesorgt. Kenia sei ein souveränes Land, "keine geopolitische Isolierstation", betonte Dhavji Bhimji Atellah von der Medizinergewerkschaft KMPDU. In einer Stellungnahme der Gewerkschaft hieß es: "Wir werden nicht dasitzen und zusehen, wie Kenia als Lagerkolonie für einen tödlichen Erreger behandelt wird."