Umfassendes Geständnis
Eis-Baronin erschoss Ex-Freund im Bett
Estibaliz C. sitzt nach ihrer Verhaftung in Triest im Gefängnis.
Es gab kein Entkommen. Freitag, 7.30 Uhr, im Stadtzentrum von Udine: Die Spezialtruppe der „Squadra volante“, die mobile Einsatzgruppe der italienischen Polizei, betritt mit zwei Beamten eine kleine Wohnung in einer Siedlung nahe des Bahnhofs. Zugriff! Die „Eis-Baronin“ und mutmaßliche Doppelmörderin Estibaliz C. (Spitzname: „Esti“) ist verhaftet. „Sie hat keinen Widerstand geleistet. Wir haben sie anhand ihres Passes identifiziert“, sagt Polizeichef Massimiliano Ortolan zu ÖSTERREICH.
Zwei Nächte schlief sie bei Ivan – dann verriet er sie
Den entscheidenden Hinweis gibt Wohnungsbesitzer Ivan (33), ein arbeitsloser Straßenmusiker, der „Esti“ am Bahnhof kennenlernt und sie zwei Nächste bei ihm wohnen lässt. „Die beiden haben sich am Mittwoch am Bahnhof kennengelernt. Ivan spielte mit seiner Gitarre, sie lief verwirrt durch die Gegend“, verrät „Commissario“ Ortolan. Donnerstagabend surft die „Eis-Baronin“ im Internet und erfährt, dass sie EU-weit gesucht wird. Auch Ivan ist informiert. Freitag um 7 Uhr ruft er dann „113“, die Nummer der Polizei.
Bis dahin ist die 32-jährige Spanierin, die fließend Italienisch spricht, schon drei Tage auf der Flucht. Mit der Wiener Polizei spielte sie 69 Stunden lang „Katz und Maus“, verwischte gekonnt alle Spuren.
Montagabend: Im Keller unter dem Eissalon „Schleckeria“ von „Esti“ in der Oswaldgasse 1 in Wien-Meidling werden Leichenteile gefunden. Estibaliz C. bleibt cool, ergreift erst am Dienstag um 10 Uhr die Flucht. Sie rast zum Flughafen, verabschiedet sich von ihrem Freund Roland R.
Stundenlange Flucht per Taxi in Richtung Udine
Um 17 Uhr steigt sie in Wien-Erdberg ins Taxi von Mustafa Senel. Kurz vor Mitternacht die Ankunft in Cavazzo nahe Udine. Estibaliz C. checkt im Zweistern-Hotel „Gabriella“ auf Zimmer 102 ein – aber nur für eine Nacht. Hotelchefin Hilary Molin sagt zu ÖSTERREICH: „Sie hat nicht nervös gewirkt, war freundlich. Ihr Italienisch war sehr gut.“
Mittwoch: Taxler Mustafa Senel erkennt „Estis“ Gesicht in der Zeitung und geht zur Polizei – sofort wird eine EU-weite Fahndung eingeleitet. Ohne Frühstück checkt die „Eis-Baronin“ aus dem Hotel aus, zahlt in bar. Sie muss weiter. Mit Zug oder Bus fährt sie nach Udine, doch die Polizei ist ihr dicht auf den Fersen. Nur Stunden später filzen die Beamten das kleine Hotel in Cavazza. Doch keine Spur!
In Udine irrt die „Eis-Baronin“ einsam am Bahnhof umher. Sie hat kaum Geld, nur ein paar Habseligkeiten, weint. Da lernt sie Ivan kennen, den Mann mit der Gitarre. Er will ihr helfen, nimmt sie mit in seine Wohnung. Doch die Carabiniere sind ihr näher gerückt und checken alle Hotels in Udine. Dann kommt der Anruf: „Die Gesuchte liegt bei mir im Bett.“
Wenig später klicken die Handschellen.
Freitag um 17 Uhr der Knalleffekt: Die „Eis-Baronin“ gesteht, ihren Geliebten und ihren Ex-Mann ermordet und zerstückelt zu haben. Und: Sie ist im zweiten Monat schwanger. Um 17.30 Uhr wird sie ins Frauengefängnis nach Triest überstellt, wartet auf Auslieferung.(rad, prj, kiu)