Atom-Wende

EU-Chefin setzt jetzt auf Mini-AKWs

27.04.2026

Die Atomkraft ist zurück in der Debatte und das überraschend stark: EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen drängt nun offen auf neue Mini-Atomkraftwerke in Europa. Europa will unabhängiger von Gas und Öl werden und setzt dabei wieder stärker auf Kernenergie. 

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Konkret geht es um sogenannte „Small Modular Reactors“ (SMR), kleine modulare Atomreaktoren. Diese sollen laut von der Leyen neue Möglichkeiten eröffnen, da sie flexibel einsetzbar sind und als verlässliche Energiequelle gelten.

Ein großer Vorteil: Im Gegensatz zu Wind oder Sonne liefern sie konstant Strom. Damit gelten sie als sogenannte „grundlastfähige“ Energiequelle, also rund um die Uhr verfügbar.

Ziel: Mehr Unabhängigkeit

Hinter dem Vorstoß steckt vor allem ein strategisches Ziel. Europa soll weniger abhängig von importierten fossilen Energieträgern werden. Aktuelle Krisen hätten gezeigt, wie verwundbar die EU ist: Allein durch steigende Energiepreise mussten Milliarden mehr für Gas und Öl bezahlt werden, ohne zusätzlichen Nutzen. "Seit Beginn der Krise im Mittleren Osten haben wir 27 Milliarden Euro mehr bezahlt für Gas- und Ölimporte, ohne ein einziges Molekül an Energie zusätzlich zu bekommen." , so von der Leyen. Deshalb gilt jede in Europa erzeugte Kilowattstunde als Schritt Richtung mehr Stabilität und günstigere Energie.

Welt setzt ebenfalls auf Atomkraft

Europa ist mit diesem Kurs nicht allein. Länder wie die USA, China oder Großbritannien investieren ebenfalls massiv in die Entwicklung solcher Mini-Reaktoren. Auch innerhalb der EU setzen Staaten wie Finnland oder Schweden auf eine Mischung aus erneuerbarer Energie und Kernkraft.

Doch der Kurs ist umstritten. Kritiker warnen, dass Mini-AKWs teuer sein könnten und wirtschaftlich nicht überzeugen. Zudem sehen viele Experten in der Technologie keine echte Innovation, sondern eher eine Neuauflage alter Konzepte. Auch Umweltorganisationen stellen infrage, ob Atomkraft überhaupt in ein modernes Energiesystem mit erneuerbaren Quellen passt.

Comeback mit Risiko

Klar ist: Die EU setzt wieder stärker auf Atomkraft, zumindest politisch. Ob daraus tatsächlich ein echtes Comeback wird, ist offen. Denn zwischen Vision und Umsetzung liegen Milliardenkosten, Sicherheitsfragen und eine hitzige Debatte, die Europa noch lange beschäftigen wird.