Harte Kritik

Experte nennt Trumps Iran-Deal „Ohrfeige für USA“

24.05.2026

Donald Trump feiert die angekündigte Iran-Einigung im Streit um das Atomprogramm als Durchbruch. Laut Reuters sei ein Abkommen bereits „weitgehend ausgehandelt“. Geopolitik-Experte Klemens Fischer sieht jedoch Schwächen und vergleicht den Deal kritisch mit Obamas Atomabkommen. 

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Wie FOCUS online berichtet, fällt das Urteil von Geopolitik-Experte Klemens Fischer klar aus: Der Deal sei deutlich weniger weitreichend als jenes Atomabkommen, das 2015 unter Barack Obama zustande kam.

Im Gespräch mit FOCUS erklärte der Experte, Trump sei letztlich „nicht weiter gekommen“ als sein Vorgänger. „Dazwischen liegen jedoch drei Kriege, Tausende Tote und erhebliche Schäden für die Weltwirtschaft durch die Blockade der Straße von Hormus“, sagte Fischer. Seiner Ansicht nach könne die neue Vereinbarung deshalb kaum als großer diplomatischer Triumph verkauft werden.

„Milde Ohrfeige für die USA“

Fischer verweist darauf, dass das damalige Abkommen das iranische Atomprogramm deutlich strenger kontrolliert habe. „Der Obama-Deal vom 17. Juli 2015 war deutlich weitreichender“, erklärte er im Gespräch. Damals sei das Atomprogramm „umfassend unter internationale Kontrolle“ gestellt worden.

Für den Iran sei die neue Entwicklung daher zunächst positiv. „Für den Iran ist das zunächst ein großer Erfolg. Für die USA ist es eine milde Ohrfeige, weil die ursprünglichen Kriegsziele nicht erreicht wurden“, so Fischer.

Zwar rechnet der Experte damit, dass der Iran seine Atomforschung zumindest zeitweise einschränken könnte, ein dauerhaft harter Kurs sei jedoch fraglich. 

Trump werde Deal wohl groß verkaufen

Trotz der Kritik glaubt Fischer, dass Trump die Einigung öffentlich als Erfolg darstellen werde. Der Republikaner werde die Vereinbarung vermutlich „als einen der größten Deals aller Zeiten“ präsentieren. Gleichzeitig falle es dem Iran leichter, das Ergebnis als eigenen Sieg zu verkaufen.

Neue Rolle für Pakistan

Eine überraschende Rolle sieht der Geopolitik-Experte zudem bei Pakistan. Das Land habe sich im Hintergrund als wichtiger Vermittler positioniert.

„Wir sehen außerdem, dass sich mit Pakistan eine neue Vermittlungsmacht etabliert hat“, sagte Fischer. Pakistan habe „die Gesprächskanäle bis zuletzt offen“ gehalten und damit maßgeblich zum Zustandekommen der Vereinbarung beigetragen.