Iran-Krieg

Iranischer Botschafter: "Überwältigende Mehrheit" steht hinter Regime

06.03.2026

"Wir sind gut darauf vorbereitet, unser Land so lange zu verteidigen, wie das erforderlich ist."

 

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Das iranische Regime sieht nach den Bombenangriffen der USA und Israels einen starken Rückhalt im Volk. "Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung unterstützt die Regierung", sagte der iranische Botschafter in Wien, Asadollah Eshragh Jahromi, im APA-Interview. Von den gezielten Tötungen der Führung zeigte er sich unbeeindruckt. Die Regierung funktioniere, sagte er. "Wir sind gut darauf vorbereitet, unser Land so lange zu verteidigen, wie das erforderlich ist."

"Obwohl in den vergangenen Tagen leider viele militärische und politische Amtsträger zur Zielscheibe geworden sind, arbeiten die Verwaltung und der Führungsrat", betonte er. "In den nächsten Tagen" werde auch ein neuer oberster geistlicher Führer des Landes gewählt, sagte der Diplomat neben einem Bild des am Samstag bei einem Militärschlag getöteten Ayatollah Ali Khamenei.

Hilfe bei Evakuierung von Österreichern angeboten

Der iranischen Regierung sei auch das Wohlergehen aller Ausländer im Land ein großes Anliegen, unterstrich der Botschafter. Diesbezüglich sei man auch in Kontakt mit dem österreichischen Außenministerium und habe Unterstützung angeboten. "Wir haben unsere Bereitschaft ausgedrückt, bei der Evakuierung von Österreichern, die das wünschen, aus unserem Land mitzuhelfen", sagte Jahromi. "Es liegt nun am Ministerium, nach Wegen und Mitteln zu suchen, dass das auch passiert."

Pahlavi "traut sich nicht zu kommen"

Als "lächerlich" bezeichnete Jahromi Fragen nach einer Rückkehr des früheren iranischen Thronfolgers Reza Pahlavi. "Im Jahr 1979 hat das iranische Volk die Diktatur gestürzt und sie durch eine islamische Republik im Einklang mit dem Willen der Mehrheit des Volkes ersetzt. Diese Mehrheit besteht immer noch, und sie unterstützt die Islamische Republik des Iran und ihre Führung", betonte er. "Er traut sich nicht zu kommen. Und er hat keinen Platz im Iran", so der Diplomat mit Blick auf den Sohn des letzten persischen Königs.

Hingegen unterstütze das iranische Volk die Regierung trotz der harten wirtschaftlichen Sanktionen und der von den USA verkündeten Politik eines "maximalen Drucks", so Jahromi. Für den Tod von Demonstranten im Jänner seien ebenfalls die USA und Israel verantwortlich, die über ihre Geheimdienste "terroristische Elemente" in die Protestbewegung geschleust hätten. "Sie haben versucht, Menschen zu töten. Und in der Folge haben wir leider eine große Zahl anderer Menschen verloren", sagte er.

Unbeeindruckt zeigte sich Jahromi von der Frage, wann die iranischen Frauen endlich frei sein werden. "Frauen spielen eine sehr wichtige Rolle in verschiedensten Bereichen der iranischen Gesellschaft trotz der negativen Propaganda im Ausland und vor allem in westlichen Medien." Konkret nannte er etwa die Politik, Medizin, Wissenschaft oder auch den Sport. Man arbeite aber immer an Verbesserungen. "Wir suchen alle Wege und Möglichkeiten für einen besseren Status von Frauen in unserem Land."

"Leider folgen die USA einem Kriminellen"

Schwere Vorwürfe erhob Jahromi gegen Israel und konkret Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. "Es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten in diesen ungerechtfertigten, unprovozierten Krieg gegen unser Land hineingezogen wurden. Leider folgen die USA hier einem Kriminellen wie Netanyahu, der auch vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt wurde", sagte der Diplomat mit Blick auf die Anklage gegen Netanyahu wegen Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg.

Ohne es auszusprechen, machte Jahromi auch klar, dass Netanyahu nach der Tötung des iranischen obersten Führers Ali Khamenei auf der Abschussliste Teherans steht. "Für die Iraner ist das ein großer Verlust. Und wir werden natürlich jede einzelne Maßnahme treffen, um dem Namen und der Erinnerung dieses großen Mannes unseres Landes und der Region Tribut zu erweisen", sagte er.

Israel bezeichnete er als "Wurzel aller Probleme in unserer Region". Es handle sich um eine Atommacht mit "mindestens 200 bis 400 nuklearen Sprengköpfen", die seit Jahrzehnten "alle Nachbarländer angreift, darunter der Libanon, Syrien, Jemen, der Irak und Iran", sagte der Diplomat. Unerwähnt ließ er dabei, dass Teheran in diesen Ländern bewaffnete Kräfte unterstützt, die Israel kontinuierlich angreifen.

Österreich solle Angriffe "unzweideutig verurteilen"

Jahromi forderte die internationale Gemeinschaft einschließlich Österreichs auf, die Angriffe Israels und der USA gegen sein Land eindeutig zu verurteilen. "Unsere Mindesterwartung an alle verantwortungsvollen Mitglieder der internationalen Gemeinschaft und an die Vereinten Nationen ist, dass sie diese Verletzungen des Völkerrechts unzweideutig verurteilen und nicht mit zweierlei Maß messen", sagte er. Konfrontiert mit der Frage, dass der Iran umgekehrt Russland bei dessen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Waffen unterstütze, sprach der Diplomat von einem "Missverständnis". Die Militärkooperation bestehe schon seit der Zeit vor Kriegsbeginn, und der Iran habe seine Drohnen nicht für Angriffe auf die Ukraine geliefert.

In Reaktion auf die Angriffe nehme der Iran nur sein Recht auf Selbstverteidigung wahr, betonte Jahromi. So würden etwa in den umliegenden Staaten ausschließlich US-Militärstützpunkte bombardiert, von denen aus die Angriffe auf den Iran logistisch oder nachrichtendienstlich unterstützt werden. Darüber hinaus habe Teheran "keinerlei Absicht, ihnen (den Nachbarländern, Anm.) Schaden zuzufügen". Bei den Schlägen werde auch darauf geachtet, dass keine Zivilisten zu Schaden kommen. "Wir legen großen Wert auf die Sicherheit und das Wohlergehen aller Schwestern und Brüder in den Nachbarländern."

Bedauern äußerte der Diplomat, dass es durch die von seinem Land verfügte Schließung der Straße von Hormuz zu einem Anstieg der Öl- und Gaspreise gekommen ist. "Wir sind natürlich nicht erfreut über diese Situation. Aber wir haben diesen Krieg nicht begonnen. Wir sind das Opfer. Diejenigen, die verantwortlich sind für diesen aufgezwungenen Krieg, das israelische Regime und die Amerikaner, sollten für die derzeitige Situation zur Rechenschaft gezogen werden", sagte er. "Wir wollten keinen Anstieg der Ölpreise oder andere Turbulenzen in der Weltwirtschaft."