Flüchtling gibt zu

"Ja, wir geben unser Alter falsch an!"

09.01.2018

Syrer packt aus: Darum geben viele Flüchtlinge ihr Alter falsch an.

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© APA/HERBERT NEUBAUER/Symbolbild
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Aras Bacho ist ein syrischer Flüchtling, der in Deutschland lebt. Er schreibt in seinen Offenen Briefen über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland und Europa.

"Seit einiger Zeit fordern immer mehr Bürger und Politiker, das Alter von Flüchtlingen zu überprüfen. Der Grund dafür ist, dass viele „junge Flüchtlinge“ bei der Altersangabe falsche Angaben machen und sich als wesentlich jünger ausgeben.

Ja, wir Flüchtlinge geben beim Alter falsche Angaben an, weil wir es für die Zukunft benötigen. Viele von uns sind 30 Jahre alt, aber geben sich als 17-18 Jährige aus. In Syrien haben viele Menschen ihren Job und Schule verloren und ihre Jugend damit auch. Das versuchen sie hier zu verbessern.

Bei mir war der Fall anders, ich habe nie falsche Angaben bei der Behörde gemacht. Auch mein Alter ist wie angeben richtig. Ich kam damals mit 13 Jahren nach Deutschland und gab offizielle Papiere mit Stempel bei der Behörde ab. Sie überprüften es und machten dann meine Papiere.

Flüchtlinge aus Syrien wollen zur Schule gehen

In Deutschland wollen die meisten Flüchtlinge wieder zur Schule gehen und die Sprache lernen. In der Heimat war dies leider nicht möglich und sie versuchen es nun hier mit ihren Glück. Wenn man aber sein wahres Alter angibt, dann will dich keine Schule aufnehmen und die Arbeit stuft dich als zu alt ein, um eine Ausbildung starten zu können. Mit 15-18 Jahren hat man die größten Chancen auf eine gute Bildung und Job. Auch auf Universitäten wollen Flüchtlinge gehen, um dort etwa Arzt zu werden.

Ein Fall aus meiner Umgebung

Ein Freund von mir, der anonym bleiben will, ist in der Wirklichkeit 35 Jahre alt und kommt aus Syrien. Als er nach Deutschland kam, hat er davon geträumt eine Ausbildung zu machen. Er machte sich dann zu dem Thema schlau und fragte nach, mit welchem Alter man am besten da drankommt. Er bekam die Antwort, 16-18 Jahre zu sein wäre optimal, um eine Ausbildung zu beginnen. Für sein Alter sei es unmöglich gewesen, eine zu machen. Er hat dann seine Papiere verbrannt und sich bei der Behörde als 17-Jähriger ausgeben. Die Behörde hat weiterhin nachgefragt, ob er seine Papiere mithabe? Er sagte immer wieder: Ich habe sie auf dem Weg nach Deutschland im Meer verloren.

Einem 18-Jährigen ist es ähnlich ergangen. Nach dem er seinem Alter falsch angeben hat, haben ihm die Behörde geglaubt. Heute ist er offiziell 20 und hat seine Pfleger-Ausbildung abgeschlossen. Er habe nie die Absicht gehabt, sein Alter zu verleugnen, aber er musste es machen, um hier ein normales Leben anzufangen.

Viele machen es für falsche Absichten

Viele der Flüchtlinge geben ihr Alter falsch an, weil sie schlechte Absichten haben. Sie wollen den Staat abkassieren und von dem Geld dann leben. Je jünger man sich angibt, desto höher die Chance auf einer großen Summe. Dadurch bekommt man nämlich länger Geld. Diese Personen wollen nicht lernen, sondern einfach nur Geld kassieren.

Ich finde falsche Altersangabe für nichtig

Ich persönlich bin gegen das Angeben eines falschen Alters. Es verstößt gegen das Gesetz und kann sträflich verfolgt werden. Flüchtlinge wissen nicht, worauf sie sich da einlassen und rechnen damit auch nicht, dass es irgendwann rauskommt und nicht mehr geheim bleibt. In Deutschland sollten sich die Leute an die Gesetze halten, aber das tun sie nicht. Und das ist schlecht für uns Flüchtlinge.

Autor: Aras Bacho

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