Buch enthüllt

Konklave-Skandal: Kardinal hatte Handy dabei

05.03.2026

Zehn Monate nach Beginn des Pontifikats von Papst Leo XIV. werden neue Details zum Konklave bekannt, bei dem im vergangenen Mai das neue Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde.  

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© APA/AFP/OSSERVATORE ROMANO/- (Archivbild)
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Die Versammlung zur Wahl eines Nachfolgers für den Papst Franziskus wurde demnach durch eine gravierende Sicherheitslücke unterbrochen: Einer der 133 beteiligten Kardinäle trug offenbar ein Mobiltelefon bei sich, obwohl elektronische Geräte in der Sixtinische Kapelle strikt verboten sind.

Als sich die Geistlichen in der mit Störsendern ausgestatteten Kapelle auf den ersten Wahlgang vorbereiteten, registrierten Sicherheitsverantwortliche das Signal einer aktiven Mobilfunkverbindung. Die Kardinäle hätten einander ungläubig angesehen, bis einer der älteren Kirchenmänner bemerkte, dass er noch ein Handy in der Tasche hatte, und es abgab, berichten die Vatikan-Experten Elisabetta Piqué und Gerard O'Connell in ihrem Buch "The Election of Pope Leo XIV: The Last Surprise of Pope Francis", das diese Woche in den USA erschienen ist.

Betroffener Kardinal nicht namentlich genannt

Der betroffene Kardinal wird darin nicht namentlich genannt. Der Vorfall habe ihn "desorientiert und verstört" zurückgelassen, schreiben die Autoren. Die Szene sei "unvorstellbar selbst für einen Film und in der Geschichte moderner Konklaven beispiellos" gewesen.

Auf dem Petersplatz hatten Gläubige am Abend des 7. Mai 2025 lange auf Rauch aus dem Schornstein gewartet, der die Wahl des neuen Papstes verkündet. Die 133 wahlberechtigten Kardinäle waren um 16.30 Uhr in die Sixtinische Kapelle eingezogen, gegen 17.45 Uhr war das Konklave offiziell eröffnet worden. Mit einem ersten Ergebnis wurde gegen 19.30 Uhr gerechnet - tatsächlich stieg der schwarze Rauch jedoch erst kurz nach 21.00 Uhr auf, also rund eineinhalb Stunden später, was als ungewöhnlich galt. Offiziell wurden keine Gründe für die Verzögerung genannt, da für die Teilnehmer ein striktes Kontaktverbot zur Außenwelt gilt. Die Papst-Wähler legen einen Eid ab, keinerlei Verbindung nach außen zu unterhalten.

Probleme mit Weckern für die Kardinäle

Ein weiteres praktisches Problem betraf laut dem Buch die Unterbringung der Kardinäle im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Da sie ihre Handys nicht als Wecker nutzen durften, stellte der Vatikan einfache Wecker zur Verfügung. Einige Kardinäle hätten diese jedoch nicht korrekt einstellen können und damit riskiert, zu verschlafen. Zudem hätten sich einzelne Purpurträger über das Fehlen von Toiletten in der Sixtinischen Kapelle beklagt.

Das Konklave endete am 8. Mai mit der Wahl von Leo XIV., bürgerlich Robert Francis Prevost. Er wurde im vierten Wahlgang mit 108 Stimmen gewählt. Ein Wahlgang musste wiederholt werden, weil - wie schon 2013 - ein Kardinal versehentlich zwei Stimmzettel in die Urne gelegt hatte. Das jüngste Konklave gilt als das bisher internationalste in der Geschichte der katholischen Kirche. Im Vorfeld war vielfach spekuliert worden, ob ein Papst aus Asien oder Afrika gewählt werden könnte, da Kardinäle aus 70 Ländern teilnahmen. Laut dem Buch erhielt jedoch kein Kandidat aus diesen Regionen nennenswerte Unterstützung.