Kriegszustände

Totales Chaos in Mexiko: Wackelt jetzt sogar die WM?

23.02.2026

Mexiko versinkt vier Monate vor der WM im Chaos.

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In nur 108 Tagen soll in Mexiko-Stadt das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Gastgeber Mexiko und Südafrika angepfiffen werden. Weitere Spiele sind in Guadalajara und Monterrey geplant.

Doch nach dem Tod eines der mächtigsten Drogenbosse des Landes versinken weite Teile Mexikos derzeit in Gewalt, Angst und Chaos – und die Bilder, die um die Welt gehen, werfen Fragen auf, wie sicher das Turnier wirklich stattfinden kann.

Tod des Kartellchefs „El Mencho“

Am Sonntag töteten mexikanische Sicherheitskräfte den berüchtigten Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“, bei einer Militäroperation im Bundesstaat Jalisco. Oseguera, Anführer des mächtigen Jalisco New Generation Cartel (CJNG), galt lange als einer der meistgesuchten Drogenhändler der Welt, auf den die USA ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar ausgeschrieben hatten.

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Kurz nach Bekanntwerden seines Todes kam es zu landesweiten Gewaltexzessen. In mehreren Bundesstaaten errichteten mutmaßliche Kartellmitglieder Straßensperren mit brennenden Fahrzeugen, setzten Geschäfte und Busse in Brand und blockierten wichtige Verkehrsachsen – Taktiken, die das öffentliche Leben faktisch lahmlegen.

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Angst, Panik, Ausnahmezustand

In Guadalajara, einem WM-Spielort, brachen am Montag Panik und Chaos aus. Videos zeigen Menschen, die sich am Flughafen in Sicherheit bringen, Familien, die Schutz suchen, und Rauchwolken, die über der Metropole aufziehen. Fluggesellschaften wie Air Canada und United Airlines sagten Flüge nach und von Puerto Vallarta und Guadalajara ab, nachdem die Bedrohungslage eskalierte und internationale Behörden Reisende warnten.

In der beliebten Pazifik-Touristenstadt Puerto Vallarta brannten öffentliche Busse, Augenzeugen berichteten von Schusswechseln und Straßensperren. Behörden aktivierten den sogenannten Code Red – die höchste Warnstufe – und forderten Einwohner und Gäste auf, sich in ihren Unterkünften zu verbarrikadieren.

Auch lokale Behörden reagierten: Der Gouverneur von Jalisco rief die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben, und setzte Buslinien und Nahverkehr aus. Schulen blieben geschlossen, Veranstaltungen wurden abgesagt.


Internationale Reaktionen und Sicherheitswarnungen

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Das US-Außenministerium und die Botschaften Kanadas sowie anderer Länder veröffentlichten Sicherheitshinweise. Amerikanische und kanadische Staatsangehörige wurden dringend dazu aufgefordert, Schutz zu suchen und unnötige Unternehmungen zu vermeiden.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum versuchte die Lage zu beruhigen, appellierte an die Bevölkerung und betonte, dass die Regierung Kontrolle zurückgewinnen wolle. Doch während offizielle Stellen versichern, dass die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft weiterläuft, zeigt die Realität auf den Straßen ein anderes Bild.

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Fragiler Frieden 

Die Gewaltwelle nach dem Tod von „El Mencho“ hat mehr als ein Dutzend Bundesstaaten erfasst, darunter auch die Regionen, die als Spielorte dienen sollen. Experten warnen, dass das Machtvakuum, das entstehen kann, wenn ein langjähriger Anführer eliminiert wird, oft zu noch heftigeren Kämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen führt.

Während die WM-Infrastruktur in Mexiko weitgehend steht, bleibt die Frage, ob unter solchen Sicherheitsbedingungen Millionen von Fans aus aller Welt in das Land reisen werden – und ob sie sich dort sicher fühlen können. Noch sind es Monate bis zum Anpfiff, aber die aktuelle Lage zeigt: Die Herausforderungen sind so groß wie das Turnier selbst.