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Enthüllt: So funktioniert das Hisbollah-Netzwerk in Europa

15.04.2026

Die Dokumentationsstelle politischer Islam widmet sich in einer neuen Publikation in Zusammenarbeit mit dem Chatham House London der Hisbollah-Finanzierung in Europa.  

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Konkret widmet sich die Studie Verbindungen der Hisbollah zu global agierenden Unternehmen und Verflechtungen mit legalen und illegalen Geschäftsmodellen. Auch auf die Verbindungen nach Österreich wird eingegangen. Die Studie stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen, unter anderem auf Gerichtsakten.

Die im Libanon entstandene schiitisch-islamistische Hisbollah, die lange Zeit als stärkste nicht-staatliche bewaffnete Miliz weltweit galt, spielt eine gewichtige Rolle bei den militärischen Konflikten im Nahen Osten. Als Bündnispartner der vom Iran unterstützten "Achse des Widerstands" war sie bereits in den durch den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ausgelösten Krieg in Israel und Gaza involviert. Die Hisbollah ist mittlerweile militärisch und politisch stark geschwächt, sie konnte jedoch ihre transnationalen Netzwerke im Nahen Osten, Lateinamerika, Afrika und Europa aufrechterhalten. Unter anderem ist die Organisation im Handel mit Drogen, Kunstwerken und Blutdiamanten sowie im Öl-Schmuggel und in der Geldwäsche verstrickt, so der Bericht.

EU gespalten bei Einstufung als Terrororganisation

Von einigen EU-Staaten, etwa Deutschland oder der Schweiz, wird die gesamte Gruppe als Terrorgruppe geführt. Die EU sowie die meisten EU-Länder, darunter auch Österreich, stufen allerdings lediglich den militärischen Flügel als terroristisch ein. Dies ermöglicht es dem politischen Arm - trotz seiner engen Verbindungen zu den übrigen Strukturen - auf legale Weise in zahlreichen europäischen Ländern Geschäfte zu tätigen, etwa Spenden über gemeinnützige oder religiöse Organisationen zu sammeln. Laut Berichten der US-Regierung finanziert sich die Hisbollah zu rund einem Drittel über kriminelle Tätigkeiten weltweit, wobei Europa eine wichtige Rolle einnimmt.

Bei vielen ihrer Operationen arbeitet die Hisbollah eng mit den iranischen Islamischen Revolutionsgarden zusammen, die seit Anfang 2026 von der EU als Terrororganisationen geführt werden. Die Hisbollah griff im März an der Seite des Iran Israel an, was Israel mit Angriffen auf den Libanon beantwortete. Aufgrund der unsicheren Lage im Libanon und insbesondere des Ende Februar 2026 begonnenen Iran-Krieges komme den internationalen Netzwerken und Finanzstrukturen nun eine noch größere Bedeutung zu, so das Fazit der Dokumentationsstelle.

Ein in diesem Zusammenhang nicht unwesentlicher Aspekt: Die Finanzgeschäfte der Hisbollah laufen vermehrt über Kryptowährungen, um Transaktionen anonymer und schneller durchführen zu können. "Das breite Firmengeflecht, ihre Verbindungen und die nicht geschlossene Einstufung der Hisbollah als Terrororganisation ermöglichen es ihr innerhalb der EU legal Spenden zu sammeln und Finanzgeschäfte zu tätigen. Die Kooperation mit kriminellen Netzwerken über europäische Staaten hinaus, etwa mit Drogenkartellen, führen auch die globale Dimension der Hisbollah-Finanzierung vor Augen", so Studienautorin Lina Khatib.

Hisbollah-Aktivitäten in Österreich bereits vor Gericht

Auch hierzulande war die Hisbollah aktiv. Ein Beispiel etwa ist der Fall eines im Jahr 2020 und 2021 in Klagenfurt zu mehreren Jahren Haft verurteilten Hisbollah-Kommandanten, der schuldig gesprochen wurde, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Das Gericht sah es als erwiesen, dass der libanesische Staatsbürger seit 2006 der Hisbollah angehörte, für diese rund 250 Jugendliche und Männer anwarb und auch an ideologischen Schulungen sowie militärischen Ausbildungen beteiligt war. Zudem habe er über viele Jahre hinweg in Österreich auch an der Finanzierung der Organisation mitgewirkt. Im März 2023 wies das Bundesverwaltungsgericht seine Beschwerde gegen die Aberkennung des Asylstatus ab.

Ein weiteres Fallbeispiel aus 2021 betrifft die erfolgreiche Aufdeckung eines Schmuggelnetzwerks durch österreichische Behörden. Die Tätergruppe schleuste große Mengen Captagon und Kokain unbemerkt in Saudi-Arabien ein. Die im Libanon hergestellten Drogen wurden beispielsweise in Pizzaöfen oder Waschmaschinen versteckt und über Belgien und Österreich nach Italien in verschiedene Hafenstädte geschmuggelt. Eine Pizzeria im Salzburger Bürmoos diente in diesem Fall als Tarnung. Die Route wurde gewählt, da Waren aus Europa in Saudi-Arabien in der Regel weniger streng kontrolliert werden. Der Drogenring rund um die damalige Pizzeria wurde 2021 im Rahmen der "Operation El Capta" zerschlagen, mehrere Beteiligte wurden vom Landesgericht Salzburg verurteilt.

Die gesamte Studie ist online unter www.dokumentationsstelle.at abrufbar.