Damaskus dementiert

Syrien: Assad zu Rücktritt bereit?

20.07.2012

Syriens Diktator soll sich zu einem "zivilisierten" Abgang entschieden haben. Damaskus dementiert.

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Die Ereignisse in Syrien überstürzen sich: Laut dem TV-Sender "Al-Arabiya" ist jetzt Machthaber Assad zu einem "zivilisierten" Rücktritt bereit. Das sagte der russische Botschafter in Paris, Alexander Orlow, am Freitag gegenüber Radio France International.

Gespräche mit der Opposition
Der syrische Präsident nominierte dem Bericht zufolge einen Repräsentanten für Gespräche mit der Opposition, um die Transitionsphase zu verhandeln. "Das bedeutet, er akzeptiert seinen Rücktritt, aber in einer zivilisierten Art", sagte Orlow. Der Ablauf des Machtwechsels soll der Abschlusserklärung bei Gesprächen in Genf am 30. Juli folgen.

Dementi aus Damaskus
Das syrische Informationssministerium reagiert umgehend und dementierte Assads Rücktrittspläne.

Helikopter feuern Raketen ab
Nach Angaben der syrischen Opposition hat die Armee einen südlichen Vorort von Damaskus aus Helikoptern mit Raketen beschossen. Dabei seien zumindest drei Menschen getötet worden, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur Reuters. Von der Opposition hieß es, das Midan-Viertel im Zentrum von Damaskus sei inzwischen weiterhin umkämpft. Die Rebellen würden gegen von Panzern begleiteten Armeetruppen kämpfen.

 Einwohner meldeten zuvor geringeres Militäraufkommen im nahegelegenen Stadtzentrum, selbst das Innenministerium sei von weniger Wachen beschützt als zuvor. Das staatliche Fernsehen berichtete hingegen, das Viertel Midan südlich-östlich des Regierungsviertels sei von Oppositionskräften geräumt worden, allerdings strahlte es keine Bilder dazu aus.


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Geheimdienst-Chef erliegt Verletzungen
Der syrische Geheimdienstchef Hisham Bekhtyar ist nach einem Anschlag in Damaskus am Mittwoch an seinen Verletzungen gestorben, berichtete der Hisbollah-Sender Al-Manar am Freitag. Bei dem Anschlag waren auch drei weitere Schlüsselfiguren der syrischen Militärspitze gestorben, unter ihnen der Verteidigungsminister und der Schwager Assads.
 

Lage außer Kontrolle
Die „Situation in Damaskus ist außer Kontrolle“, sagen mehrere Augenzeugen in Telefonaten mit ÖSTERREICH. Und erstmals berichtet auch eine Quelle, die Syriens Präsidenten Bashar al-Assad nahe steht, dass „die Rebellen immer stärker angreifen. Niemand ist mehr sicher.“

Die ganze Nacht hindurch konnte man in Syriens Hauptstadt Explosionen und Schießereien hören – mitten in der Stadt. Im Diplomatenviertel – nahe dem Haus der Familie Assad – und auch tagsüber gingen die Kämpfe weiter.

Lage immer aussichtsloser
Die Mittelschicht aus Damaskus versucht zu fliehen, während immer mehr Militär in der Hauptstadt patrouilliert. Assad hat Spezialeinheiten aus dem ganzen Land nach Damaskus geholt. Die alawitische Führung ist entschlossen, bis zuletzt zu kämpfen – auch, wenn die Lage immer aussichtsloser wirkt. Westliche Geheimdienste warnen bereits vor Giftgasanschlägen.

Indes sind auch Tausende Oppositionskämpfer zum Äußersten bereit: Die freie syrische Armee kämpft in Damaskus ebenso wie Dschihadisten und Al Kaida für den Sturz von Assad. Am Donnerstag nahmen die Rebellen gleich mehrere Grenzposten ein. An den Übergängen zur Türkei und zum Irak gab es heftige Gefechte. 250 Menschen wurden getötet – es war der blutigste Tag seit Beginn des Aufstands.

UNO-Resolution an China und Russland gescheitert
Trotz der Eskalation blockierten Russland und China gestern erneut eine Resolution im UNO-Sicherheitsrat, um den Druck auf Assad zu erhöhen. Die UNO-Beobachter-Mission in Syrien steht damit vor dem Aus.

© Reuters

(c) Reuters

Der Assad zeigt sich in Damaskus
Bashar al-Assad lobte gestern seinen neuen Verteidigungsminister im Präsidentenpalast in Damaskus an – der Vorgänger wurde am Dienstag ermordet. Die Bilder wurden im Staats-TV ausgestrahlt. Assad wollte seinen Gegnern beweisen, dass er weiter in Damaskus die Stellung hält. Mittlerweile soll er die Hauptstadt verlassen haben – auch, weil heute Freitag ist und die Lage damit besonders explosiv werden könnte. Er scheint sich mit Spezialeinheiten in der alawitisch-dominierten Küstenstadt Latakia verschanzt zu haben.

Seine Mutter und seine Schwester nahmen gestern am Begräbnis für den getöteten Schwager teil. Sie dürften in Damaskus ausharren. Ebenso wie Maher Assad – Bashars Bruder, der den Kampf in Damaskus abwehren soll. Ehefrau Asma Assad und die drei Kinder sind abgetaucht.

© APA/TZ ÖSTERREICH

 

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