Utöya-Massaker

Überlebende: Breivik bejubelte seine Morde

09.05.2012

Tonje Brenna (24) sagte aus, dass vor ihr "plötzlich Menschen umfielen".

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© EPA
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Erstmals hat eine Überlebende des Massakers auf der norwegischen Insel Utöya vor Gericht über die Bluttat des rechtsradikalen Attentäters Anders Behring Breivik ausgesagt.

"Ich bin sicher, dass ich gehört habe, wie er nach Treffern in Jubel ausgebrochen ist", sagte die 24-jährige Tonje Brenna über Breivik, der auf Utöya 69 Menschen tötete.

Panische Fluchtbewegung

Es habe eine chaotische und panische Fluchtbewegung quer über die kleine Fjordinsel gegeben. Brenna überlebte versteckt in einer Felsspalte nahe dem "Liebespfad" und beschützte dabei andere, zum Teil schwer verletzte Jugendliche. "Man hatte die ganze Zeit ein Gefühl von Aussichtslosigkeit."

Obduktionsberichte verlesen
Am Vormittag des 15. Verhandlungstages verlas die Anklage erneut Obduktionsberichte über Breiviks Opfer von Utöya. Das jüngste war die gerade 14 Jahre alt gewordene Sharidyn Svebakk-Bohn. Breivik hatte sie mit zwei Schüssen in den Rücken getötet. In Gedenkworten zu ihr, die eine Anwältin im Beisein ihrer weinenden Adoptiveltern verlas, hieß es, dass das Mädchen später gerne Modeschöpferin werden wollte.

Der rechtsradikale Täter, der erstmals in einer hinteren Reihe des Gerichtssaales Platz nehmen musste, schüttelte bei der Aussage über seine Jubelrufe den Kopf. Er verlangte später erfolglos von Richterin Wenche Elizabeth Arnzten die Genehmigung, Zeugin Brenna Fragen zur Politik ihrer Organisation zu stellen.

Ob der Massenmörder als schuldfähig oder nicht eingestuft wird, gilt als entscheidende offene Frage bei dem bis Ende Juni angesetzten Prozess. Breivik hatte am 22. Juli kurz vor dem Massaker mit einer Bombe in Oslo acht Menschen umgebracht. Er begründet sein Verbrechen als "notwendig" beim Kampf gegen islamische Zuwanderer und die Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft. Das Urteil soll Ende Juli verkündet werden.

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