ÖSTERREICH-Reporter in der Ukraine

»Angriff auf Kiew steht kurz bevor«

KW
Warten auf den großen Angriff auf Kiew nach Scheitern der Friedensverhandlungen.
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Makariw. 40 Kilometer vor Kiew. Es ist eiskalt, das Thermometer zeigt minus 2 Grad. Ein scharfer Wind weht, es hat leicht geschneit: Das letzte Hotel an der Autobahn M06 schließt für die Gäste. Es muss Platz gemacht werden für Sol­daten der ukrainischen ­Armee. Wir müssen raus. Rasch. An allen Checkpoints entlang der Straßen herrscht plötzlich wieder Hektik, Anspannung.

Ein Soldat spricht uns in perfektem Deutsch an

Armee. Ein Soldat spricht mich auf Deutsch an. Er hat in Halle in der ehema­ligen DDR studiert, ist eigentlich Tierarzt in Kiew. Seine Praxis ist zu, er dient jetzt als Reservist in der ukrainischen Armee.

Der Mann will sich nicht filmen lassen, auch keine Fotos. Aber er informiert mich und unseren Kameramann Chris Appel: „Die russischen Einheiten stehen nur 30 Kilometer von hier, nördlich von Irpin.“

Irpin ist jener Vorort von Kiew, der in den vergangenen Tagen heftig bombardiert wurde: „Dort ist die Hölle“, sagt der Soldat. Nur über eine zerbombte Brücke konnten die Bewohner letztlich evakuiert werden.

Eine junge Familie wurde auf der Fluchtroute bei Irpin durch einen Mörserangriff getötet. Kriegsreporterin Lynsey Addario sah das Schrecken. Sie sei selbst beschossen wurden, fotografierte dennoch: „Ich dachte aber auch, dass dieses Foto das Zeugnis eines Kriegsverbrechens ist und dass ich dieses Foto machen soll. Diese Menschen, unschuldige Zivilisten, wurden angegriffen“, sagt sie.

»Alles deutet auf einen großen Sturm auf Kiew«

Angriff. Wie es jetzt in Irpin aussieht, kann uns der Soldat nicht sagen. Er rechnet aber damit, dass in den nächsten Stunden oder Tagen die russischen Einheiten abermals einen Angriffsversuch auf Kiew starten werden.

In der Nacht gab es bereits Panzer-Angriffe vom Westen und Osten auf die Hauptstadt. „Wir haben Funksprüche abgehört“, sagt der Soldat, „alles deutet auf einen baldigen großen Sturm auf Kiew hin.“