WHO schlägt Alarm
Ebola-Ausbruch immer schlimmer: Große Sorge, Reisewarnung
19.05.2026Die Weltgesundheitsorganisation WHO schlägt Alarm angesichts der raschen Ausbreitung der Ebola-Infektionen im Nordosten des Kongos.
"Ich bin tief besorgt angesichts des Ausmaßes und der Schnelligkeit der Ausbreitung der Seuche", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Dienstag in Genf. Nach jüngsten Daten liegen mindestens 516 Verdachtsfälle und 131 mutmaßliche Todesfälle vor.
Hinzu kommen 33 bestätigte Infektionen in der Provinz Ituri. Zudem gebe es in der ugandischen Hauptstadt Kampala eine bestätigte Erkrankung sowie einen Todesfall.
Die WHO hat am Dienstag weitere sechs Tonnen medizinische Hilfsgüter in den Kongo geliefert. Dabei handelt es sich unter anderem um Schutzausrüstung für das medizinische Personal, sagte die WHO-Vertreterin in der kongolesischen Provinz Ituri, Anne Ancia. Angesichts einer großen Unsicherheit über das genaue Ausmaß der Seuche würden derzeit die Überwachung, die Tests und die Kontaktverfolgung ausgeweitet, erklärte Ancia weiter.
Amerikaner wird in Deutschland behandelt
US-Behörden hätten Deutschland um Hilfe bei der Behandlung eines Amerikaners gebeten, der sich im Kongo mit Ebola infiziert hat, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit. "Derzeit werden Vorkehrungen getroffen, den Patienten in Deutschland aufzunehmen und behandeln zu können."
Die Sprecherin wies darauf hin, dass es in Deutschland für die Versorgung von Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger ein bundesweites Expertennetzwerk gebe. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte bereits am Montag mitgeteilt, neben dem Amerikaner sollten sechs weitere sechs Personen, die dem Virus ausgesetzt waren, nach Deutschland gebracht werden.
Patient wird in Berliner Charité gebracht
Am Dienstagnachmittag wurde bekanntgegeben, dass der US-Amerikaner zur Behandlung nach Berlin kommt. Der Ebola-Patient soll in die Sonderisolierstation der Charité gebracht werden, wie das deutsche Gesundheitsministerium mitteilte. Der Transport des Patienten nach Berlin soll von der US-Regierung von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten organisiert werden, wie das Ministerium erläuterte. Vom Berliner Flughafen zur Charité soll der Transport dann mit einem Rettungswagen erfolgen, der für Patienten mit hochansteckenden Infektionskrankheiten ausgestattet ist.
Zur Charité gehört eine Sonderisolierstation auf dem Campus Virchow-Klinikum. Diese verfügt über eine hoch spezialisierte Infrastruktur für die Versorgung von Patienten mit hochansteckenden lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten sowie für medizinische Lagen mit unklaren biologischen, chemischen oder radiologischen Kontaminationen, wie es in einer generellen Erläuterung heißt. Zunächst berichtete der rbb über die geplante Aufnahme in der Charité.
Reisewarnung der USA
Darüber hinaus sprachen die USA am Dienstag eine Reisewarnung für die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) und ihre beiden Nachbarstaaten Uganda und den Südsudan aus. Den US-Bürgerinnen und -Bürgern wurde dringend von Reisen in die betroffenen Länder abgeraten.
Das US-Außenministerium empfahl zudem, Reisen nach Ruanda zu überdenken. Die US-Behörden hatten zum Schutz der eigenen Bevölkerung bereits angekündigt, Flugreisende aus Ebola-Ausbruchsgebieten auf Symptome zu überprüfen und die Visavergabe an Staatsbürger aus betroffenen Gebieten vorerst auszusetzen.
Notfallausschuss der WHO tagt
Die WHO hatte wegen der Ausbreitung des Virus, für dessen aktuelle Bundibugyo-Variante es keine zugelassenen Impfstoffe gibt, bereits eine gesundheitliche Notlage ausgerufen. Nun hat die WHO ihren Notfallausschuss einberufen. Die mit der Krankheit vertrauten unabhängigen Experten wollen Empfehlungen ausarbeiten, wie mit der Notlage umgegangen werden soll, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.
Verantwortlich für den Ausbruch ist die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, für die es weder Impfstoff noch Therapie gibt. Die Ausbreitungsgefahr für die gesamte Region Zentral- und Ostafrika gilt als hoch. Nach Angaben von Anne Ancia, der WHO-Vertreterin im Kongo, prüfe man jetzt, welche Impfstoffkandidaten verfügbar seien, um zu evaluieren, ob ein Impfstoff für die Bundibugyo-Variante auf die Schnelle zur Verfügung gestellt werden könne.
Sterblichkeitsrate bei 40 Prozent
Ebola ist eine seltene und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Die Sterblichkeitsrate liegt bei bis zu 40 Prozent. Ruanda schloss seine Grenzen zum Kongo, um ein Übergreifen des Virus zu verhindern. Die Bekämpfung der Seuche wird unter anderem durch die Angriffe von regierungsfeindlichen Milizen im Osten der Demokratischen Republik Kongo erschwert.