Übler Verrat

Geliebte führte Behörden zu Drogenboss "El Mencho"

24.02.2026

Es war eine Frau, die den mexikanischen Sicherheitsbehörden zu ihrem größten Fahndungserfolg im Kampf gegen die Drogenkriminalität seit Jahren verholfen hat. 

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© US Department of State
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Die Spur von einer der Freundinnen von Nemesio Oseguera alias "El Mencho" führte die Sicherheitskräfte zu einer Ranch, auf der sich der berüchtigte Drogenboss aufhielt. Nach einer Jagd durch den angrenzenden Wald nahmen Soldaten "El Mencho" angeschossen, auf dem anschließenden Flug starb der schwer verletzte 59-Jährige.

Die USA hatten auf "El Mencho" ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar (12,73 Mio. Euro) ausgesetzt, weil das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl in die USA schmuggelt. Die Regierung in Washington hat ein großes Interesse an der Zerschlagung des Kartells, das von ihr als "terroristische Organisation" eingestuft wird.

Nachricht von Rendezvous erhalten

Unterstützt von der US-Armee erfuhr die mexikanische Armee schließlich, dass eine von "El Menchos" Freundinnen zu einem Rendezvous mit dem Drogenboss in Tapalpa kommen sollte. Die kleine Stadt liegt rund 130 Kilometer entfernt von Guadalajara, der Hauptstadt des zentralmexikanischen Bundesstaates Jalisco.

Eine "von 'El Menchos' Liebschaften" sei von einer Vertrauensperson zu einer Ranch dort gebracht worden, sagte der mexikanische Verteidigungsminister Ricardo Trevilla am Montag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Nach ihrem Treffen mit Oseguera am Samstag sei sie wieder abgereist, der Drogenboss sei mit seinen Leibwächtern in dem Anwesen zurückgeblieben.

Sturmangriff auf Anwesen

Die Armee machte sich daraufhin für einen Einsatz an Land und in der Luft bereit, um den seit Jahren gesuchten "El Mencho" festzunehmen. Trevilla berichtete, zunächst seien die Einsatzkräfte außerhalb des Bundesstaates Jalisco geblieben, um die Sache "geheimzuhalten und das Überraschungsmoment zu bewahren". Als die Bestätigung vorlag, dass sich der Drogenboss tatsächlich auf der Ranch aufhielt, wurde der Befehl erteilt, das Gelände am Sonntag zu stürmen.

"Ehrlich gesagt war es ein ziemlich heftiger Angriff", beschrieb Trevilla das Vorgehen. Die Einsatzkräfte seien darauf eingestellt gewesen, dass Sturmgewehre und Raketenwerfer zu Osegueras Waffenarsenal gehören. Seine Leibwächter, die für ihre Angriffe auf staatliche Sicherheitskräfte berüchtigt sind, hatten solche schweren Waffen in der Vergangenheit bereits eingesetzt. So schossen sie 2015 einen Militärhubschrauber ab, um Osegueras Festnahme zu verhindern.

In Waldgebiet eingekreist

Am Sonntag war Osegueras Leibwache allerdings nicht so erfolgreich. Die Soldaten trieben sie in die Flucht und Osegueras engster Kreis an Bodyguards suchte mit dem Drogenboss Schutz in einem Waldgebiet. Die Soldaten konnten "El Mencho" und seine Männer jedoch einkreisen, wie der Verteidigungsminister schilderte. Die Einsatzkräfte fanden den berüchtigten Kriminellen schließlich versteckt im Unterholz.

Es brach ein Gefecht aus, in dem einer von Osegueras Männern einen Militärhubschrauber traf und zu einer Notlandung zwang. Oseguera und zwei seiner Begleiter wurden in dem Gefecht schwer verletzt. Auf dem Flug zu einem Krankenhaus in Guadalajara seien alle drei gestorben, sagte Trevilla. Die Leichen seien daraufhin per Flugzeug nach Mexiko-Stadt gebracht und dort der Generalstaatsanwaltschaft übergeben worden.

Auch rechte Hand "El Tuli" getötet

Für den Staat ist es ein Triumph, "El Menchos" Leiche in ihrer Gewalt zu haben. Sicherheitsminister Omar García Harfuch versicherte allerdings, dass der Tote später an seine Angehörigen übergeben werde. Wo der Drogenboss seine letzte Ruhestätte bekommt, ist noch unklar.

Kurz nach dem spektakulären Einsatz wurde nach Angaben der Behörden auch "El Menchos" rechte Hand Hugo H., bekannt als "El Tuli", getötet. Als Rache für den Tod seines Bosses habe er von El Grullo aus, einer anderen Stadt in Jalisco, Straßenblockaden und das Abfackeln von Fahrzeugen befohlen.

20.000 Pesos für jeden getöteten Soldaten

"Er hat 20.000 Peso (986,78 Euro) für jeden getöteten Soldaten geboten", sagte Trevilla. Als "El Tuli" am Sonntag auf der Flucht getötet worden sei, habe er eine Sturmwaffe, eine Pistole und umgerechnet mehr als eine Million Euro bei sich gehabt.

Die Gewalt ging auch nach "El Tulis" Tod weiter. In 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten wurden Straßenblockaden errichtet und Fahrzeuge und Geschäfte in Brand gesetzt. Die Regierung entsandte 10.000 Soldaten und am Montag beruhigte sich die Lage in den meisten Orten. Der Tod von "El Mencho" könnte allerdings noch einen blutigen Machtkampf um seine Nachfolge und seine Anteile am lukrativen Drogengeschäft nach sich ziehen.