Abgelaufene Ware
Lebensmittel-Skandal in Ungarn
Mehrere 100 Tonnen Lebensmittel mit abgelaufener Mindesthaltbarkeit sind bei Kontrollen in ungarischen Lagern entdeckt worden.
In den Lebensmittelskandal soll auch ein Österreicher verwickelt sein. Das involvierte Unternehmen aus der Budapest nahen Ortschaft Törökbalint soll abgelaufene Ware aus ganz Europa aufgekauft und neu etikettiert wieder in den Handel gebracht haben. Nach den Verantwortlichen wird nun gefahndet. Deshalb war eine Stellungnahme des Unternehmens am Freitag nicht möglich.
M.E.G.A-Trade-Firmengruppe
Wie die ungarischen Medien am
Donnerstag berichteten, gehören die Lager, in denen die abgelaufenen
Lebensmittel aufbewahrt worden waren, der M.E.G.A-Trade-Firmengruppe. Diese
soll sich in österreichischem, israelischem, ukrainischem und ungarischem
Besitz befinden. M.E.G.A.-Trade wurde laut der ungarischen Tageszeitung "Nepszabadsag"
(Freitagausgabe) 1996 beim ungarischen Firmengericht eingetragen, wobei ein
österreichischer Staatsbürger als Eigentümer genannt wird.
1.200 Geschäfte beliefert
Bei den Kontrollen wurde
ermittelt, dass die verfallenen Lebensmittel mit neuen
Mindesthaltbarkeitsdaten versehen worden waren. Diese Produkte wurden an
1.200 Geschäfte, vor allem an Hypermärkte, geliefert. Es soll sich um
mehrere 100 Tonnen handeln. In Törökbalint wurde eine Druckmaschine
sichergestellt, mit der die neuen Etiketten gefertigt wurden.
Strafverfahren gegen Unbekannt
Wie die Sprecherin des
Polizeipräsidiums des Komitats Pest, Andrea Belicza, der APA gegenüber
betonte, habe die Polizei zunächst ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen
des Vertriebs von Lebensmitteln mit verfallenem Verbrauchsdatum eingeleitet.
Bisher habe sich kein leitender Mitarbeiter von M.E.G.A-Trade gemeldet. Die
Untersuchungen an Ort und Stelle seien abgeschlossen, so dass nun Polizei
und beauftragte Experten die Dokumente, Akten und Lieferscheine der GmbH
kontrollieren, um die persönliche Verantwortung bei der groß angelegten
Fälschung feststellen zu können. Laut ungarischem Strafgesetzbuch kann für
diese Tat eine Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren verhängt werden.
Österreich nicht betroffen
Laut dem Leiter der Station für
Tierhygiene und Lebensmittelkontrolle des Komitats Pest, György Virsinger,
handelt es sich bei den Waren um Milchprodukte, Süßigkeiten, Müsli,
Marmelade, Brot, tief gefrorenes Rindfleisch und eine Million Eier, die aus
Deutschland stammten. Lieferungen sollen zum Beispiel an Auchan, Tesco, Spar
und dm Drogeriemarkt gegangen sein. Österreich ist von dem ungarischen
Lebensmittelskandal nicht betroffen. Das bestätigte Nicole Berkmann,
Sprecherin von Spar, im Gespräch mit der APA. Es seien ausschließlich
ungarische Geschäfte betroffen. So haben die Spargeschäfte keine Produkte
von M.E.G.A-Trade im Sortiment.
Die Manipulation mit dem Verfallsdatum wurde entdeckt, als Veterinäre und Polizei gemeinsam eine Nachkontrolle in den betroffenen Lagern durchführten, denen bereits früher die Betriebsgenehmigung entzogen worden war. Bisher konnten laut György Virsinger wegen des Verbrauchs dieser verfallenen Lebensmittel keine gesundheitlichen Schäden nachgewiesen werden, denn auch die Sicherheitskräfte der Lager hätten diese verzehrt.