Riesiges Problem

NASA-Mondmission Artemis 2 droht zum Fiasko zu werden

27.01.2026

NASA will wieder auf den Mond landen. Vor der ersten bemannten Mondmission laufen noch die letzten Vorbereitungen. Dabei könnte der defekte Hitzeschild für die Astronauten lebensgefährlich werden.

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Mit der Mondmission Artemis 2 will NASA einen weiteren wichtigen Schritt Richtung der ersten bemannten Landung seit Apollo machen. Doch ernsthafte Sicherheitsbedenken könnten die Mission überschatten.

Frühestens am 6. Februar brechen vier Astronauten auf die erste bemannte Mondumrundung seit über 50 Jahren auf. Sie werden mit einer Raumkapsel reisen, deren Hitzeschild bei einem Testflug unzählige Risse aufwies. Diese gefährliche Schwäche löste in der Raumfahrtgemeinschaft eine heftige Diskussion aus.

Gefährliches Problem

Während der unbemannten Artemis-1-Mission flog die Orion-Kapsel 2022 um den Mond. Nach der Rückkehr zur Erde entdeckten die Ingenieure Beschädigungen am Hitzeschild. Eigentlich sollte das Material gleichmäßig abgetragen werden. In Wirklichkeit verlor das schützende Avcoat-Material größere Teile und wies tiefe Furchen auf. Der Schock: Die Information veröffentlichte die NASA erst anderthalb Jahre nach der Mission.

Für das Problem ist das neue Design verantwortlich. 2015 veränderte NASA die Bauweise des Hitzeschilds. Anstatt der wabenartigen Struktur der Apollo-Ära nutzen sie nun eine Blockbauweise. Doch die Konstruktion hatte ein großes Problem.

Flugbahn verändert

Nach einer monatelangen Untersuchung stellte NASA fest, dass sich beim Wiedereintritt Gase im Inneren des Schildes ansammelten. Dies führte zum Abplatzen von Material und zur Bildung von Rissen.

NASA hat sich entschieden, nicht den bereits installierten Hitzeschild für Artemis 2 auszutauschen, sondern sie entwickelten eine andere Strategie. Die Kapsel soll auf einer geänderten Flugbahn in die Erdatmosphäre eintreten. Sie werden mit einem steileren Winkel fliegen. Damit will die NASA die Zeit der maximalen Hitzebelastung verkürzen und weiteren Materialverlust vermeiden.

"Was sie vorhaben, ist verrückt" 

In der Raumfahrtgemeinschaft sorgt die Entscheidung für eine heftige Diskussion. Dr. Charlie Camarda, ehemaliger NASA-Astronaut und Hitzeschild-Experte, betont gegenüber "CNN": "Was sie vorhaben, ist verrückt." Camarda flog nach der Columbia-Katastrophe 2003 selbst ins All. Er versuchte mit anderen ehemaligen NASA-Mitarbeitern die Verantwortlichen vor dieser Änderung zu warnen.

Auch Dr. Dan Rasky, ein weiterer Spezialist für Wiedereintrittstechnologien mit über drei Jahrzehnten NASA-Erfahrung, steht kritisch zu den Plänen: "Der Grund, warum dies so wichtig ist, liegt darin, dass man sich bei einer Abplatzung des Hitzeschilds – oder wenn große Teile davon abbrechen –, selbst wenn das Vehikel nicht zerstört wird, nun unmittelbar vor einem beginnenden Ausfall befindet."

Gefährlicher Balanceakt

Laut ihm sei dies ein gefährlicher Balanceakt: "Es ist, als ob man am Rand einer Klippe an einem nebligen Tag steht." Rasky sei überzeugt, dass die NASA keinen Menschen mit diesem Hitzeschild fliegen lassen sollte.

Dem gegenüber steht Dr. Danny Olivas. Anfang Jänner führte er intensive Gespräche im NASA-Hauptquartier. Olivas erklärt: "Ich vertraue diesen Ingenieuren nachdrücklich und den Programmmanagern, die sie leiten." Der ehemalige Astronaut war an der Untersuchung beteiligt.

"Ja, er wird Risse bekommen"

Aber gleichzeitig gibt er zu: "Wird der Hitzeschild Risse bekommen? Ja, er wird Risse bekommen." Dr. Steve Scotti vom NASA Langley Research Center zeigt sich auch optimistisch: "Ich habe keine starken Befürchtungen, dass die Crew in Gefahr ist." Über die neue Kontroverse sagt Olivas: "Ich denke, es ist berechtigt, zu hinterfragen, was bei der NASA passiert, denn unsere Geschichte ist nicht perfekt."

Vor kurzem hat NASA-Administrator Jared Isaacman ein Treffen einberufen, um die kritischen Stimmen anzuhören. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich: "Wir haben volles Vertrauen in das Raumschiff Orion und seinen Hitzeschild, basierend auf strengen Analysen und der Arbeit außergewöhnlicher Ingenieure, die die Daten während des gesamten Prozesses verfolgt haben."

Crew zuversichtlich

Die kommenden Artemis-Missionen sollen laut NASA verbesserte Hitzeschild-Technologien erhalten. Während einer Pressekonferenz im Dezember 2024 wurde angekündigt, dass die Produktionstechnik optimiert wird. Somit sollen durchlässigere Schilde hergestellt werden.

Die Artemis-2-Crew, Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen, haben öffentlich schon ihr Vertrauen bekundet. Kommandant Wiseman meinte im Juli: "Wenn wir uns an den neuen Wiedereintritts-Pfad halten, den die NASA geplant hat, dann wird dieser Hitzeschild sicher zu fliegen sein."

© NASA

Seit Mitte Jänner steht die gigantische SLS-Rakete mit der Orion-Kapsel am Startplatz. Ende Jänner ist eine Generalprobe geplant, wonach die letzte Flugbereitschaftsprüfung ansteht. Dabei entscheidet die NASA-Führung endgültig über die Startfreigabe. Die Crew befindet sich mitten in der Quarantäne. 

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