Mit der "Artemis 2"-Mission der US-Raumfahrtbehörde NASA sollen in diesem Jahr erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert wieder Menschen in die Nähe des Mondes fliegen.
Das Raketensystem soll dafür am Samstag aus der Werkshalle heraus zum Startplatz gebracht werden. Für Ende des Monats ist dann ein unbemannter Bodentest geplant. Bei dem sogenannten "Wet Dress Rehearsal" werden bis auf den eigentlichen Start alle Abläufe getestet.
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Die Crew der "Artemis 2"-Mission besteht aus der US-Astronautin Christina Koch (geboren am 29. Jänner 1979), ihren US-Kollegen Victor Glover (30. April 1976) und Reid Wiseman (11. November 1975) und dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen (27. Januar 1976). Für Glover, Koch und Wiseman wäre es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch wäre die erste Frau an Bord einer Mond-Mission der NASA, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste Kanadier.
"Artemis 2" sei "mehr als eine Mission", hatte Glover nach der Crew-Bekanntgabe im April 2023 gesagt. "Es ist der nächste Schritt auf dem Weg, der die Menschheit zum Mars bringen wird und diese Crew wird das nie vergessen."
Bemannte Mondlandung mehrfach verschoben
Das "Artemis"-Programm – benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie – wurde von der NASA 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung ("Artemis 3") bis 2024 vor. Seitdem kam es aber schon mehrfach zu Verschiebungen.
Nach dem erfolgreichen unbemannten Testflug "Artemis 1" im Jahr 2022 – der auf zahlreiche technische Schwierigkeiten, Kostenexplosionen und Verschiebungen folgte – ist "Artemis 2" nun für "die erste Jahreshälfte 2026" angesetzt. Das anvisierte Startfenster öffnet sich am 6. Februar und schließt am 6. April.
Abflug vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral
"Artemis 2" baut auf den Erfahrungen von "Artemis 1" auf. Mit der Rakete "Space Launch System" sollen die vier Astronauten vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abheben. An Bord der "Orion"-Kapsel sollen sie dann etwa zehn Tage lang um den Mond herumfliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde aufkommen soll.
Der Flugverlauf gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370.000 Kilometer von der Erde entfernt, etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen. Die Astronauten der "Apollo 8"-Mission näherten sich bei ihrer Umrundung dem Mond 1968 sogar bis auf etwa 113 Kilometer an.
"Orion"-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch
Die "Orion"-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken werden die Astronauten aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihren eigenen Gesundheitszustand mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.
Außerdem müssen sie in der Enge der Kapsel leben und arbeiten. Schlafen sollen sie in an der Wand befestigten Schlafsäcken. Reinigen können sie sich unter anderem mit Feuchttüchern, Flüssigseife, Waschlappen sowie Zahnbürsten und Zahnpasta. Es gibt ein eigenes Klo mit Tür.
Das Essen ist ähnlich dem auf der ISS, nur noch etwas limitierter. Beispielsweise muss das meiste bei Raumtemperatur verzehrt werden, denn der Essenswärmer hat nur sehr begrenzte Kapazitäten.
Mindestens eine halbe Stunde pro Tag sollen die Astronauten mit Sport verbringen. Ein Gerät hilft ihnen dabei beispielsweise Ruder-Übungen zu machen. Außerdem hat jeder ein Tablet und einen Laptop, wo sie per Wifi mit der Erde kommunizieren können. Auch ein paar Filme und Spiele sind heruntergeladen.
Bemannte Mondlandung für 2027 angepeilt
Die bemannte Mondlandung "Artemis 3" ist derzeit für 2027 anvisiert. Danach sind weitere Missionen geplant. Zudem soll am Mond ein Außenposten namens "Gateway" entstehen, in dem Astronauten leben und arbeiten können. Auch unter anderem Rover und ein Atomkraftwerk für den Mond sind in Planung.
2021 hatte der damalige Generalinspekteur der NASA geschätzt, dass die Kosten für das "Artemis"-Programm bis 2025 auf 86 Milliarden Dollar steigen würden, deutlich mehr als anfangs veranschlagt. Es sei die "ehrgeizigste und teuerste Aktivität" der NASA, hieß es. Seitdem dürfte noch einiges an Kostensteigerungen hinzugekommen sein, zusätzlich zu den weiter laufenden Kosten. "Artemis 2" alleine dürfte sich laut Expertenschätzungen auf etwa vier Milliarden Dollar belaufen.
Vorherige Pläne für eine Rückkehr der USA zum Mond waren ebenfalls krisengeplagt und letztendlich immer wieder gescheitert. Das vom früheren US-Präsidenten George W. Bush unterstützte "Constellation"-Programm beispielsweise, das bemannte Mondlandungen vorgesehen hatte, wurde von seinem Nachfolger Barack Obama wegen zu hoher Kosten wieder abgesägt.
Das "Apollo"-Programm hatte insgesamt rund 28 Milliarden Dollar gekostet, das wären heutzutage etwa 280 Milliarden.
1972 letzter Mensch auf dem Mond
Am 20. Juli 1969 wurde Neil Armstrong zum ersten Menschen auf dem Mond – und kommentierte das mit dem berühmt gewordenen Satz: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit."
Als bisher letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene NASA-Astronaut Eugene Cernan mit der "Apollo 17"-Mission den Erdtrabanten. "Wir gehen, wie wir gekommen sind, und so Gott es will, werden wir so auch wieder zurückkommen – mit Frieden und Hoffnung für die gesamte Menschheit."
Insgesamt brachten die USA als bisher einziges Land mit den "Apollo"-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond. Das Programm brachte viele Erfolge, aber auch einige Tragödien: Noch vor dem Start von "Apollo 1" tötete 1967 ein Feuer bei einem Test drei Astronauten. 1970 musste die "Apollo 13"-Mission nach der Explosion eines Sauerstofftanks umkehren.
Sprungbrett auf dem Weg zum Mars
Die NASA will Menschen "für wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und um eine neue Generation von Entdeckern zu inspirieren" zum Mond schicken, heißt es offiziell. Zudem sei die Rückkehr zum Mond auch eine Art Sprungbrett auf dem Weg zum Mars.
Strategisch symbolisiert die Rückkehr zum Mond technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen prägen zu können. US-Präsident Donald Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, würde es auch als persönlichen Erfolg verbuchen wollen.
Viele private Unternehmen involviert
Die NASA stemmt das "Artemis"-Programm nicht alleine. Viele private Raumfahrtunternehmen sind involviert – darunter beispielsweise auch Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk. Zudem gibt es internationale Partner, vor allem die Raumfahrtprogramme von Kanada, Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten – und die europäische Raumfahrtbehörde ESA. Die ESA steuert unter ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die "Orion"-Kapsel bei, sowie zahlreiche Bestandteile für "Gateway" und die geplante Mondlandung bei "Artemis 3".
Darüber hinaus gibt es die sogenannten "Artemis Accords", eine internationale Vereinbarung zur Förderung der Zusammenarbeit in der Weltraumforschung, der sich bereits mehrere Dutzend Länder angeschlossen haben.
China als Konkurrent der USA
Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen zum Mond. Größter Konkurrent der USA ist China mit dem vorgegebenen Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen.