"Ein Massaker"
Proteste in Iran: Expertin warnt vor Blutbad
11.01.2026
Die Massenproteste im Iran halten trotz wachsender Todeszahlen, exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats und einer nahezu vollständigen Internetsperre weiterhin an. Nun schätzt eine Iran-Expertin in der ZiB-2 die Situation ein.
Laut der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation HRANA wurden mittlerweile mehr als 500 Menschen getötet und über 10.600 festgenommen. Unbestätigte Berichte deuteten aber auf eine deutlich höhere Opferzahl hin, einigen Quellen zufolge gebe es bereits mehr als 2.000 Todesopfer.
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Aktivisten zufolge weiteten sich die Demonstrationen unterdessen auf 185 Städte aus. Außerdem tauchten Videoaufnahmen auf, die Dutzende Leichen vor einer Leichenhalle südlich der Hauptstadt Teheran zeigen. Das von der Nachrichtenagentur AFP verifizierte Video, das am Samstag erstmals online veröffentlicht wurde, wurde in Kahrisak aufgenommen. Es zeigt in schwarze Säcke gehüllte Leichen, die auf dem Boden liegen. Es sind auch Menschen zu sehen, die offenbar nach ihren vermissten Angehörigen suchen.
"Es hat ein Massaker stattgefunden"
Nach Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) sind auf den Aufnahmen "eine große Anzahl von Menschen, die bei den landesweiten Protesten im Iran getötet wurden". Die ebenfalls in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Hengaw erklärte, die Echtheit des Videos selbst überprüft zu haben. Die Dutzenden "blutüberströmten Leichen innerhalb und außerhalb der Leichenhalle von Kahrisak" seien Beleg für ein "schweres Verbrechen von beträchtlichem Ausmaß".
Am Sonntagabend äußerte sich die Iran-Expertin Solmaz Khorsand in der ZiB-2 zu der Lage im Iran. Khorsand sagt zur Moderatorin Margit Laufer: "Ein Großteil der Iraner lebt im Panikmodus. Man muss davon ausgehen, dass in diesem Blackout-Modus tausende Menschen ermordet worden sind." Die Expertin setzt fort: "Es hat ein Massaker stattgefunden."
"Auch Trump sieht die Leichensäcke"
Khorsand erklärt, dass die Revolutionsgarde gezielt in die Köpfe und Herzen der Protestierenden schießen würde. Die Expertin: "Weil man die Brutalität des Regimes kennt, ist die Stimmung noch viel aufgeheizter."
Laut ihr besteht die Möglichkeit, dass die USA in die Proteste eingreifen werden. Khorsand meint: "Auch Trump sieht die Leichensäcke." Das iranische Regime hat bereits mit Gegenschlägen gedroht, wenn andere Länder eingreifen würden. Die Iran-Expertin: "Je mehr sich die iranische Führung in die Ecke gedrängt fühlt, desto wahrscheinlicher sind solche Gegenschläge."
Die Autorin erwartet in den kommenden Tagen "noch mehr Brutalität und Ermordungen". Abschließend sagt Khorsand: "Es werden sehr dunkle Tage für die iranische Bevölkerung."