Korea-Konflikt

Südkorea will neue Atom-Gespräche mit Norden

29.12.2010


Präsident Lee wirbt für neue Gespräche - in Nordkorea wird derweil das Luftwaffentraining ausgebaut.

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Trotz der starken Spannungen auf der koreanischen Halbinsel setzt der Süden nach eigenem Bekunden auf eine Verhandlungslösung mit dem verfeindeten Norden. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak warb am Mittwoch für neue Gespräche mit Nordkorea, um das abgeschottete Land zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen.

Sechs-Parteien-Gespräche ausgesetzt
Die derzeit ausgesetzten Sechs-Parteien-Gespräche seien das einzig denkbare Forum, um den Norden durch diplomatische Anerkennung und Wirtschaftshilfen umzustimmen. Lee erklärte, die Bemühungen sollten im kommenden Jahr Früchte tragen. Eine harte militärische Haltung des Südens allein werde den Konflikt nicht entschärfen, betonte Lee.

Spannungen nach Angriff Nordkoreas
Nach einem nordkoreanischen Angriff auf eine südkoreanische Insel im November waren die Spannungen zwischen den beiden Länder eskaliert. Der Norden drohte dem Süden mit einem Atomkrieg. Südkorea kündigte einen entschlossenen Gegenangriff an, sollte es weitere Provokationen des Nordens geben. Am Mittwoch berichtete die Zeitung "JoongAng" unter Berufung auf südkoreanische Militärkreise, der Norden habe seine Luftwaffenübungen im Dezember trotz Treibstoffknappheit deutlich ausgeweitet.

Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hatten die Regierungsvertreter aus Pjöngjang vor zwei Jahren den Verhandlungstisch verlassen, an dem sie sich mit Südkorea, den USA, Japan, Russland und China um eine Lösung des Konflikts bemühten. Wie die USA auch hat Südkorea vor einer Wiederaufnahme diplomatischer Bemühungen verlangt, dass der Norden Schritte in Richtung Aufgabe seines Atomprogramms unternimmt. China als wichtigster Verbündeter des kommunistischen Nordkoreas hat sich dagegen für Verhandlungen ohne
Vorbedingungen ausgesprochen.

Experten glauben nicht an Erfolg
Angesichts dieser Ausgangslage und der jüngsten Spannungen halten Experten die Chancen auf baldige Gespräche für gering. Zudem gebe es für das zuletzt immer selbstbewusster auftretende Nordkorea nicht genügend Druck, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Vor allem bei dem zentralen Ziel der Sechs-Parteien-Gespräche, die Aufgabe des Atomprogramms, werde sich Nordkorea kaum bewegen, sagte der Experte für US-koreanische Beziehungen bei der Asia Foundation, Scott Snyder.

Im kommenden Jahr könne zwar versucht werden, mit einem Treffen zwischen Nord- und Südkorea den diplomatischen Prozess wieder in Schwung zu bringen. Die Aussichten auf Erfolg seien aber gering, betonte Snyder. "Im Moment herrscht mit Blick auf Nordkorea Pessimismus vor."

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