Zu wenig Gas

20 Prozent teurer: Heizkosten-Hammer droht

© Gettyimages
Deutschland steuert mit ungewöhnlich leeren Gasspeichern auf die Heizsaison zu – und die Heiz-Rechnung könnte für Millionen Haushalte extrem steigen. So warnt der Speicherverband INES: Bei einem sehr kalten Winter reicht selbst ein optimistisch erreichbarer Füllstand von 77 % bis zum 1. November nicht aus.
Zur Vollversion des Artikels

Das Wirtschaftsministerium sieht aktuell noch keine akute Mangellage, die Betreiber halten die Versorgung in einem Extremwinter jedoch nicht für gewährleistet. Derzeit sind die deutschen Speicher zu knapp 55 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr waren es zum selben Zeitpunkt 74 Prozent, EU-weit steht der Schnitt bei etwa 67 Prozent.

Technisch wäre bis November noch eine Befüllung auf 77 Prozent möglich – das gesetzliche Ziel von 80 Prozent für die meisten Anlagen gilt bereits als verfehlt. Der Grund dafür ist nicht nur das Wetter: Seit Monaten halten hohe Weltmarktpreise Händler vom Einspeichern ab. Die Straße von Hormus ist durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran faktisch blockiert, LNG-Lieferungen fehlen, der europäische Großhandelspreis TTF stieg in dieser Woche auf den höchsten Stand seit mehr als dreieinhalb Jahren.

Warnung an Privatkunden

Verivox-Energieexperte Thorsten Storck rechnet deshalb mit spürbaren Folgen für Privatkunden, berichtet n-tv: Die Neukundenpreise hätten die Börsenentwicklung bereits abgebildet und seien seit Februar um mehr als ein Drittel gestiegen. Bestandstarife reagierten langsamer, würden aber nachziehen. Beim aktuellen Niveau seien Erhöhungen von 10 bis 20 Prozent zum Jahreswechsel möglich.

IW-Experte Malte Küper ergänzt: Deutschland sei besonders anfällig, weil Industrie und Haushalte stärker als in vielen Nachbarländern am Erdgas hängen und die EU fast vollständig importabhängig bleibt.

Die Speicher können etwa 250 Terawattstunden aufnehmen, der Jahresverbrauch liegt weit darüber. Sie dienen vor allem dazu, den Winterpeak auszugleichen. Bleibt der Winter mild, reichen auch niedrigere Bestände. Wird er so kalt wie 2010, müsste die Industrie drosseln, um Haushalte zu schonen. Netzbetreiber haben bereits wieder Krisenansprechpartner bei Großkunden abgefragt – ein Signal, das es zuletzt 2022 gab. Für Mieter und Eigenheimbesitzer heißt das: Wer jetzt noch wechseln kann, sollte Angebote vergleichen. Wer im Bestandstarif bleibt, muss mit einer spürbar höheren Abschlagzahlung rechnen, sobald die Versorger die Großhandelspreise weitergeben.