Es ist eine unglaubliche Reise durch die Tiefen des Weltalls: Am 18. November 2026 wird "Voyager 1" erstmals einen ganzen Lichttag von der Erde entfernt sein. Das entspricht rund 25,9 Milliarden Kilometern. Kein anderes von Menschen gebautes Objekt hat sich jemals so weit von unserem Planeten entfernt. Doch während die Sonde einen historischen Meilenstein erreicht, kämpft die Nasa darum, sie weiter am Leben zu halten.
Funksignal braucht zwei Tage für eine Antwort
Die Entfernung hat auch ganz praktische Folgen: Ein Funksignal benötigt mittlerweile 24 Stunden, um "Voyager 1" zu erreichen. Bis eine Antwort zurück auf der Erde eintrifft, vergehen insgesamt zwei Tage.
Den Rekordzeitpunkt hat die Nasa sogar auf die Minute genau berechnet. Am 18. November um 5.16 Uhr US-Ostküstenzeit soll die Sonde exakt 25.902.068.356 Kilometer entfernt sein.
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Plötzlich blieb die Sonde stumm
Doch kurz vor dem Rekord gab es einen Rückschlag. Mitte Oktober blieb "Voyager 1" bei zwei geplanten Kontaktversuchen zunächst ohne Signal. Erst nach rund 48 Stunden konnte die Nasa wieder eine Verbindung herstellen.
Als Ursache wurde der Ausfall einer Gruppe von Steuerdüsen festgestellt. Die Bordcomputer schalteten automatisch auf ein Reservensystem um. Die Düsen sind entscheidend, um die Antenne der Sonde auf die Erde auszurichten. Ob der Wechsel auch für den vorübergehenden Kontaktverlust verantwortlich war, wird noch untersucht.
Der Strom wird immer knapper
Ein weiteres Problem ist die Energieversorgung. Seit dem Start am 5. September 1977 wird "Voyager 1" von drei Radioisotopengeneratoren versorgt. Sie erzeugen Strom aus der Wärme, die beim radioaktiven Zerfall von Plutonium-238 entsteht.
Doch die Leistung nimmt jedes Jahr um rund vier Watt ab. Ursprünglich lieferten die Generatoren gemeinsam etwa 470 Watt. Inzwischen muss das Missionsteam immer genauer entscheiden, welche Geräte noch mit Strom versorgt werden können. Auch Heizung, Bordcomputer und Funktechnik benötigen Energie.
Nasa schaltet Geräte ab, um Zeit zu gewinnen
Im September gelang den Ingenieuren ein wichtiger Schritt: Nach monatelanger Vorbereitung wurden drei Geräte gleichzeitig abgeschaltet und durch stromsparendere Alternativen ersetzt. Die Maßnahme trägt intern den Namen "Big Bang". Damit soll die verbleibende Energie möglichst effizient genutzt werden.
Ohne diese Anpassungen hätte möglicherweise bereits im Sommer 2027 ein weiteres wissenschaftliches Instrument abgeschaltet werden müssen. Wie viel zusätzliche Zeit die Maßnahmen bringen, ist allerdings noch unklar.
Nur noch zwei Messgeräte in Betrieb
Von ursprünglich zehn wissenschaftlichen Instrumenten funktionieren inzwischen nur noch zwei. Ein Magnetometer misst das Magnetfeld rund um die Sonde, ein Plasmawelleninstrument liefert Daten über elektrische Schwingungen und die Dichte des interstellaren Mediums.
Seit August 2012 befindet sich "Voyager 1" im interstellaren Raum, also außerhalb der vom Sonnenwind geprägten Hülle der Sonne. Vollständig verlassen hat sie das Sonnensystem damit allerdings noch nicht: Auch die weit entfernte Oortsche Wolke wird noch dazugezählt.
Botschaft der Menschheit reist weiter
An Bord befindet sich außerdem eine ganz besondere Fracht: die "Golden Record". Die vergoldete Schallplatte enthält Bilder, Musik, Geräusche und Grußbotschaften von der Erde. Sie benötigt keinen Strom und könnte die Sonde damit noch lange überdauern.
Nach Berechnungen der Nasa wird "Voyager 1" in rund 40.000 Jahren am Stern Gliese 445 vorbeifliegen. Bis dahin bleibt die Mission ein Wettlauf gegen die schwindende Energie – und ein außergewöhnliches Zeugnis menschlicher Raumfahrt.