99% Auslastung
261.300 Gäste bei den Salzburger Festspielen
Am kommenden Sonntag gehen die 106. Salzburger Festspiele zu Ende. Für die 172 Aufführungen und die 37 Vorstellungen im Jugendprogramm "jung & jede*r" wird eine Auslastung von über 99 Prozent erwartet, teilte das Direktorium mit Festivalpräsidentin Kristina Hammer, Intendantin Karin Bergmann und dem Kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz am Freitag mit. Bis 30. August werden inklusive Einlass- und Generalproben mehr als 261.300 Gäste aus 84 Ländern die Festspiele besucht haben.
Dazu kommen über 45.000 Besucherinnen und Besucher bei den historischen und aktuellen Aufführungen bei den Siemens Festspiel Nächten am Kapitelplatz und rund 28.500 Gäste beim dreitägigen Fest zur Festspieleröffnung. Das Direktorium zeigte sich in seiner Bilanz nicht nur mit dem Publikumszuspruch, sondern auch kaufmännisch zufrieden: Die Einnahmen aus den Kartenerlösen lagen dieses Jahr bei 31,45 Millionen Euro netto.
"Jedermann" hatte kein großes Wetterglück
Künstlerisch standen 2026 klassisches Repertoire sowie moderne Werke und Uraufführungen nebeneinander. Im Bereich Oper gab es neun Produktionen. Die Neuinszenierungen "Carmen", "Ariadne auf Naxos" und "Saint François d'Assise" und die Wiederaufnahmen "Il viaggio a Reims" und die Neueinstudierung "Così fan tutte" wurden szenisch aufgeführt. "Lucio Silla" wurde semiszenisch realisiert. "Passion", "Werther" und "Der Prinz von Homburg" fanden konzertant statt.
In der Sparte Konzert gab es 84 Aufführungen. Davon entfielen acht Konzerte sowie die konzertant aufgeführte Oper "Passion" auf die Reihe Ouverture spirituelle, die in diesem Jahr mit dem Thema "Miserere" überschrieben war. Nach der Trennung von Intendant Markus Hinterhäuser war mit Spannung erwartet worden, ob er seine beiden Konzerte im Programm spielen oder absagen würde. Er trat an - und wurde für seine Auftritte am Piano bejubelt.
Im Schauspiel waren neben der Wiederaufnahme des "Jedermann" die Uraufführungen "Schnee von gestern, Schnee von morgen" von Peter Handke und "Unter Tieren" von Elfriede Jelinek, die Neuinszenierungen "Faust I" und "Der Menschenfeind" sowie die Gastspiele "De Profundis" und "Europa" zu sehen. Von den 15 "Jedermann"-Vorstellungen fanden acht am Domplatz und fünf im Großen Festspielhaus statt, zwei Mal musste wetterbedingt vom Domplatz ins Festspielhaus verlegt werden.
Archiv-Festival "Staging Realities - The Living Archive"
Insgesamt wurden in dieser Festspielsaison 78 Programmhefte aufgelegt - mit Einführungsessays, Interviews, Künstlerbiografien, Liedtexten und Hintergrundinformationen zu den szenischen Produktionen und Konzerten. Zudem erschienen - digital zur Verfügung gestellt - Hunderte Seiten an Libretti in englischer und deutscher Sprache.
Für das Young Singers Project bewarben sich in diesem Jahr 1.007 junge Sängerinnen und Sänger, 14 nahmen tatsächlich an den öffentlichen Meisterklassen teil. Erstmals wurde in Salzburg das Archiv-Festival "Staging Realities - The Living Archive" ausgerichtet. 2026 wurden mit Partnern acht TV- und Streaming-Produktionen sowie 21 Hörfunkaufzeichnungen umgesetzt. Durch die Partner der European Broadcasting Union (EBU) sei "ein weltweites Millionenpublikum" erreicht worden, so das Festival.
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Weichenstellungen im Oktober
Bei allen Erfolgen stehen den Salzburger Festspielen nun große Entscheidungen bevor. Die Amtszeit von Präsidentin Kristina Hammer läuft heuer mit Jahresende turnusmäßig aus, nach dem Aus von Intendant Markus Hinterhäuser im Frühjahr wurde auch die Nachfolge von Interimsintendantin Karin Bergmann ausgeschrieben. Die Hearings sollen in den kommenden Wochen stattfinden, eine Entscheidung dann in der Sitzung des Festspielkuratoriums im Oktober fallen.
Zugleich stehen zentrale Weichenstellungen für das Großprojekt "Festspielbezirk 2030" an. Zum einen muss über Ersatzräumlichkeiten für das Große Festspielhaus entschieden werden, das von Herbst 2028 bis zum Frühjahr 2031 wegen der Baumaßnahmen zwei Spielsaisonen nicht zur Verfügung steht. Zum anderen geht es um den zweiten Bauabschnitt des Projekts, für das die Landespolitik vor wenigen Wochen überraschend einen Kostendeckel eingezogen hat. Das Direktorium will bis zur Kuratoriumssitzung eine Lösung präsentieren, wie man die Renovierung des "Haus für Mozart" und der Felsenreitschule finanziell in den Rahmen bringt.