Neue Windkraft-Idee
300 Meter hoch: Diese Windkraftanlage kommt ohne riesigen Rotor aus
Airloom Energy aus Wyoming entwickelt Windkraftanlagen, die je nach Ausführung nur 20 bis 30 Meter hoch sein sollen. Zum Vergleich: Die neue Rekord-Windkraftanlage von Vestas und Max Bögl in Deutschland erreicht 285 Meter. Die Anlagen lassen sich allerdings nicht direkt vergleichen: Das Vestas-Modell leistet 7,2 Megawatt, während Airloom für eine spätere Anlage mit drei Megawatt plant.
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Flügel auf ovaler Strecke
Optisch erinnert das System eher an eine flache Achterbahn als an ein klassisches Windrad. Mehrere senkrechte und verstellbare Flügel bewegen sich auf einer erhöhten ovalen Bahn. Der Wind setzt sie in Bewegung und treibt dadurch Generatoren an. Einen zentralen Rotor und eine Gondel an der Spitze eines hohen Turms gibt es bei dem Konzept nicht.
Einen ersten Prototyp testete das Unternehmen in Pine Bluffs im US-Bundesstaat Wyoming. Die Wyoming Energy Authority bezeichnete ihn als Anlage in der Fünf-Kilowatt-Klasse. Die senkrechten Flügel waren rund neun Meter hoch. Zum Vergleich nennt die Behörde Rotorblätter herkömmlicher Windkraftanlagen, die etwa 55 Meter erreichen. Für eine Anlage im Kraftwerksmaßstab war der frühe Versuch noch nicht ausgelegt.
Weniger Bauteile geplant
Airloom vergleicht sein geplantes System mit einem herkömmlichen Windrad mit drei Megawatt Leistung. Nach Berechnungen des Unternehmens soll die Konstruktion rund 40 Prozent weniger Masse und 42 Prozent weniger Bauteile benötigen. Die Zahl unterschiedlicher Komponenten soll sogar um 96 Prozent sinken. Diese Angaben stammen aus dem CES-Eintrag des Unternehmens und wurden bislang nicht durch einen unabhängigen Dauertest bestätigt.
Die einzelnen Teile sollen auf gewöhnliche Lastwagen passen. Dadurch könnten große Spezialtransporte und besonders schwere Kräne entfallen. Platzsparend ist die Konstruktion dadurch allerdings nicht. Beim aktuellen Pilotprojekt sind die geraden Abschnitte der Bahn jeweils rund 100 Meter lang. Für eine spätere Drei-Megawatt-Anlage sind etwa 500 Meter lange Geraden vorgesehen, wie Airloom-Chef Neal Rickner gegenüber TechCrunch sagte.
Kosten bleiben offene Frage
Auch die häufig genannte Ersparnis von rund 50 Prozent muss genauer betrachtet werden. Airloom nennt 50,5 Prozent niedrigere Kosten pro Quadratmeter überstrichener Fläche. Gemeint ist damit die Fläche, in der sich die Flügel durch den Wind bewegen. Die Zahl beschreibt weder die Betriebskosten noch den späteren Preis pro Kilowattstunde.
Für eine entsprechende Bewertung müsste bekannt sein, wie viel Strom die Anlage über ein ganzes Jahr erzeugt, wie häufig sie ausfällt und welche Kosten für Wartung und Reparaturen entstehen. Hinzu kommt die geringe Höhe. An Binnenstandorten ermöglichen höhere Türme stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse, erklärt Max Bögl. Airloom will diesen Nachteil mit einer großen rechteckigen Windfläche und mehreren Flügeln ausgleichen. Messwerte aus einem längeren Betrieb hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht.
Pilot mit 150 Kilowatt
Wyoming unterstützt Airloom mit fünf Millionen Dollar. Die Förderung wurde ursprünglich für die Entwicklung und Erprobung einer Ein-Megawatt-Demonstrationsanlage bewilligt. Als 2025 der Bau des ersten größeren Piloten begann, nannte Rickner gegenüber TechCrunch jedoch eine Leistung von rund 150 Kilowatt. Bereits bei diesem System sollen dieselben Bauteile wie bei größeren Anlagen zum Einsatz kommen. Lediglich die Strecke fällt kürzer aus.
Auf seiner Website führt Airloom für 2025 den Pilotbetrieb und für 2027 eine kommerzielle Demonstrationsanlage auf. Gegenüber TechCrunch nannte Rickner für das erste System im kommerziellen Maßstab dagegen 2027 oder 2028. Wann die größere Anlage tatsächlich entsteht, ist damit noch nicht abschließend geklärt.