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50.000 Tauben, nur vier Schläge: Bezirke schlagen Alarm

© oe24/Rudolf Preyer
oe24 berichtete zuerst über die Pläne für einen Taubenschlag am Julius-Tandler-Platz. Wohl auf unser Betreiben hin sind zahlreiche Bezirke hellhörig geworden und wollen jetzt selbst einen Taubenschlag haben.
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Taubenkot vermiest Wienern zunehmend den Alltag – besonders an Hotspots wie dem Bahnhof Wien Mitte, in Floridsdorf oder rund um den Franz-Josefs-Bahnhof. Immer mehr Bezirke fordern deshalb jetzt eigene Taubenschläge, um der Plage Herr zu werden.

Eine mutwillig verletzte Taube. © Tierschutz Austria

Pfeile im Taubenkörper: Anrainer griffen offenbar durch

Besonders dramatisch zeigt sich die Lage rund um die U-Bahnstation Spittelau: Laut Tierschutz Austria wurden dort mehrfach Tauben mit Pfeilen im Körper entdeckt – ein Hinweis auf verbotene Selbsthilfe genervter Anrainer, wie wien.orf.at unter dem Titel "Immer mehr Bezirke fordern Taubenschläge".

Gemeinsam für einen sauberen Alsergrund. © oe24/Rudolf Preyer

Nur vier Schläge für 50.000 Tauben

Aktuell existieren für mindestens 50.000 Stadttauben gerade einmal vier betreute Taubenschläge, zuletzt eröffnete einer in Ottakring. Dort tauschen Betreuer die Eier gegen Attrappen und versorgen die Tiere mit artgerechtem Futter. Zahlreiche weitere Bezirke wollen nun folgen: Am Alsergrund sucht das Wildtierservice Wien aktuell einen Standort, Ende September steht ein Termin mit der Bezirksvorstehung an – ähnlich in Floridsdorf. Auch die Innere Stadt zeigt Interesse, im 5., 15. und 18. Bezirk laufen bereits konkrete Standortplanungen.

Möglicher Standort für den Taubenkobel am Alsergrund

Die FPÖ-Alsergrund "unterstützt die Frau Bezirksvorsteherin Ahmad bei ihren Bemühungen, am Donaukanal abseits der Aufenthaltsflächen einen Taubenkobel zu errichten, um dort Brutmanagement der Taubenpopulation durchzuführen", heißt es in einer Aussendung vom 24.9.

"Einen Standort, der in geeigneter Distanz zum Konfliktort liegt, eine passende Ausrichtung und Gebäudehöhe aufweist sowie die notwendigen infrastrukturellen Anforderungen erfüllt, könnte das Dach der Müllverbrennung Spittelau oder die dortige Park+Ride Anlage darstellen", so der freiheitliche Klubobmann im 9. Bezirk Gregor Amhof. Ergänzend hält er fest, dass Lift, Wasserzugang, Lagermöglichkeiten für Equipment sowie ein freier Zugang für Mitarbeiter des Wildtierservice Wien, die den Taubenschlag betreuen würden in beiden Fällen vorhanden wären.

Tierschutz Austria bietet Hilfe an

Wie oe24 zuerst berichtete, hat sich Tierschutz Austria mit einem Unterstützungsangebot bei der Bezirksvertretung Alsergrund gemeldet: „Wird dieses Projekt umgesetzt, unterstützen wir vom Wiener Tierschutzverein gerne dabei, dass rund um den Schlag keine privaten Fütterungen mehr stattfinden."

Alsergrund-Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) © SPÖ Alsergrund

Bezirksvorsteherin Ahmad begrüßt Vorstoß

Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) reagiert erfreut gegenüber oe24: „Uns allen am Alsergrund geht es um dasselbe: einen Julius-Tandler-Platz, auf dem man sich gerne aufhält, und einen guten Umgang mit den Stadttauben." Das Angebot des Tierschutzvereins freue sie besonders.

Ihr zentrales Statement: „Ein Taubenschlag, wie vom Tierschutz Austria befürwortet, ist eine Lösung, die sowohl ich als auch die Bezirksvertretung ausdrücklich begrüßen."

Bis zur Lösung verbessere man die Situation bereits jetzt: Die MA 48 reinige dichter, Waste Watcher kontrollierten verstärkt, neue Hinweistafeln schafften Bewusstsein für Müll und das Fütterungsverbot. „Ich freue mich auf eine Lösung, von der Anrainer und Tiere gleichermaßen profitieren", so Ahmad abschließend.

Wien Mitte und Innere Stadt ebenfalls betroffen

Auch am Bahnhof Wien Mitte spitzt sich die Lage zu: Der Weg unter den Strommasten birgt Risiken, weshalb der dritte Bezirk im Umweltausschuss über einen eigenen Taubenschlag verhandelt. Das Wildtierservice bestätigt: Mehrere Projekte befinden sich bereits in konkreter Standortprüfung.

Falsches Futter als Kernproblem

Tierschutzvereins-Präsidentin und Ex-Grünen-Politikerin Madeleine Petrovic sieht das Füttern an sich nicht als Problem – entscheidend sei die Wahl des Futters: „Die Tauben sollten nur harte Körner fressen, kein Brot und schon gar keine Essensreste." Falsches Futter verschmutze Sitzbänke und Fensterbretter zusätzlich.

Das Wildtierservice sieht das strenger: Für funktionierende Taubenschläge brauche es eine geeignete Fläche, geklärte Finanzierung, die Zustimmung von Grundeigentümern und Anrainern – und ein komplettes Fütterungsverbot im Umfeld des Schlags. oe24 bleibt selbstverständlich an der Geschichte dran.