Scharfe Kritik
"Abgekarteter Postenschacher" - FPÖ tobt nach ORF-Wahl
APA-CEO Clemens Pig ist Freitagnacht nach gut fünfzehnstündiger Sitzung des Stiftungsrates zum ORF-Generaldirektor ab 2027 bestellt worden. Er wird damit auf die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher folgen, die nicht erneut kandidierte. Der 51-jährige Tiroler erreichte im ORF-Stiftungsrat 21 von 35 Stimmen und kam damit auf die absolute Mehrheit. Scharfe Kritik an der Wahl Pigs kommt von der FPÖ: • Mediensprecher Christian Hafenecker wirft den Regierungsparteien einen "abgekarteten Postenschacher" vor und bezeichnet die Wahl von Clemens Pig zum ORF-Generaldirektor als vorherbestimmtes Ergebnis. "Die heutige Entscheidung ist daher kein Signal für einen Neuanfang, sondern die Fortsetzung eines Systems, das von Postenschacher, parteipolitischen Abhängigkeiten und der Absicherung von Machtstrukturen lebt."
Auch interessant
Pig setzte sich bei der Wahl gegen Konkurrenten wie Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker (4 Stimmen), ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer (3 Stimmen) oder den einstigen HBO-Manager Johannes Larcher (6 Stimmen) durch. Insgesamt hatten sich 75 Personen fristgerecht um die ORF-Spitze beworben, von denen laut Findungskommission aber nur 13 auch die Ausschreibungskriterien erfüllten. Von diesen wurden wiederum neun Personen zum Hearing im Stiftungsrat nominiert, das der Wahl unmittelbar voranging.
FPÖ übt scharfe Kritik
Laut Hafenecker sei die Entscheidung bereits Wochen vor der Wahl durch Medienberichte und Gerüchte über politische Absprachen absehbar gewesen. "Wenn die wichtigsten Personalentscheidungen bereits Wochen vor der eigentlichen Wahl in Medienberichten vorweggenommen werden, dann hat das mit einem transparenten Auswahlverfahren wirklich gar nichts mehr zu tun", so Hafenecker.
Die FPÖ sieht den ORF als politisch beeinflusst und wirft ihm mangelnde Ausgewogenheit vor. Hafenecker spricht von einem "Regierungspropagandafunk" und behauptet, freiheitliche Positionen würden regelmäßig benachteiligt. "Der ORF hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker von seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag entfernt."
Der neue Generaldirektor stehe aus Sicht der FPÖ nicht für einen Neuanfang, sondern für die Fortsetzung des bisherigen Systems. "Der Küniglberg bleibt ein Selbstbedienungsladen der Systemparteien."
Hafenecker kündigt an, den Druck auf eine umfassende ORF-Reform zu erhöhen. Die FPÖ fordert einen stark verkleinerten ORF ohne Zwangsgebühren, politische Einflussnahme und hohe Gehälter. "Der von den Systemparteien ruinierte ORF muss mit einer Totalreform komplett neu aufgesetzt werden."
Auch NEOS üben Kritik
Kritik kommt auch von den NEOS: "Mit der Wahl des neuen Generaldirektors ist das Thema ORF nicht erledigt“, so NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter.
Die NEOS kritisieren dabei auch die Koalitionspartner ÖVP und SPÖ: "Im Gegenteil: Jetzt gilt es, den ORF und seine Gremien von Grund auf zu reformieren, damit es das letzte Mal war, dass Parteien bei der Besetzung des Direktoriums packeln und mitmischen. Wir NEOS sind die einzigen, die da nie mitmacht haben."