Interview der Woche

Adler-Boss Andreas Widhölzl: 
"Wichtiger 
Schritt für Damen"

© APA/EXPA/ JFK
ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl blickt im Interview auf den Winter, den neuen Bergisel-Flutlichtzauber und den wichtigen Schritt für die ÖSV-Damen.
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Frage: Wie lief die Sommer-Vorbereitung in den letzten Monaten, und mit welchem Gefühl gehst du in den Weltcup-Auftakt im November?

Andreas Widhölzl: Die Vorbereitung ist insgesamt sehr gut verlaufen. Die Burschen haben über den Sommer ordentlich gearbeitet und wir konnten unser Programm weitgehend so durchziehen, wie wir uns das vorgestellt haben. Jetzt freuen wir uns, dass es endlich wieder losgeht und wir sehen, wo wir im internationalen Vergleich stehen.

Frage: Die heimischen Skisprung-Fans sind durch die ÖSV-Erfolge extrem verwöhnt. Wie schwierig ist es, dieses gewaltige Niveau Saison für Saison zu halten?

Widhölzl: Natürlich sind die Erwartungen hoch, aber das haben wir uns mit unseren Leistungen in den vergangenen Jahren auch selbst erarbeitet. Wir wissen, was wir können, und haben eine Mannschaft, die immer vorne mitspringen will. Trotzdem beginnt jede Saison wieder bei null und die Konkurrenz schläft natürlich auch nicht.

Frage: Die 75. Vierschanzentournee steht im Dezember an. Welchen Stellenwert hat dieses Jubiläum für dich persönlich und wie verändert sich der Druck im Vergleich zu "normalen" Weltcup-Wochenenden?

Widhölzl: Die Vierschanzentournee ist immer etwas ganz Besonderes, und die 75. Auflage macht das Ganze natürlich noch einmal spezieller. Für uns Österreicher hat die Tournee ohnehin einen enormen Stellenwert. Der Druck und die Aufmerksamkeit sind größer, aber genau das macht auch den Reiz aus. Wir freuen uns auf diese Herausforderung.

Frage: Erstmals wird das Traditionsspringen in Innsbruck unter Flutlicht ausgetragen. Wie sehr verändert das Spektakel die Atmosphäre am Bergisel, und worauf muss man sich einstellen?

Widhölzl: Das wird sicher eine richtig coole Geschichte. Der Bergisel ist mit den vielen Zuschauern ohnehin immer ein Highlight, und unter Flutlicht wird die Stimmung wahrscheinlich noch einmal ganz besonders. Sportlich ändert sich für uns nicht viel, da geht es wie immer darum, gute Sprünge zu zeigen.

Taktikbesprechung im Sessellift: ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl im Gespräch mit Daniel Tschofenig auf dem Weg nach oben zur Schanze bei einem Weltcup-Einsatz der österreichischen Skispringer. © APA/GEORG HOCHMUTH

Frage: Mit fast 700.000 Euro Preisgeld und der offiziellen Integration der Frauenbewerbe setzt die Tournee neue Maßstäbe. Wie nimmst du diese Aufwertung wahr und was bedeutet dieser Schritt für das gesamte ÖSV-Team?

Widhölzl: Ich finde es grundsätzlich sehr positiv, dass sich unser Sport weiterentwickelt und auch die Damen immer mehr die Bühne bekommen, die sie verdienen. Das ist ein wichtiger Schritt für das Skispringen insgesamt. Dass die Tournee dadurch noch einmal aufgewertet wird, ist natürlich eine schöne Sache.

Frage: Was macht die Faszination der Tournee-Gesamtwertung aus – ist der Gedanke an den Goldenen Adler schon im Hinterkopf oder blendet man ihn bewusst aus?

Widhölzl: Der Goldene Adler ist eine der begehrtesten Trophäen in unserem Sport, da braucht man nicht lange herumreden. Natürlich möchte jeder von uns bei der Vergabe ein Wörtchen mitreden. Aber die Tournee gewinnt man nicht mit großen Ansagen, sondern mit acht guten Sprüngen. Deshalb schauen wir von Bewerb zu Bewerb.

Abflug im Schnee: Ein ÖSV-Adler segelt hier im Archivbild majestätisch über den Aufsprunghang direkt über das blaue Vierschanzentournee-Logo hinweg. © Getty Images

Frage: Neben der Tournee wirft auch bereits die Nordische Ski-WM 2027 im schwedischen Falun ihre Schatten voraus. Schaut man jetzt schon mit halbem Auge darauf, um den Grundstein zu legen?

Widhölzl: Eine Weltmeisterschaft ist natürlich immer ein großes Ziel und Falun haben wir selbstverständlich im Hinterkopf. Aber bis dahin stehen noch viele wichtige Wettkämpfe auf dem Programm. Entscheidend ist, dass wir gut in die Saison starten und uns dann Schritt für Schritt weiterentwickeln. Wenn wir unsere Leistung bringen, können wir auch bei der WM vorne dabei sein.

Frage: Mit Unternehmen wie Biogena gibt es auch abseits der Schanze starken Rückenwind aus der Heimat. Wie wichtig ist dieses heimische Sponsoring für euch Athleten?

Widhölzl: Wir sind sehr froh, dass wir so viele starke und verlässliche Partner an unserer Seite haben. Diese Unterstützung ist für den gesamten Skisport enorm wichtig und ermöglicht uns, auf einem sehr professionellen Niveau zu arbeiten. Dafür sind wir allen unseren Partnern wirklich dankbar.

Frage: Wann ist der bevorstehende Winter für dich persönlich ein voller Erfolg gewesen?

Widhölzl: Wenn wir am Ende der Saison sagen können, dass wir als Mannschaft wieder alles herausgeholt und uns weiterentwickelt haben. Natürlich wollen wir um Siege und Podestplätze mitspringen und bei den großen Highlights vorne dabei sein. Aber genauso wichtig ist mir, dass die Burschen gesund bleiben und wir als Team weiterhin so gut zusammenarbeiten.