Wahl-Hammer

AfD feiert in Niedersachsen starken Zugewinn

© APA/AFP/JOHN MACDOUGALL
Die Kommunalwahl in Niedersachsen wird zum nächsten Stimmungstest für die deutsche Bundesregierung. Die erste Hochrechnung zeigt einen deutlichen Dämpfer für die CDU – während die AfD kräftig zulegt.
Zur Vollversion des Artikels

Laut der ersten Hochrechnung von Infratest dimap kommt die CDU auf 27,7 Prozent. Damit verliert sie vier Prozentpunkte, bleibt aber weiterhin vor der AfD.

Stärkste Kraft ist die SPD mit 24,5 Prozent. Auch die Sozialdemokraten müssen allerdings Verluste hinnehmen.

Der große Gewinner des Wahlabends ist die AfD. Sie erreicht 16,5 Prozent und legt damit um 11,9 Prozentpunkte zu. Auch die Linke kann zulegen und kommt auf 5,9 Prozent.

Die Grünen fallen auf 13,6 Prozent, die FDP erreicht nur noch 3,6 Prozent.

Druck auf die deutsche Bundesregierung wächst

Für CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz ist das Ergebnis ein Warnsignal. Zwar liegt die CDU noch deutlich vor der AfD, gleichzeitig muss sie erneut empfindliche Verluste hinnehmen.

Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner sieht deshalb Handlungsbedarf in Berlin. "Ich glaube, es braucht eine politische Änderung in Berlin", sagte er am Wahlabend.

Lechner fordert unter anderem Entlastungen für die Menschen. Energie- und Wohnungspreise seien zu hoch, gleichzeitig bleibe zu wenig Netto vom Brutto. Die Bundesregierung müsse bis Jahresende mutige Entscheidungen treffen.

Auch den Unmut über die Bundespolitik habe die CDU in Niedersachsen deutlich gespürt. Lechner sprach von einem "Glaubwürdigkeitsproblem", das die Partei in den kommenden Wochen aufarbeiten müsse.

AfD wird in CDU-Hochburg zur Nummer zwei

Wie stark die AfD zulegen konnte, zeigt sich auch in Nutteln im Landkreis Oldenburg. Dort bleibt die CDU mit 67 Prozent zwar klar stärkste Kraft.

Dahinter landet jedoch die AfD mit mehr als 20 Prozent. Bei der Kommunalwahl 2021 war die Partei dort noch gar nicht angetreten.

Für die Grünen und die SPD verlief der Wahlabend dagegen schlecht. Die Grünen stürzten auf 2,4 Prozent, die SPD sogar auf 1,7 Prozent ab.

AfD erreicht Stichwahl in Salzgitter

Auch bei den Oberbürgermeisterwahlen sorgt die AfD für Aufsehen. In Salzgitter erreichte AfD-Kandidatin Patricia Mair mit 25,7 Prozent den zweiten Platz und damit die Stichwahl.

Vor ihr liegt Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU mit 45,6 Prozent.

In Osnabrück kommt es ebenfalls zu einer Stichwahl. CDU-Oberbürgermeisterin Katharina Pötter erreichte mit 42,2 Prozent das beste Ergebnis. Sie tritt nun gegen Grünen-Kandidat Volker Bajus an, der auf 22,2 Prozent kam.

Spannende Rennen in Niedersachsen

Auch in anderen Städten und Landkreisen bleibt es spannend. In der Region Hannover zeichnet sich ein enges Rennen zwischen SPD-Kandidatin Eva Bender und CDU-Bewerber Oliver Junk ab.

In der Grafschaft Bentheim lieferten sich die Kandidaten bei der Landratswahl ein besonders knappes Rennen: SPD-Kandidatin Silvia Pünt-Kohoff und Einzelbewerber Kai Schmidt kamen jeweils auf rund 33 Prozent. CDU-Kandidatin Anja Terhorst erreichte 32 Prozent. Pünt-Kohoff und Schmidt ziehen in die Stichwahl ein.

In Helmstedt muss sich der langjährige CDU-Bürgermeister Wittich Schobert ebenfalls einer Stichwahl stellen. SPD-Herausforderer Rudolf Meyer-Sorge lag mit 44,6 Prozent sogar vor ihm (39,7 Prozent).

Ganz anders fiel das Ergebnis in Hessisch Oldendorf aus: Der parteilose Bürgermeister Tarik Oenelcin erhielt 90,52 Prozent der Stimmen. Einen Gegenkandidaten hatte er allerdings nicht.