Die Wahlbeteiligung von 77,8 % ist ein Rekord: die höchste bei freien Wahlen des Landtags in Sachsen-Anhalt. Ein Rekord-Ergebnis fuhr auch die rechtsradikale AfD ein. Für eine absolute Mehrheit reicht das Wahlergebnis aber nicht. Aktuell kommt die AfD mit knapp 44 Prozent auf 39 Parlamentssitze, es fehlen drei zur absoluten Mehrheit.
Überläufer: Wie die AfD in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erzwingen will
Die AfD versucht unter Hochdruck, eine regierungsfähige Mehrheit zu zimmern. Da die Partei die absolute Mehrheit im Landtag knapp verpasst hat, laufen nun im Hintergrund diskrete Gespräche, um Abgeordnete anderer Fraktionen zum Überlaufen zu bewegen.
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Gezielte Jagd auf CDU-Abgeordnete
Sollte dieser Plan tatsächlich aufgehen und sich mindestens drei Abgeordnete zum Fraktionswechsel entschließen, stünde einer Alleinregierung der AfD nichts mehr im Wege. Die Bundesparteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla machen hinter den Kulissen massiven Druck auf den lokalen Spitzenpolitiker Siegmund. Die klare Vorgabe aus Berlin lautet, dass er dieses Ergebnis nutzen und einen Weg finden muss, um aktiv im Bundesland zu regieren.
Nach WELT-Informationen aus Kreisen von Insidern konzentrieren sich die Abwerbungsversuche der AfD ganz besonders auf die Abgeordneten der CDU. Es wird vermutet, dass vor allem altgediente Mandatare im Fokus stehen, die den Großteil ihrer politischen Laufbahn bereits hinter sich haben. Da diese Personen nicht mehr auf eine langfristige Karriere innerhalb ihrer eigenen Partei angewiesen sind, gelten sie in den Augen der Strategen als potenzielle Wackelkandidaten.
Die AfD könnte mit der Vergabe von attraktiven Posten locken, um den Wechsel schmackhaft zu machen. Entsprechende Gespräche sollen laut Insiderberichten schon seit längerer Zeit laufen und befinden sich nun offenbar in einer entscheidenden Phase.
Siegmund plant den Einzug in die Staatskanzlei
Siegmund selbst gab sich vor Journalisten betont zuversichtlich und bestätigte indirekt das Vorhandensein solcher Pläne. Er kündigte an, dass eine stabile Mehrheit "in den nächsten Tagen und Wochen erarbeitet werden" solle. Sobald dieses Fundament stehe, werde er "selbstverständlich" zur Wahl als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt antreten.
Die Reaktion der politischen Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. Der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze wies alle Spekulationen über mögliche Überläufer aus den eigenen Reihen umgehend und kategorisch zurück. Er erklärte unmissverständlich, dass ein solcher Schritt für die Christdemokraten völlig ausgeschlossen sei.
Falls die CDU wirklich geschlossen gegen die AfD-Anwerbeversuche zusammenhält, bleiben noch die Linksradikalen im Bündnis Sahra Wagenknecht. Eine Koalition schloss die Parteichefin aus, nicht aber eine Zusammenarbeit in Sachfragen. Sahra Wagenknecht sprach von einem "politischer Neubeginn" und dass es Mehrheiten im Magdeburger Landtag gebe "für einen Kurswechsel in der Energiepolitik, ein Ende der Russland-Sanktionen, bessere Bildung und eine grundlegende Reform des öffentlich rechtlichen Rundfunks."