Erste Bank Open

Alcaraz und Zverev kämpfen in Wien mit »Fussel-Bällen«

© APA/MAX SLOVENCIK
Zwei Tennis-Superstars, ein ungewöhnlicher Streitpunkt: Bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle sorgt ausgerechnet das Spielgerät für Kopfzerbrechen.
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Alcaraz und Zverev stehen in Wien im Achtelfinale – und schimpfen über die Bälle. "Die werden ehrlich gesagt extrem fusselig", klagte der Spanier nach seinem Auftaktsieg. Zverev wurde nach seinem Dreistunden-Krimi noch deutlicher: "Die waren unfassbar langsam."

Ausgerechnet das Spielgerät macht den beiden Superstars bei den Erste Bank Open das Leben schwer. Dabei hatte Alcaraz am Dienstag auch an der Lautstärke in der Stadthalle etwas auszusetzen.

Alcaraz ärgert sich über den Filz

"Manchmal ist es wirklich schwierig, damit Druck zu erzeugen", erklärte der 23-Jährige nach seinem 6:4, 7:6 (5) gegen Karen Chatschanow. Der Filz der Bälle raue sich während des Spiels zunehmend auf. Für Alcaraz, der seine Gegner mit Tempo und aggressiven Grundschlägen unter Druck setzt, eine lästige Angelegenheit.

Der Spanier beschäftigt sich schon länger mit diesem Problem. Bereits beim Laver Cup im September hatte er eine bessere Abstimmung der Spielbälle auf die jeweiligen Turnierbedingungen gefordert. "Ich habe gefordert, dass sie den bestmöglichen Ball für die Plätze und Turniere finden, auf denen wir spielen", sagte er damals.

Den Wiener Platz nahm Alcaraz dagegen ausdrücklich aus der Kritik. "Er ist ausgezeichnet, er hat mir gefallen", erklärte er laut der spanischen Zeitung "Mundo Deportivo". Auch die Bedingungen insgesamt bezeichnete er als großartig.

Zverev: »Die waren unfassbar langsam«

Dass Alcaraz mit seinem Ärger nicht allein ist, zeigte sich wenige Stunden später. Alexander Zverev (29) hatte gerade einen Tennis-Krimi gegen den 20-jährigen Martín Landaluce überstanden. Vier Matchbälle musste der Deutsche abwehren, ehe er nach 3:05 Stunden mit 7:5, 3:6, 7:6 (11) gewann.

Alexander Zverev kämpft sich gegen Martín Landaluce ins Achtelfinale. © APA/MAX SLOVENCIK

Danach rechnete auch er mit den Bällen ab. "Ich habe heute ein bisschen mehr mit den Bällen zu kämpfen gehabt, die waren unfassbar langsam", sagte Zverev.

Seine Aufschlagbilanz lieferte ihm gleich das passende Argument: nur acht Asse in drei Sätzen. "Ich glaube, ich habe noch nie so wenige Asse aufgeschlagen in einer Dreisatz-Partie."

Dabei hatte Zverev auch reichlich Lob für seinen jungen Gegner übrig. "Er hat mich zu meinem absoluten Limit gebracht", sagte der Deutsche über Landaluce.

Auch die Musik ist zu laut

Mit den Bällen war die Liste der Wiener Eigenheiten für Alcaraz noch nicht abgeschlossen. Auch die Musik während der Seitenwechsel war dem Spanier zunächst zu laut.

"Ich würde sagen, es ist zu laut, da werde ich nicht lügen", erklärte er. Ein Vorwurf an die Veranstalter sollte das allerdings nicht sein. Alcaraz zeigte Verständnis für das Unterhaltungsprogramm. "Es ist beim Seitenwechsel und diese Zeit ist auch die Zeit der Fans." Mit der Zeit gewöhne man sich an die Geräuschkulisse.

Die Zuschauer und die Stimmung in der Stadthalle gefielen ihm ohnehin. Auch sportlich war der Spanier mit seinem Auftakt zufrieden, obwohl Chatschanow ihm einiges abverlangt hatte.

Alcaraz staunt über eigenen Zauberschlag

Der Russe hatte im ersten Satz mit einem Break 3:2 geführt, ehe Alcaraz die Partie drehte. Im zweiten Durchgang wehrte Chatschanow drei Matchbälle ab und ging selbst mit 6:5 in Führung. Doch Alcaraz schaffte das Rebreak zu null und rettete sich ins Tiebreak.

Dort gelang ihm beim Stand von 4:5 ein Passierball, über den er anschließend selbst staunte: "Da weiß ich nicht, wie ich den geschafft habe."

Nach 2:04 Stunden stand der siebente Sieg im siebenten Duell mit Chatschanow fest. "Es war wirklich eng. Ich habe gut gespielt, ein paar Punkte haben entschieden", bilanzierte Alcaraz.

Traumfinale gegen Zverev möglich

Trotz der ungewohnten Bälle sieht sich Alcaraz nach seiner langen Verletzungspause wieder auf Kurs. "Ich bin auf dem richtigen Weg, mache die richtigen Schritte", sagte der siebenfache Grand-Slam-Sieger. Was ihm noch fehle, sei die Konstanz aus der ersten Saisonhälfte.

Auch Zverev hat in Wien noch einiges vor. Nur ein Sieg trennt ihn vom erstmaligen Sprung an die Spitze der Weltrangliste. Schon mit dem Viertelfinaleinzug würde er am 2. November Jannik Sinner überholen.

Da Zverev als Nummer eins und Alcaraz als Nummer zwei gesetzt ist, könnten sie erst im Finale am Sonntag aufeinandertreffen. Alcaraz muss zuvor am Donnerstag im Achtelfinale gegen den Sieger der Partie zwischen Jurij Rodionov und Nikolos Basilaschwili bestehen.