Retro-Design
Alfa Romeo verzichtet auf XXL-Displays im Auto
Die italienische Traditionsmarke Alfa Romeo plant eine Rückkehr zu echten Schaltern und beweist mit einer neuen Studie, wie moderne Armaturenbretter ohne Display-Überladung funktionieren.
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Über Jahrzehnte hinweg gehörten physische Bedienelemente wie Knöpfe, Tasten und griffige Drehregler zur festen Grundausstattung jedes Autos. Sie funktionierten verlässlich, lenkten nicht vom Verkehrsgeschehen ab und ließen sich intuitiv mit einem Handgriff bedienen. In den vergangenen Jahren verfiel die gesamte Automobilindustrie jedoch der Idee, nahezu sämtliche Funktionen in zentrale Touchscreens zu verlagern.
Gegen diese Entwicklung regt sich nun deutlicher Widerstand aus Italien. Alfa-Romeo-Designchef Alejandro Mesonero-Romanos übte im Gespräch mit dem Fachmagazin "Autocar" deutliche Kritik an der aktuellen Entwicklung. Aus seiner Sicht dominieren überdimensionierte Monitore zunehmend das gesamte Interieur, anstatt den tatsächlichen Bedürfnissen der Autofahrer zu dienen. Er sprach in diesem Zusammenhang offen von einem fragwürdigen "Krieg der Zentimeter", bei dem Marken lediglich versuchen, sich bei den Bildschirmdiagonalen gegenseitig zu überbieten.
Veraltende Bildschirm-Technik
Ein zentrales Argument des Chefdesigners betrifft die Lebensdauer digitaler Komponenten. Während ein mechanisch hochwertig verarbeitetes Cockpit über Jahrzehnte hinweg seine Eleganz behält, altert Unterhaltungselektronik im Rekordtempo. Monitore können nach einigen Jahren unmodern wirken und sich im Laufe der Zeit zu teuren Altlasten für Besitzer entwickeln.
Zudem hat die Fokussierung auf Glasflächen die gestalterische Vielfalt im Fahrzeugbau massiv beschnitten. Viele Armaturenbretter werden heute nur noch um die Displays herum entworfen, anstatt den Fahrer ins Zentrum der Architektur zu rücken. Die Monitore wirken dabei häufig wie nachträglich hineingeworfen. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bereits im Smartphone-Sektor: Seit der Touchscreen das Erscheinungsbild bestimmt, gleichen sich die Endgeräte fast bis aufs Haar, während mutige gestalterische Innovationen auf der Strecke blieben.
Studie Cuorerosso als Gegenentwurf
Dass Alfa Romeo den geforderten "Detox" im Innenraum ernst meint, unterstreicht das Konzeptfahrzeug Cuorerosso. Der markante Fastback feierte vor wenigen Wochen auf dem Pariser Autosalon seine offizielle Premiere und gibt einen greifbaren Vorgeschmack auf künftige Generationen der Marke. Statt digitaler Reizüberflutung rückt hier ein reduziertes Designkonzept in den Vordergrund, bei dem Technik nur dann in Erscheinung tritt, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.
Designchef Mesonero-Romanos fasste die Grundidee hinter dem System prägnant zusammen: Er wolle zwar einen Infotainment-Bildschirm an Bord haben, diesen aber keineswegs permanent ansehen müssen. Das Display soll sich verbergen lassen, um den Blick auf die Straße freizugeben. Zwar erfreuen sich üppige Bildschirme bei vielen Käufern weiterhin hoher Beliebtheit, Alfa Romeo setzt jedoch auf Kunden, die ein fahrerorientiertes Erlebnis suchen.
Ob sämtliche Elemente des Cuorerosso unverändert in Serie gehen, ist derzeit noch offen. Die Studie setzt jedoch ein unübersehbares Zeichen für die Zukunft des Interieurs. Statt aus Autos rollende Großbildschirme zu machen, besinnt sich Alfa Romeo auf ein Zusammenspiel aus moderner Funktionalität und bewährter Mechanik.