Lebensgefährlich
"Alpine Divorce": Bitterer Beziehungs-Trend auf Österreichs Bergen
Es sollte ein gemeinsames Abenteuer werden, endete aber in einer gefährlichen Notlage: Ein 21-jähriger Bayer und eine 17-Jährige aus Baden-Württemberg wollten am Sonntag den Sonnenaufgang auf der Zugspitze erleben. Doch bei winterlichen Bedingungen kamen die beiden nicht wie geplant voran. Schließlich trennten sie sich – die Jugendliche blieb allein im Schnee zurück, während der junge Mann ins Tal abstieg.
Bei minus zwölf Grad, starkem Schneefall und teilweise kniehohem Schnee setzte die 17-Jährige einen Notruf ab. Österreichische Einsatzkräfte bargen sie schließlich mit einem Polizeihubschrauber. Sie war unterkühlt, konnte das Krankenhaus nach einer Erstuntersuchung aber wieder verlassen. Gegen den 21-Jährigen wird wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit ermittelt.
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Vom Großglockner bis zur Zugspitze
Der Vorfall erinnert an den tödlichen Bergunfall am Großglockner im Jänner 2025. Damals war eine 33-jährige Bergsteigerin knapp unterhalb des Gipfels erfroren. Ihr Freund hatte sie zurückgelassen, nach eigenen Angaben, um Hilfe zu holen. Das Landesgericht Innsbruck verurteilte ihn wegen grob fahrlässiger Tötung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Solche Fälle rücken ein Phänomen in den Fokus, das in sozialen Medien unter dem Begriff "Alpine Divorce" immer größere Aufmerksamkeit bekommt.
Wenn der Partner einfach weitergeht
Der englische Ausdruck bedeutet übersetzt "Alpine Scheidung". Gemeint sind Situationen, in denen jemand seinen Partner oder seine Partnerin während einer Wanderung oder Bergtour zurücklässt. Die Geschichten reichen von unterschiedlichen Fitnesslevels und Streitigkeiten bis hin zu Situationen, in denen eine Person bewusst allein und ohne ausreichende Ausrüstung zurückbleibt.
Auf TikTok und in Online-Foren berichten vor allem Frauen davon, wie ihre Begleiter plötzlich davonzogen. Manche schildern, dass sie auf unbekannten Wegen zurückblieben, während es bereits dunkel wurde oder das Wetter umschlug. Für viele Betroffene ist ein solcher Vorfall das Ende der Beziehung.
Am Berg zeigt sich der Charakter
Warum manche Menschen ihren Partner ausgerechnet in einer gefährlichen Situation zurücklassen, beschäftigt auch Experten. Die Psychologin und Paartherapeutin Ines Schweizer sieht dahinter vor allem eine Verletzung des Vertrauens. Eine zentrale Frage in einer Beziehung sei: Wie verlässlich ist mein Partner, wenn es mir schlecht geht?
Auch Machtverhältnisse und fehlende Empathie können eine Rolle spielen. In manchen Fällen könne das Zurücklassen sogar Teil von Partnerschaftsgewalt sein. Allerdings sei Vorsicht vor pauschalen Schuldzuweisungen geboten: Nicht immer stecke eine böse Absicht dahinter.
"Zusammen rauf, zusammen runter"
Für den Schweizer Alpen-Club ist die Sache klar: Wer gemeinsam auf eine Bergtour geht, muss auch gemeinsam wieder zurückkommen. Besonders bei unterschiedlichen Erfahrungs- und Fitnesslevels brauche es Rücksichtnahme und eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.
Niemand dürfe aus Frust oder wegen eines Streits schutzlos am Berg zurückgelassen werden. Denn während ein Beziehungsstreit im Tal vielleicht glimpflich endet, kann eine solche Entscheidung in den Bergen lebensgefährlich werden.